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SectieRusslandMosaisk

Charte des Kriegsschauplatzes in Russland (1812).

SectieBorodino

Plan der Schlacht an der Moskwa.

SectieSchlachtfeldeMoskwa

Plan von dem Schlachtfelde an der Moskwa.

SceneErstürmungSchanzeVicekönigs240

Erstürmung der grossen russischen Schanze unter der Anführung des Vicekönigs!

Borodino.Bearbeiten

Borodino ist ein Dorf im Gouvernement Moskau, zwölf Werste von der Stadt Mosaisk entfernt und bekannt durch ein Treffen, das am 5ten September 1812 die französische Hauptarmee gegen die dort aufgestellte russische lieferte, und welches als Vorbereitung zu der zwei Tage darauf Statt gehabten Schlacht von Mosaisk zu betrachten ist.

Das darüber vorhandene russische Bülletin beschreibt die Stellung bei Borodino im Allgemeinen günstig, und rechts bis in die Mitte ziemlich stark, durch eine vorliegende Schlucht und einen tiefen Bach; nur die linke Flanke der Armee, die an das Dorf Semenosska sich lehnte, war weniger bedeckt, da sie auf der alte Straße von Smolensk nach Mosaisk konnte umgangen werden; daher befahl auch der Obergeneral Fürst Kutusow dort die Aufwerfung einiger Schanzen, links von Semenosska und einer Redoute vor diesem Dorfe. „Diese Redoute (sagt der russische Bericht) war als ein isolirtes Werk zu betrachten, welches auch verloren gehen konnte, ohne im Vertheidigungssysteme etwas zu ändern, und sollte eigentlich nur dazu dienen, den Feind eine Zeit lang in gewisser Entfernung zu erhalten. Kaum war dieser Punkt befestigt, als der Feind, am 5ten September, seine Avantgarde gegen diese vorgerückte Redoute führte. Es entstand sogleich ein sehr lebhaftes Gefecht, anfangs mit der Arrieregarde, unter Anführung des Generals Konowitzin, der eben bei den Position angekommen war, und dann mit der Armee des Fürsten Bagration, die unsern linken Flügel bildete. Die Redoute wurde nachdrücklich, von vier Uhr Nachmittags an bis zum Abende vertheidigt, wo wir sie endlich verlassen müssten.“

Die Angabe dieser Stundendauer trifft mit der Erzählung von dieser Affaire in dem achtzehnten Bülletin der großen französischen Armee genau überein. Von der russische Position und der Stärke des dort aufgestellten Corps (der Arrieregarde des General Konowitzin) heißt es dort, daß die Russen 1200 Toisen von dem rechten Flügel eine schöne Anhöhe (un beau mamelon) zwischen zwei Gehölzen befestigt, und dort neun bis zehntausend Mann aufgestellt gehabt haben. Während der Kaiser dem Könige von Neapel auftrug, über die Kalugha zu gehen, auf deren linkem Ufer der linke russische Flügel stand, befahl er dem Fürsten Poniatowsky, jene befestigte Position vor dem rechten Flügel zu tourniren. Diese Attake hatte zum Resultate, das Gehölz von den Russen verlassen war, welche (nach Angabe des achtzehnten Bülletins) ein Drittheil ihrer Mannschaft auf dem Schlachtfelde gelassen hatten.

Um sieben Uhr Abends war das Treffen vorbei, durch dessen Ausgang Napoleon Herr von der Anhöhen von Borodino ward, von wo aus er am 7ten September an seine Armee den Aufruf zur Schlacht erließ, welche wir unter dem Artikel „Mosaisk“ abhandeln werden.

Schlacht bei Mosaisk.Bearbeiten

Mosaisk, (Schlacht bei). Napoleon war mit seiner Heeresmacht bereits bis in das Gouvernement Moskwa vorgedrungen. Das Treffen am 5. Sept. hatte ihn zum Meister der Anhöhen von Borodino (s. d. A.) gemacht. Beide Heere bereiteten sich mit aller Kraft, das eine um die alte Hauptstadt der Czaare gegen den anrückenden Feind zu vertheidigen, das andere, um diese Hauptstadt, in der es Erholung und neue Hülfsmittel zu finden hoffte, zu erreichen.

Der rechte Flügel und das Mitteltreffen der Russen, unter Barclay und Bennigsen standen vorwärts von Mosaisk, wo ein tiefer Hohlweg ihre Stellung deckte; der linke Flügel, den Bagration befehligte, hatte sich nach dem Treffen bei Borodino, auf die anstossenden Höhen zurück gezogen, und mit einem starken Gurt von Batterien umgeben.

