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Zweites Bulletin.Bearbeiten

Auma, am 12. Oct. Der Kaiser reiste am 8. Okt. um 3 Uhr Morgens von Bamberg ab, und kam um 9 Uhr zu Kronach an. Se. Majestät paßirten am 9. mit Tages Anbruch den Frankenwald, um sich nach Ebersdorf zu begeben; von da begaben Sie sich nach Schleitz, wo sie dem ersten Gefecht dieses Feldzugs beiwohnten. Sie kehrten nach Ebersdorf zurück, um daselbst die Nacht zuzubringen, reisten am 10. wieder nach Schleitz ab, und kamen am 11. zu Auma an, wo Sie Nachtquartier machten, nachdem Sie den Tag hindurch zu Gera gewesen waren. Das Hauptquartier geht in diesem Augenblick nach Gera ab.

Alle Befehle des Kaisers sind pünktlich vollzogen worden: Der Marschall Soult marschirte am 7. nach Baireuth, erschien am 9. zu Hof, nahm alle feindliche Magazine weg, machte mehrere Gefangene, und kam am 10ten nach Plauen. Der Marschall Ney folgte dieser Bewegung in der Entfernung eines halben Tagesmarsches. Am 8. rückte der Großherzog von Berg mit der leichten Kavallerie und den 25sten Regiment leichter Infanterie von Kronach gegen Saalburg vor. Ein preuß. Regiment wollte den Uebergang über die Saale verwehren; nach einer halbstündigen Kanonade sah er sich aber in Gefahr, umgangen zu werden, und verließ daher seine Position.

Am 9ten marschirte der Herzog von Berg gegen Schleitz, wo ein preuß. General mit 10,000 Mann stand. Der Kaiser kam um Mittag an, und beauftragte den Marschall Fürsten von Pontecorvo, das Dorf, das er vor Ende des Tages haben wollte, anzugreifen. Der Marschall machte seine Anordnungen, stellte sich an die Spitze seiner Kolonnen, das Dorf wurde genommen, und der Feind verfolgt. Ohne die Nacht wäre der größte Theil dieser Division gefangen worden. Der Gen. Watier machte mit dem 4ten Husaren- und dem 5ten Chasseurregimente einen schönen Kavallerieangriff gegen 3 preuß. Regimenter; 4 Kompagnien leichter Infanterie, die sich in der Ebene befanden, wurden durch preuß. Husaren chargirt; allein diese sahen, wie franz. Infanterie preuß. Kavallerie empfängt. Es blie- 200 preuß. Reiter auf dem Schlachtfelde. Herr Maison kommandirte die leichte Infanterie. Ein feindlicher Obrist wurde getödtet, 2 Kanonen wurden erobert, 300 Gefangene gemacht, nnd 400 Mann getödtet. Unser Verlust war unbedeutend; die preuß. Infanterie warf ihre Waffen weg, und floh, erschrocken vor den franz. Bajonneten. Der Großherzog von Berg war in der Mitte des Gefechtes, mit dem Säbel in der Hand.

Am 10ten verlegte der Fürst von Pontecorvo sein Hauptquartier nach Auma; am 11ten kam der Großherzog von Berg zu Gera an. Der Brigadegen. Lasalle von der Reservekavallerie stieß auf die feindliche Bagage. Es wurden 500 Munitions- und Bagagewagen durch die franz. Husaren genommen. Unsere leichte Kavallerie hat Gold die Fülle. Brücken- und andere Geräthschaften von Wichtigkeit machen einen Theil von jenem Convoy aus.

Der linke Flügel hat gleiche Vortheile gehabt. Der Marschall Lannes rückte am 8ten in Coburg ein, und marschirte am 9ten nach Gräfenthal. Er griff am 10ten zu Saalfeld die Avantgarde des Fürsten von Hohenlohe, unter den Befehlen des Prinzen Louis von Preußen, einer Hauptperson der Kriegspartei, an. Die Kanonade dauerte nur zwei Stunden; uur die Hälfte der Division Suchet hatte Antheil an diesem Gefechte. Die preuß. Kavallerie wurde durch das 9te und 10te Husarenregiment geworfen. Die preuß. Infanterie konnte auf ihrem Rückzuge keine Ordnung beobachten; ein Theil ward in einen Morast, ein andrer in die Waldungen geworfen. Man machte 1000 Gefangene, 600 Mann blieben auf dem Schlachtfelde; 30 Kanonen fielen in unsere Hände.

Als der Prinz Louis von Preußen seine Leute in dieser Unordnung sah, schlug er sich Mann für Mann gegen einen Quartiermeister des 10ten Husarenregimentes. - "Ergeben sie sich, Obrist, rief der Quartiermeister, oder Sie sind todt!"- Der Prinz antwortete ihm mit einem Säbelhiebe; der Quartiermeister erwiederte mit einem Säbelstiche, und der Prinz fiel todt vom Pferde *). Hat er sich gleich in den letzten Augenblick seines Lebens als ein schlechter Bürger bewiesen, so ist doch sein Tod ruhmvoll und bedauernswerth. Er ist gestorben, wie jeder Soldat zu sterben wünschen muß. Zwei seiner Adjutanten wurden an seiner Seite getödtet. Man fand bei ihm Briefe aus Berlin, welche zeigen, daß der Feind vorhatte, unverzüglich anzugreifen, und daß die Kriegspartei, an deren Spitze sich der junge Prinz und die Königin befanden, immer befürchtete, die friedfertigen Gesinnungen des Königs und seine Liebe zu seinen Unterthanen möchten ihn bewegen, eine gemäßigte Partei zu ergreifen, und ihre grausamen Hoffnungen täuschen.

Mann kann sagen, daß die ersten Schläge dieses Kriegs einen seiner Urheber getödtet haben. Weder Dresden noch Berlin sind durch ein Armeekorps gedeckt. Da die preuß. Armee auf ihrer Linken umgangen, und auf der That ergriffen ist, als sie sich den gewagtesten Kombinationen überließ, so befindet sie sich sogleich beim Anfang in einer ziemlich kritischen Lage. Sie hält Eisenach, Gotha, Erfurt, Weimar besetzt. Den 12. ist die franz. Armee zu Saalfeld und Gera, und marschirt auf Naumburg und Jena. Streifkorps der franz. Armee überschwemmten die Ebene von Leipzig.

Alle aufgefangene Briefe schildern das Kabinet des Königs durch entgegengesetzte Meinungen entzweit; es berathschlagt immerfort, und ist nie einig. Schon scheint Ungewißheit, Betäubung und Schrecken an die Stelle des Uebermuths, der Unüberlegtheit und der Thorheit zu treten.

Gestern, den 11. da, der Kaiser zu Gera vor dem 27sten Regimente der leichten Infanterie vorbeikam, trug er dem Obrist auf, diesem Regimente wegen seines guten Verhaltens seine Zufriedenheit zu bezeugen.

In allen diesen Gefechten haben wir keinen Offizier vom höhern Grade verloren. Der höchste dem Grad nach ist der Kapitain Campobasso vom 27sten Regiment leichter Infanterie, ein braver und biederer Offizier. Wir hatten nicht mehr als 60 Verwundete und 40 Todte.


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Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Pragmatische Geschichte der Europäischen Staaten seit dem Anfange der französischen Revolution bis auf unsere Zeit, oder die merkwürdigsten 20 Jahren Europens. Herausgegeben von zwei Weimarischen Gelehrten. Gotha, bei Carl Streudel. 1811