FANDOM


Folgendes sind die Französischen Amtsberichte über die Gefechte in Kalabrien mit dem aus Sizilien gelandeten Korps des Prinzen von Hessen-Philippsthal:

"Die Expedizion, die von Palermo unter den Befehlen des Prinzen von Hessen-Philippsthal abgegangen war, kam den 9. May zu Reggio an, und landete sogleich. Sie bestand aus den Jägern von Apulien, den Grenadieren von Val di Mazzara, dem Kavallerieregiment gleiches Nahmens, dem Samnitschen Regimente, und aus Kanonieren und Pontonnieren. Dieses Korps wurde durch Sizilianische Landsturmhaufen vermehrt. Es ist zu bemerken, daß zur Schande der Kriegsgesetze, einige Militäre dieses Armeekorps gegen die Franzosen stritten, ob sie schon nach der Kapitulazion von Gaeta, ein Jahr lang nicht gegen dieselbe hätten dienen sollen. Der Prinz von Hessen-Philippsthal hatte sechs Artilleriestücke bey sich, und eine unermeßliche Menge Ammunizion. Den 14. rückte ein Bataillon Samniten, unterstützt von einem Kavallerie-Detaschemente, bis Plano della Corona vor, um die Französischen Posten zu rekognosziren, welche es verfolgten, und bis an die Passage von Solano zurückjagten. Den 22. kam eine Flottille, die sich beym Faro, nahe bey Messina, versammelt hatte, zu Gioja am Meerbusen gleichen Nahmens mit Tagesanbruch an, und fieng an, sich auszuschiffen. Zu gleicher Zeit rückte das Korps von Philippsthal auf dem Plano della Corona vor. Der General Abbe, der den erhaltenen Befehlen gemäß, den Feind anlocken, und ihm durch einen verstellten Rückzug, während dessen übrigens kein Schuß geschah, Muth machen sollte, marschirte mit seinen Truppen ab, und lagerte sich von Mileto, den 23. kam es, weiter rückwärts, zu Monte-Leone an. Den 24. stellte sich das Korps des Prinzen von Hessen-Philippsthal bey Rosarno auf. Ein Korps Räuber mit einem Detaschement Jäger von Philippsthal und einer Eskadron Reiterey begab sich nach Mileto. Ein Theil dieses Vortrabs zeigte sich vor unsern äussersten Posten; aber 40 Voltigeurs reichten hin, ihn in Furcht zu setzen; es war nicht möglich ihn zum Gefecht zu bringen, wie man wünschte, um ihn gefangen zu nehmen, und er zog sich mit Verlust von mehreren Mann zurück. Den 25. kam dieser ganze Vortrab gegen 3 Uhr Morgens zurück, um den äussersten Posten anzugreifen. Der Haufen bestand aus 200 Reitern von Val die Mazzara, 600 Räubern und 140 Jägern von Philippsthal. Der General Reynier hatte hinter unseren Vorposten 80 Chasseurs zu Pferde vom 9. Regimente und zwey Kompagnien Voltigeurs verstecken lassen, damit der Feind, wenn er keine Macht vor sich sah, die ihn schrecken konnte, mit mehr Dreistigkeit vorrückte, und also leichter genommen oder geschlagen werden könnte. Die Französischen Chasseurs wurden ungeduldig, als sie sahen, daß dieser furchtsame Haufen nicht vorwärts komme, griffen ihn an, und schlugen ihn mit Hilfe unserer Voltigeurs vollkommen. Die Räuber wurden in Stücken gehauen, die Jäger von Philippsthal zu Gefangenen gemacht, und was von den 200 Reitern von Val di Mazzara entkommen konnte, 4 Meilen über Mileto hinaus verfolgt. Hundert Mann und 50 Pferde von diesen wurden gefangen; die Anführer der Masse, Frankatrippa und Pandigrano wurden verwundet; aber indem sie sich todt stellten, fanden sie Mittel in der Nacht zu entwischen. Den 26. lagerte sich der Prinz Philippsthal zu Mileto; aber sein eingeschüchterter Vortrab wagte es nicht mehr, sich vor den Französischen Posten zu zeigen. Den 27. Nachmittags schickte Philippsthal einen Parlamentär ab, um den General, der in Monte Leone kommandirte, zu ersuchen, diese Stadt zu räumen, unter dem Vorwande, sie vor der Plünderung zu bewahren. Unter diesen Umständen beschloß der General Reynier, den Feind anzugreifen, und gewiß, daß er diese elenden Reste einer schon zweymal, in den Feldern von Lagonegro, und von Campo Tenese geschlagenen Armee zu Grunde richten werde, zog er einige Bataillone vorwärts Monte Leone zusammen. Dieser General hätte mehr Truppen kommen lassen können, aber der dritte Theil von soviel, als der Feind hatte, war hinreichend, um des Sieges versichert zu seyn. Man erwartete den Prinzen Philippsthal den ganzen Tag, er kam aber nicht. Man beschloß also, ihn den andern Tag ganz in der Frühe anzugreifen. Dieselbe Flotille, die zu Gioja eine Landung gemacht hatte, zeigte sich beladen mit Räubern, unter den Befehlen des Cancellieri, und bedrohte verschiedene Punkte der Küste von Gioja bis an den Meerbusen von Eufemia. Zu Tropea benahmen ihr die guten Disposizionen der Bürgermiliz die Lust, eine Landung zu machen. Dasselbe war der Fall zu Paralia, Briatico, und zu