Die russische Macht bestand aus 120,000 Mann; Napoleon hatte in ihrem Angesichte 150,000 Mann und 1000 Kanonen aufgestellt. Er war entschlossen, am folgenden Tage, (7 Sept.) durch einen allgemeinen und kräftigen Angriff, dem Feldzuge seine Entscheidung zu geben. Morgens um 3 Uhr erschien er, umgeben von seinen Marschällen, vor den Linien der Armee. Den Abend zuvor schon hatte Kutusow das aus Smolensk gerettete heilige Bild durch die reihen seiner Krieger tragen lassen, und sie ermuntert, treu und tapfer gegen den "Erztyrannen" zu fechten, der in das Heiligthum ihres Landes eingebrochen. Die Franzosen und ihre Bundesgenossen gingen entschlossen in die Schlacht, weil nur sie die Armee von ihren langen Entbehrungen und Leiden befreyen, und ihr den Eingang in das verheissene und mit Ungeduld ersehnte Paradis von Moskwa eröffnen konnte. Diese Entschlossenheit befeuerte Napoleon noch mehr, indem er seinen Kriegern eine Proclamation vorlesen ließ, worinn er sie an die Hoffnungen dieses Tags und an ihre frühern Thaten erinnerte, und indem er auf die in herrlicher Klarheit strahlende Sonne hinwies, mit den Worten: Sehet da die Sonne von Austerlitz!

Um sechs Uhr setzten sich die französischen Colonnen in Bewegung. Poniatowsky, an der Spitze des rechten Flügels, rückte vor, um den Wald zu umgehen, an den sich der feindliche linke Flügel anlehnte, während Davoust sich längs dem Walde hinzog. An ihn schloß sich das erste Corps mit der Cavallerie Murats und an dieses das dritte Corps unter Ney an. Im Mittelpunkt marschirte die Wirtembergische Division voraus. Der Vicekönig, mit den Italienern und Kroaten nahte sich dem Dorfe Borodino.

Der Hauptangriff ward, unter einem fürchterlichen Kanonenfeuer, auf den linken Flügel der Russen gerichtet. Trotzig bot Bagration, in seiner wohl verschanzten Stellung, ihm seine Fronte entgegen. Man beschoß einander in geringer Entfernung. Die französische Cavallerie stürmte bis an die Mündungen der Kanonen vor. Es fielen eine Menge Streiter auf beiden Seiten. Drey Stunden wankte ohne Erfolg der Kampf. Da ließ Napoleon noch 50 Kanonen herbei bringen, und die streitenden durch die Division Morand und das vierte Cavalleriecorps verstärken. Der Angriff wurde erneuert, und das Gefecht noch heftiger. Bagration, von der Uebermacht gedrängt, und durch den Vicekönig in seiner Flanke bedroht, gab das Zeichen zum Rückzuge. Die Franzosen besetzten seine Schanzen, und feuerten aus den eroberten Kanonen auf seinen Nachzug.

Schon schien der Sieg für sie entschieden. Aber bald wandte der linke Flügel der Russen, nachdem Kutusow ihm mächtige Verstärkung aus der zweiten Linie zugesandt hatte, wieder um, und erneuerte die Schlacht. Angriff und Vertheidigung wurden noch heftiger, als zuvor. Das Ungestümm der Russen ward unwiderstehlich. Sie drangen wieder in die verlornen Schanzen ein. Es eilt Murat mit der Wirtembergischen Reuterey herbei. Unter großem Verlust behauptet dieses brave Corps seinen alten Ruhm, und entreißt durch kühnen Muth seinen Anführer der Gefangenschaft. Die Wirtembergische Infanterie greift mit dem Bajonet an. Zugleich dringen russische Heeresmassen zwischen den rechten französischen Flügel und den Mittelpunkt ein, und vermehren die Verwirrung. Tutschkof stürmt mit der moskowitischen Miliz herbei, und mit Lanzen und Beilen fallen die russischen Bauern über die gehaßten Feinde her. Der Kampf wird immer allgemeiner und fürchterlicher, und das Blutbad größer, ohne daß der Sieg sich entscheidend für einen Theil erklärte.

Es waren wohl 30,000 Todte und Verwunderte, die jedes Heer an diesem blutigen Tage verlohren hatte. Unter den russischen Anführern waren Bagration - nach den herrlichsten Erweisungen des edelsten Muthes - Tutschkof und Konowitzin gefallen; unter den Franzosen die Generale Montbrun, Caulaincourt, Compere, Plausonne, Martin und Huart. Sehr viele der obersten Befehlshaber der Heere fanden sich unter den Verwundeten. Am meisten hatten die Bundestruppen, die Wirtemberger, die Sachsen, die Westfalen xc. verloren, indem man sie, um die Franzosen zu schonen, immer dahin führte, wo die Gefahr am größten war.

In der Nacht räumte Kutusow das Schlachtfeld, und zog sich, während Platow mit seinen Kosaken den Rückzug deckte, durch Mosaisk, das in den Flammen aufloderte, gegen Moskwa zurück. Die Schlacht hatte seine Kräfte so sehr geschwächt, daß er es nicht mehr wagen durfte, den Kampf zu erneuern. Deßhalb beschloß er, erst dem Feinde die Mittel zu entziehen, die er in der Hauptstadt finden konnte, und dann eine Stellung zu nehmen, in der er die reichen Provinzen des Südens deckte, und zugleich die Kräfte um sich vereinigen konnte, die er zum Erneuerung der Offensive bedurfte. Der Erfolg hat gelehrt, wie zweckmäßig dieser Entschluß war. Napoleons Heer folgten ihm auf den Straßen von Mosaisk, Zowenigorod und Kaluga nach. Am 14. Sept. zogen sie in das brennende Moskwa ein.

Bulletin der großen Armee.Bearbeiten

Achtzehntes Bulletin.Bearbeiten

Mozaisk, den 10ten Sept.

Den 4ten reiste der Kaiser von Ghjat ab und lagerte bey der Poststation von Gritueva.

Den 5ten um 6 Uhr des Morgens setzte sich die Armee in Bewegung; um 2 Uhr Nachmittags entdeckte man die russische Armee, rechts an die Moscau, links an die Anhöhen des linken Ufers der Kologa gelehnt. 1200 Toisen vor dem linken Flügel hatte der Feind angefangen, einen schönen Berg zwischen zwey Wäldern zu befestigen, woselbst 9 bis 10,000 Mann aufgestellt standen. Nachdem der Kaiser ihn recognoscirt hatte, beschloß er, keinen Augenblick mehr Anstand zu nehmen und diese Position zu erobern. Er befahl dem Könige von Neapel, mit der Division Compans und der Cavallerie über die Kologa zu gehen. Der Fürst Poniatowsky, welcher rechts anmarschirt war, befand sich im Stande, die Position zu umgehen. Um 4 Uhr begann der Angriff. In Zeit von einer Stunde war die Redoute mit ihren Kanonen weggenommen, das feindliche Corps aus dem Walde verjagt, und nachdem es den dritten Theil seiner Mannschaft auf dem Schlachtfelde gelassen, in die Flucht geschlagen. Um 7 Uhr Abends war das Feuer eingestellt.

Den 6ten um 7 Uhr Morgens durchlief der Kaiser die feindlichen Vorposten. Der Tag ward mit Recognoscirungen hingebracht. Der Feind hatte eine sehr eingeengte Position. Der linke Flügel war durch den Verlust der Position vom vorigen Tage geschwächt worden. Er war an ein großes Gehölz gelehnt, von einem schönen Hügel unterstützt, von einer Redoute mit 25 Stück Kanonen beschützt. Zwey andere Hügel mit Redouten, die 100 Schritte von einander entfernt waren, beschützten seine Linie bis an ein großes Dorf, welches den Feind geschleift hatte, um die Gebirgsfläche mit Artillerie und Infanterie zu decken und seinen Mittelpunct daran zu stützen. Sein rechter Flügel ging hinter der Kologa und dem Dorfe Borodino hin, und lehnte sich an zwey schöne, mit Redouten bekränzte und mit Batterien bewaffnete Berge. Diese Position schien schön und fest zu seyn. Es war leicht zu manövriren, und den Feind zu nöthigen, sie zu räumen; dadurch aber würde die Sache in die Länge gezogen worden seyn, und die Position ward nicht für so fest gehalten, daß das Gefecht hätte müssen vermieden werden. Es war leicht zu ersehen, daß diese Redouten nur leicht angelegt waren, der Graben nicht tief, nicht verpallisadirt, nicht mit Spitzpfählen versehen war. Man schätzte die Anzahl der Feinde auf 120 bis 130,000 Mann. Unsere Streitkräfte mochten sich eben so hoch belaufen. Die Ueberlegenheit unserer Truppen war aber nicht zweifelhaft.