Pizzo. Der General ertheilt dem guten Betragen der Bürgergarden aller dieser Orte Lobsprüche. Den 28. setzte sich die Französischen Truppen in Marsch, so, daß sie mit Tagesanbruch in Mileto ankamen. Der Prinz von Philippsthal verließ sich ruhig auf die Zahl seiner Truppen, und lag im Bette, als seine Vorposten von unsern Voltigeurs angegriffen, und zurückgetrieben wurden, die sich des Dorfes bemächtigten. Das feindliche Armeekorps stand auf einem ebenen Terain, jenseits Mileto, in Schlachtordnung. Der grössere Theil der Infanterie war hinter einem tiefen Graben, und der durch eine Schulterwehr auf der Flanke gedeckt war, aufgestellt. Sechs Kanonen bestrichen die verschiedenen Ausgänge des Dorfes. Ein Bataillon der Samniten, und die Grenadiere von Val di Mazzara, mit der Kavallerie bildeten die zweyte Linie; Landsturmshaufen, und die Räuber waren auf den Flügeln. Der General Abbe mit der Avantgarde bildete 2 Angriffskolonnen; die eine bestand aus dem Bataillon des 23. leichten Infanterie-Regiments, unter Anführung des Bataillonschef Langeron, und rückte auf die rechte Seite von Mileto; die andere, bestehend aus einem Bataillon des 29. Regiments unter dem Befehle des Bataillonschef Laborie, hatte die Ordre aus dem Dorfe vorzubrechen; der General Abbe folgte ihr mit dem Reste des 23. Regiments, der die zweyte Linie bildete. Die Eskadron der Chasseurs zu Pferde marschirte gleichfalls in der zweyten Linie mit dem übrigen Theile des 29. Regiments. Der General Camus blieb in Reserve hinter Mileto, mit einem Theile des 52. Linien-Regiments, dessen Voltigeurs abgeschickt wurden, um ein Korps, das der Feind auf seiner Flanke hatte, aus Pizzini zu vertreiben. -- Das Bataillon vom 29sten rückte mit vieler Lebhaftigkeit aus Mileto vor, ungeachtet des feindlichen Infanterie- und Artilleriefeuers. Die feindliche Infanterie fieng an zurück zu weichen, als der Prinz von Hessen seine ganze Kavallerie einen Angriff machen ließ. Der General Abbe rückte hierauf mit einem Theile des 23sten Regiments vor, zugleich stürzte eine Eskadron Chasseurs vom 9. auf jene Reiterey, warf sie, bemächtigte sich aller Kanonen, und verfolgte den Feind, der in größter Unordnung die Flucht nahm, wobey er Artillerie, Munitionswägen, Bagage u. s. f. zurück ließ. Unsere Voltigeurs liefen mit solcher Schnelligkeit, daß sie mehrere Offiziere und Gemeine von der feindlichen Kavallerie verwundeten, oder zu Gefangenen machten. Zu Rosarno theilten sich die Franzosen in 2 Kolonnen; die eine nahm ihre Richtung nach Gioja, welchen Weg der General Philippsthal eingeschlagen hatte, die andere nach Seminara, um dem Prinzen auf dem Piano della Corona zuvorzukommen, und ihm den Rückzug abzuschneiden. Diese letztere Kolonne kam eine Viertelstunde nach seinem Durchmarsch an. Der Gen. Camus blieb mit dem 52. Regimente zwischen Mileto und Rosarno, und schickte mehrere Kolonnen aus, um die Gefangenen einzubringen, die in der Gegend zerstreut waren, und aus Müdigkeit nicht weiter fliehen konnten. -- Den 29. wurde eine Kolonne unter General Abbe nach Reggio abgeschickt, um diejenigen Feinde aufzufangen, die nicht Zeit zum Einschiffen gewinnen würden; man bekam deren viele in die Hände. Der Prinz Philippsthal war den 28. um 2 Uhr nach Mitternacht zu Reggio mit einem hundert Reiter angekommen; er hatte 60 (italien.) Meilen (15 deutsche) an einem Tage gemacht. Den 29. zeigte sich die Flotille der Räuber des Cancellieri vor Amantea, aber die Nationalgarde, unterstützt von der Französischen Besatzung des Schlosses, hinderte sie zu landen. Auf die erste Nachricht der Landung des Prinzen von Philippsthal, haben alle Nationalgarden der Provinz den Gen. Reynier um die Erlaubniß ersucht, sich mit den Französischen Truppen zu vereinigen zu dürfen, um der Regierung Seiner Majestät des Königs Josephs Napoleon, einen Beweis ihrer Anhänglichkeit zu geben. Aber der General wollte, daß sie jede in ihrem Bezirke blieben, um die Ruhe zu erhalten, wenn sie durch Gehülfen des Feindes etwa gestöhrt werden könnte. So ist von dem ganzen Corps, das gelandet hatte, nur eine kleine Zahl Offiziere und Soldaten nach Sizilien zurückgekommen, die sich mit dem Prinzen Philippsthal geflüchtet haben; die übrigen sind gefangen genommen worden. Sechs Kanonen, die ganze Artillerie ausmachten, eine große Menge Kriegsmunition, sind in unserer Gewalt. Der Feind hatte 400 Todte, und eine grosse Menge Verwundeter, die in den Hospitälern liegen, wo sie, wie die Franzosen gepflegt werden."


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Wiener-Zeitung Nro. 59. Sonnabend, den 25. Julius 1807.