Den 7ten um 2 Uhr Morgens war der Kaiser, von seinen Marschällen umgeben, in der Position, welche zwey Tage vorher genommen war. Um halb 6 Uhr ging die Sonne an einem wolkenlosen Horizont auf. Es hatte Tages vorher geregnet. "Die Sonne von Austerlitz," sagte der Kaiser. Obgleich im September, war es doch so kalt, wie Mähren im December. Die Armee nahm die Vorbedeutung an. Man schlug den Generalmarsch und verlas den Tagesbefehl (er ist bereits in diesen Blättern mitgetheilt worden).

Die Armee antwortete durch wiederholten Jubelruf. Die Höhenfläche, worauf sie stand, war mit russischen Leichnamen von dem Gefechte, das vor zwey Tagen statt hatte, bedeckt.

Der Fürst Poniatowsky, der den rechten Flügel bildete, setzte sich in Bewegung, um den Wald zu umgehen, woran der Feind seinen linken Flügel lehnte. Der Prinz von Eckmühl marschirte ebenfalls ab und zog längs dem Walde hin, voran die Division Compans; zwey Batterien, jede von 60 Stück Kanonen, die feindliche Position bestreichend, waren Nachts aufgerichtet worden.

Um 6 Uhr eröffnete der General Graf Sorbier, der die Batterie zur rechten bewaffnet hatte, mit der Reserveartillerie der Garde das Feuer. Der General Pernetty machte mit 30 Stück Kanonen die Spitze der Division Compans (4tes und 1stes Corps), die längs dem Walde marschirte, und die Spitze der feindlichen Position umging. Um halb 7 Uhr ward der General Compans verwundet, um 7 Uhr dem Prinzen von Eckmühl ein Pferd unter dem Leibe erschossen. immer vollständiger ward das Treffen. Nun beginnt das Flintenfeuer. Der Vicekönig der den linken Flügel bildet, greift das Dorf Borodino an, welches der Feind nicht vertheidigen konnte, und nimmt es ein: es liegt auf dem linken Ufer der Kologa. Um 7 Uhr hatte auch der Marschall Herzog von Elchingen sich in Bewegung gesetzt; unter dem Schutze von 60 Stücken Geschütz, die der General Foucher Tags vorher gegen das Centrum des Feindes aufgestellt hatte, marschirt er auf dasselbe los. Tausend Stück Geschütz speyen Tod von beyden Seiten.

Um 8 Uhr sind die Stellungen des Feindes genommen, seine Redouten erstürmt, unser Geschütz bekränzt seine Höhen. Der Vortheil der Stellung, den zwey Stunden hindurch die feindlichen Batterien hatten, ist nun unser. Die Brustwehren, die gegen uns standen, so lange der Angriff dauerte, schützen und jetzt selbst. Schon sieht der Feind die Schlacht verloren, da er sie kaum für angefangen hält. Ein Theil seiner Artillerie wird genommen, der Ueberrest nach seinen hintersten Linien abgeführt. In dieser Noth entschließt er sich, das Treffen zu erneuern, und die festen Stellungen, die er vorher nicht behaupten konnte, nunmehr mit seinen großen Heeresmassen anzugreifen. Dreyhundert Stück französisches Geschütz, die auf den Anhöhen stehen, donnern diese Massen nieder, und seine Soldaten sinken entseelt am Fuße derselben Parapets nieder, die sie Tags vorher mit so vieler Mühe als ihre schützende Wehrmauer errichtet hatten.

Der König von Neapel hieb mit der Cavallerie mehreremale ein. Der Herzog von Elchingen bedeckte sich mit Ruhm, und bewies in gleichem Maße Unerschrockenheit und kaltes Blut. Jetzt befahl der Kaiser einen Angriff von vorn, den rechten Flügel vorwärts. Durch diese Bewegung werden wir der drey Viertheile vom Schlachtfelde mächtig. Indessen schlägt sich der Fürst Poniatowsky im Walde mit abwechselndem Erfolg.

Noch blieben aber dem Feinde seine Redouten im Walde. Der General Graf Morand marschirt darauf los und nimmt sie weg. Um 9 Uhr Morgens aber, da er von allen Seiten angegriffen ward, vermocht er sich nicht mehr darin zu halten. Mit neuem Muthe beseelt durch diesen Erfolg, ließ der Feind seine Reserve, seine besten Truppen anrücken, um noch einmal das Glück zu versuchen. Die kaiserliche Garde marschirte mit. Der Angriff ging auf unser Centrum, worauf unser rechte Flügel sich gestützt hatte. Einen Augenblick besorgt man, der Feind möchte das eingeäscherte Dorf wegnehmen. Die Division Friant schlägt also den Weg dahin ein. Achtzig Stück französisches Geschütz bestreichen jetzt die feindlichen Heermassen, und diese halten ein; sie erliegen unter der Gewalt unsers Geschützes. Zwey Stunden halten sie aus, enggeschlossen unter dem Kartätschenfeuer; vorzudringen wagen, zurückweichen wollen sie nicht; doch entsagen sie aller Hoffnung des Sieges. Da hebt der König von Neapel ihre Unentschlossenheit. Dem 4ten Corps der Reiterey befiehlt er einzuhauen; nun dringt dieses durch die Lücken, die unser Geschütz in die geschlossenen Massen der Russen, in die Schwadronen ihrer Kürassiere geschossen hatte, und von allen Seiten lösen sich die feindlichen Glieder. Der Divisionsgeneral, Graf Caulaincourt, Gouverneur der kaiserlichen Pagen, begiebt sich an die Spitze des 5ten Kürassierregiments, wirft alles vor sich zu Boden und dringt durch den Hohlweg in die Redoute zur Linken. Von diesem Augenblick an ist alle Ungewißheit verschwunden. Die Schlacht ist gewonnen. Die 21 Stück Geschütz, die in der Redoute sich vorfinden, werden gegen den Feind gerichtet. Der General Caulaincourt aber, der bey diesem herrlichen Angriff sich so sehr hervorthat, hatte das Ziel seines Lebens erreicht. Von einer Kanonenkugel getroffen, sank er darnieder und starb eines rühmlichen, beneidenswerthen Todes.

Es ist 2 Uhr Nachmittags. Alle Hoffnung ist dem Feinde entschwunden. Das Treffen ist beendigt. Nur das Geschütz donnert fortdauernd. Jetzt schlägt der Feind sich für den Sieg nicht mehr, er kämpft um Rückzug und eigene Rettung.

Sein Verlust ist ungeheuer. 12 bis 13,000 Mann, 8 bis 9000 Pferde sind auf dem Schlachtfelde gezählt worden. 60 Stück Geschütz und 5000 Gefangene sind in unsrer Gewalt geblieben.

Wir hatten 2500 Todte; an Verwundeten die dreyfache Anzahl. In Allem mag unser Verlust sich auf 10,000 Mann belaufen. Der Feind hat 40 bis 50,000 Mann verloren. Niemals war ein ähnliches Schlachtfeld gesehen worden. Von 6 Leichnamen gehörte einer den Franzosen, 5 waren den Russen. 40 russische Generals sind getödtet, verwundet oder gefangen genommen worden. Der General Bagration ist verwundet.

Wir haben den General Grafen Montbrün verloren, ein Kanonenschuß hatte ihn niedergestreckt. Der General Graf Caulaincourt, der an seine Stelle abgeschickt worden war, fiel eine Stunde darauf ebenfalls von einer Kanonenkugel getroffen.

Die Brigadegenerale Compere, Plauzonne, Marion und Huart sind getödtet. 7 oder 8 Generale sind verwundet, die meisten leicht. Die französischen Truppen haben unsterblichen Ruhm erfochten, und ihre große Ueberlegenheit über die russischen Truppen deutlich bewiesen.

Dieses ist in wenigen Worten der Ueberblick der Schlacht an der Moscau, die 2 Stunden hinter Mozaisk, 25 Meilen von Moscau, am kleinen Flusse Moscau geliefert wurde. 60,000 Kanonenschüsse haben wir gethan, die durch die Ankunft von 800 Artilleriewagen, die vor der Schlacht bereits über Smolensk hinaus waren, schon wieder ersetzt sind. Alle Wälder, alle Dörfer vom Schlachtfelde bis hieher, sind mit Todten und Verwundeten bedeckt. Hier sind 2000 todte oder amputirte Russen vorgefunden worden. Mehrere Generals und Obersten sind gefangen.

Der Kaiser war auch keinen Augenblick der Gefahr ausgesetzt. Weder die Garde zu Fuß noch die zu Pferde hat gestritten; es fehlt ihr auch nicht ein Mann. Keinen Augenblick ist der Sieg ungewiß gewesen. Doch hätte der in seinen Stellungen überwältigte Feind dieselben nicht wieder einnehmen wollen, so würde unser Verlust stärker gewesen seyn, als der seinige. Aber er rieb sein Heer dadurch auf, daß er es von 8 bis 2 Uhr unter dem Feuer unserer Batterien hielt, und beharrlich das Verlorne wieder einnehmen wollte. Daher sein ungeheurer Verlust.

Jedermann hat sich ausgezeichnet; vor allen aber der König von Neapel und der Herzog von Elchingen.

Die Artillerie, und besonders die von der Garde hat sich selbst übertroffen. Die Thaten, die besonders noch diesen Tag verherrlicht haben, werden umständlichere Berichte erzählen.



Aufklärung.Bearbeiten

Paris, den 28sten Sept.

Dem achtzehnten Bulletin ist folgender Bericht an Se. Majestät den Kaiser und König beygefügt:

Sire!

Aus dem Resultate der Abhörung der Gefangenen, wovon die meisten unwissende Recruten oder Menschen sind, die zu Ende des Gefechts außerhalb des Schlachtfeldes gefangen wurden, so wie der, meistens von Kanonenkugeln Verwundeten und größtentheils Sterbenden habe ich von einigen Divisionen der feindlichen Armee folgende Notizen gesammelt:

1) Die 12te Division, welche einen Theil des 7ten Corps ausmachte, aus den Infanterieregimentern von Smolensk, Narwa, Alexopol, Neuingermannland und dem 6ten und 41sten Jägerregimente zu Fuß bestand, und von dem Generalmajor Galitzin commandirt wurde, welcher an die Stelle des zu Mohilow verwundeten Generals Kulbakin getreten war, hat ihre aus den Depots gezogenen Recruten erhalten, die von Miloradowitz am 3ten d. herbeygebracht wurden, und vermittelst welcher die Infanterieregimenter auf 800 und die Jägerregimenter auf 1200 gebracht wurden, wodurch sich die Stärke dieser Division vor der Schlacht auf 4800 Mann belief, 2 Artilleriecompagnien mit 24 sechs- und zwölfpfündigen Kanonen nicht mit gerechnet. Am Tage der Schlacht befand sich diese Division im Centrum der ersten Linie. Gegen 2 Uhr Nachmittags hatte sie schon großen Verlust erlitten, und die Munition war ihr ausgegangen. Der Lieutenant-Adjoint vom Regiment Alexopol, Namens Peter Boronin, welcher abgeschickt worden war, um Munition bey der Reserve zu holen, hatte sich im Gehölze verirrt, und wurde nach dem Rückzuge der Armee gefangen. Er sagte aus, daß der General Rajewski, Commandant dieses Armeecorps, eine starke Contusion erhalten habe, welche ihn nöthigte, das Schlachtfeld zu verlassen, und das der Obergeneral, Fürst Bagration, verwundet worden sey. Alle Gefangene dieser Division sagen einstimmig, daß sie die Hälfte ihrer Truppen verloren hätten; daß ihre Unordnung beym Rückzuge vollständig gewesen sey, und ihr Heil nur dem Platow und Uvarow, die sie deckten, verdankte. Die des 41sten Jägerregiments sagen, daß ihnen kaum 50 Mann auf die Compagnie übrig geblieben wären.
2) Die erste, aus den Leibgrenadieren, St. Petersburg, Ekaterinoslaw, Taurien, Paulowski und Arackschezeff bestehende, von dem Grafen Strogonoff commandirte Grenadierdivision, die einen Theil des 3ten Armeecorps ausmachte, befand sich auf dem äußersten linken Flügel hinter der Batterie, wo sie durch das Artilleriefeuer beträchtlich gelitten hat; auf ihrer Flanke befanden sich 2 Escadrons Kürassiere, welche ebenfalls litten, ohne agirt zu haben. Diese Grenadierregimenter waren vor der Schlacht 8 bis 900 Mann stark. Man schätzt ihren Verlust auf ein Drittheil, den man dem Kleinmuthe ihrer Officiere zuschreibt, die sich in dem Gesträuche verbargen und ihre Glieder verließen. Zwey dieser Division beygestellte Jägerregimenter, die vorwärts standen, liefen auseinander; ihren Verlust kennt man nicht. Ein gewisser Gregoriot von Pskow, der 19 Jahre in dem Regimente von St. Petersburg diente, sagte aus, daß er sein Regiment nie habe so zusammenschmelzen sehen, wie bey dieser Gelegenheit. Er sagte, vor der Schlacht sey General Kutusow vor ihrer Linie vorbeygeritten und habe an die Truppen eine Rede gehalten, die aber keine große Wirkung hervorbrachte. Dieser Mann fügte hinzu, er habe den Major Dalin, Commandant des Regiments, sagen hören, daß Benningsen gegen die Mitte des Tages 40 Werst jenseits Mozaisk gegangen wäre, um Vertheidigungsmittel vorzubereiten; er glaubte, es wäre zu Klein-Wiasma. Man weiß nicht, was aus Tutschkow, Obercommandanten des 3ten Corps, so wie aus der 3ten Division Kanowitzin, die einen Theil desselben ausmachte, geworden ist.
3) Die 2te, aus den Regimentern Astracan, Fanagoria, Kiow, Moscau, Klein-Reussen u. Siberien bestehende, von dem Prinzen Carl von Mecklenburg commandirte Grenadierdivision, die einen Theil des 8ten Corps von Borosdin ausmachte, befand sich am 5ten Sept. in der großen Redoute, welche an demselben Tage weggenommen wurde, wo sie ihre Kanonen, einen Obersten und mehr als die Hälfte ihrer Soldaten verloren hat. Die Regimenter dieser Division waren, als sie zu Smolensk ankamen, im completesten Zustande, bestanden aber am 5ten nur noch aus 1000, zählten am 7ten Morgens nur noch 7 bis 800 Mann aufs Regiment, als sie sich in dem Dorfe vorwärts der Batterie der linken Flanke aufstellten. In dieser Zwischenzeit wurde der Prinz von Mecklenburg verwundet.
4) Das 2te Corps von Bagaouth hatte am 6ten und 7ten manövrirt, um sich auf den linken Flügel der Linie zu begeben und das 3te Corps zu unterstützen. Alle Gefangene versichern, daß nicht die Hälfte davon nach Mozaisk zurückgekehrt sey. Die Musketierregimenter von Minsk, Tobolsk, Volhynien und Krementschug, so wie das 4te und 34ste Jägerregiment der 4ten Division, von dem Prinzen von Würtemberg commandirt, waren auf 800 Mann gebracht, und keins derselben zählte nach der Schlacht mehr 400; eben so verhält es sich mit den Regimentern von Raizan, Belosersky, Bresc und Wilmanstrand, so wie mit dem 30sten und 48sten Jägerregimente der Division Alsonsieff. Ein gewisser Prohoroff, Unterofficier im Regimente Raizan, sagte aus, daß sein Oberster Avens getödtet worden sey, und daß er auf seinem Rückzuge den Obergeneral Tutschkoff, so wie den Obersten der Grenadiere von Moscau, am Ufer des Flusses verwundet gesehen habe. Dieses Corps hatte wenig getödtete, aber viele blessirte Officiere.
5) Die 24ste Division vom 6ten Corps, die sich in der großen Batterie des Centrums befand, zählte nach der Schlacht vom 7ten nur 30 Mann auf die Compagnie, obgleich die Compagnien bey den Regimentern Schirwansk, Butinkas, Ufa und Tomsk einige vorher, vermittelst der von Nowogorod-Sewerski gebrachten Recruten auf 100, und bey dem 19ten und 40sten Jägerregimente auf 115 Mann gebracht wurden.
6) Die 2te, aus den Grenadierregimentern Ismailoff und Lithauen und 2 Jägerregimentern der Garde und von Finnland bestehende Division der Garde unter den Befehlen des Generals Lawrow befand sich in der Linie hinter den 3 Batterien des linken Flügels des Centrums. Diese Regimenter haben beträchtlich von der Artillerie gelitten, allein da das Regiment Ismailoff mit dem Bajonnet vorrückte, wurde es von der Cavallerie so lebhaft angegriffen, daß ihm nur 40 Mann auf die Compagnie übrig blieben. Der Brigadegeneral Krapowitzki und der Oberst des Regiments Ismailow wurden dabey verwundet. Mosaisk, den 10ten Sept. 1812.
Der mit dem Specialdienste beauftragte Divisionsgeneral Sokolniki.



Petersburger Zeitung.Bearbeiten

Rußland.

Die Wiener Zeitung enthält aus der Petersburger Zeitung vom 22sten Sept. folgenden Bericht von der Schlacht an der Moscau:

Die zwey Westarmeen unter dem Befehle des Feldmarschalls Fürsten von Kutusow, vor der Stadt Mozaisk vereinigt, sahen den Feind in starken Märschen heranrücken. Er war von der Hoffnung beseelt, dem Kriege unter den Mauern von Moscau vermittelst einer entscheidenden Schlacht ein Ende zu machen, aber er wurde in seiner Erwartung getäuscht. Die Schlacht, die er seinen Soldaten als das Ende ihrer gefährlichen Laufbahn angekündigt hatte, fand statt.

Den 5ten Sept. machte man französischer Seits eine sehr starke Recognoscirung gegen das von russischen Truppen besetzte Dorf Borodin. Die Aufmerksamkeit und Anstrengung des Feindes wurden noch an demselben Tage gegen den linken Flügel der Armee des Fürsten Bagration gerichtet. Dieser Punct war es, gegen welchen die Franzosen am 7ten Sept., dem Tage der Schlacht, den größten Theil ihrer Macht angewandt haben; doch wurden sie beständig und allerseits mit dem größten Ungestüm zurückgetrieben.

Die Folge dieser zwey blutigen Treffen war französischer Seits der Verlust von 40,000 Mann und 16 Stück Geschütz. Nach Aussage der französischen Kriegsgefangenen und Deserteurs verlor ihre Armee 19 Generale, worunter 6 todte und 13 verwundete; unter den erstern zählt man die Divisionsgenerale Friant, Montbrün und Caulaincourt; unter den Verwundeten befanden sich die Marschälle Davoust, Junot und der General Nansouty. General Bonami, aus Furcht, ein Opfer der Erbitterung unserer Truppen zu werden, und von allen Seiten umringt, gab sich für Joachim, König von Neapel, aus, und rettete durch diese List sein Leben.

Unser Verlust besteht aus ungefähr 25,000 Mann, theils Todte, theils Verwundete. Die Generale Kutaisow und Tutschkow I. waren unter den erstern; der Fürst Bagration, die Generale Tutschkow II., Fürst Gortschakow, Bachmetiew, Graf Woronzow und Kretow sind verwundet.

Nach diesen 2 Tagen fand es der Fürst Kutusow, da er es vermeiden wollte, das Schicksal des Krieges von einer Schlacht abhängig zu machen, nicht für rathsam, seinen Vortheil weiter zu verfolgen, und sich in einen nahen und entscheidenden Kampf einzulassen, bevor er nicht alle Verstärkungen, die von allen Seiten ihm zugeschickt werden, an sich gezogen haben würde. Aus dieser Ursache setzte er sich dem Einmarsche der Franzosen in Moscau nicht entgegen, da diese Stadt, vermöge der vorher von der Regierung genommenen Maßregeln und den äußerst eifrigen Bemühungen der Einwohner, dem französischen Heere keine Hülfsmittel mehr anbot.

Die russische Armee marschirt auf der Straße gegen Wladimir. Die Moscausche Miliz, durch den Grafen Markow befehligt, und 40,000 Mann stark, die Corps des Fürsten Labanow und des Generals Miloradowitsch, welche noch nicht bey der Armee eingerückt waren, und zusammen 35,000 Mann an der Zahl, vereinigten sich mit der Armee *) Diese nahm hierauf schnell ihren Marsch von Bogorodtzk auf Bronitzy, Podolsk und Krasnaja-Bochda, und nachdem sie dem Feinde diese Bewegung entzogen hatte, so besetzte sie von Neuem den Weg von Mozaisk nach Moscau, und deckte dadurch zugleich die südlichen Gouvernements. Aus 100,000 regulirten Truppen, und 50,000 Mann einer muthigen Miliz bestehend, droht sie dem kühnen Feinde, der sich so weit hineingewagt, jede Communication und Rückzug vollkommen abzuschneiden.

*) Nach dem eigenen Berichte des Fürsten Kutusow haben schon alle diese Corps an der Schlacht bey Borodino Theil genommen.



Quellen und LiteraturBearbeiten

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Leipziger Zeitung Nr. 196. Dienstags den 6. October 1812.
  • Leipziger Zeitung Nr. 198. Donnerstags den 8. October 1812.
  • Leipziger Zeitung Nr. 217. Mittwochs den 4. November 1812.