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P. L. Roederer.Bearbeiten

Roederer (P. L.) Graf und Senator, Großoffizier der Ehrenlegion, vorher Parlamentsrath im Metz, Deputirter des dritten Standes dieser Stadt bey der General-Stände-Versammlung, erklärte sich für die Revolutionsparthey.

Als man den 22. Juny 1791 die Verhaftnehmung des Königs zu Varennes und den Antheil, welchen Bouillé an dessen Entweichung gehabt hatte, erfuhr, ließ er die Absetzung dieses Generals dekretiren. Er bestritt den in Folge dieses Ereignisses vorgelegten Plan Thourets, als zu günstig für den König, bezeigte sein Erstaunen daß man schien, dem Fürsten gegen die Nation Gewähr leisten zu wollen, und verlangte vielmehr für die Nation eine Gewähr gegen den Fürsten.

Bey der Durchsicht der Konstitutions-Artikel nahm er grossen Theil an den Streitigkeiten, stimmte stets im höchst demokratischen Sinne und forderte vorzüglich gänzliche Preßfreyheit.

Nachdem er im September aus dem gesetzgebenden Körper getreten war, wurde er den 11. November zum Generalprokuratorsyndikus des Pariser-Departements ernannt; er schonte wechselseitig den König, die Jakobiner und die Versammlung und hoffte, durch diese schwankende Handlungsweise, den Angriffen der Municipalität und den Gefahren, welche die Ereignisse den 20. Juny 1792 und Hauptsächlich den 10. August um ihn zusammenzogen, zu entgehen; an den 10. August aber sah man ihn, sich für das Schicksal des Monarchen interessiren, einige Befehle zu seiner Sicherheit geben und ihm endlich rathen, sich in den Schooß der Versammlung zu flüchten; ein Rath, der Ludwig XVI. vollends zu Grunde richtete, und Röderer der Verantwortung aussetzte. Seine Papiere wurden alsobald versiegelt, und er suchte umsonst sich von dem Verbrechen zu reinigen, daß er für die Aufrechthaltung der Konstitution gewesen sey. Er läugnete förmlich in seiner Rechtfertigung, den Befehl gegeben zu haben, der Gewalt Widerstand zu leisten. Diese Rechtfertigung beruhigte indeß seine Feinde nicht, und er war genöthigt, sich lange Zeit verborgen zu halten.

Nachdem er auf diese Weise der Schreckensregierung entgangen war, widmete er sich nach dem 9. Thermidor der Redaction des Journals von Paris, die er noch gegenwärtig in Bestand hat, und beobachtete darin stets die Mittelstrasse zwischen den Revolutionisten und gemässigten.

1799 war Röderer, nebst Volney und Taleyrand, einer von denen, die vorzüglich die Revolution des 18. Brümaire verbreiten halfen. Als er im Dezember bey der ersten Bildung des Erhaltungssenats in denselben berufen wurde, schlug er den Ruf aus, um in den Staatsrath für das Departement des Innern zu treten, und wurde Präsident desselben. Ausser grossen Anzahl von Gesetzvorschlägen legte er den 15. May 1802 dem gesetzgebenden Körper den Entwurf zur Errichtung der Ehrenlegion vor.

1803 wurde er Senator und einer von den 4 Mitgliedern des Senats, denen die Konferenzen mit den zu Paris vereinigten helvetischen Deputirten übertragen wurden, um die Mittel ausfündig zu machen, die Schweiz in Ruhe zu bringen und ihr eine angemessene Konstitution zu geben. Kurz darauf erhielt er die Senatorie von Caen.

Später ging er nach Neapel zum König Joseph, der ihn zum Minister ernannte und dann 1808 auch nach Spanien berief. Jetzt befindet er sich wieder in Paris.


Röderer.Bearbeiten

P. L. Röderer war beim Ausbruch der Revolution Rath im Parlement von Metz, und gleich Anfangs ein eifriger Vertheidiger derselben. Er ward Deputirter für den Bürgerstand des Weichbilds dieser Stadt bei den Etats-Generaux, und nahm in denselben den thätigsten Antheil an dem wichtigsten politischen und administrativen Discussionen. Röderer ist einer von den wenigen Männern, welche die ganze Revolution, und die ihr folgenden Zeiten hindurch, die verschiedensten Formen anzunehmen wußten, und so alle Parteien überlebten, während viele ihre Gefährten auf dem Schaffot, im Elende, oder in der Vergessenheit endeten. Er war einer der hervorscheinensten Satelliten dieser Revolution, überall erblickte man ihn mit ihnen, ohne daß er eben als einer der Blutmenschen betrachtet werden konnte, die sich mit Abscheulichkeiten besudelten. Röderer stand neben Ludwig XVI., als er nach der Zerstörung der Bastille am 17. Juli 1789 zum ersten Mal nach Paris kam und auf dem Stadthause die National-Cocarde ansteckte; Röderer führte ihn am 10. Aug. 1792 aus den brennenden Tuilerien in die Nationalversammlung, die ihm zum Gefängniß ward. Stets zeigte er sich in jener Zeiten als einen der eifrigsten Democraten und sein heftiger Streit am letzten Tage der ersten Nationalversammlung mit dem damaligen Abbé, jetzigen Cardinal Maury, ist allgemein bekannt. Im November 1791 war er aus dem gesetzgebenden Corps getreten und zum General-Procureur Syndic des Departements von Paris ernannt worden. In diesem wichtigen Amte, bald den König bald die Jacobiner schonend, glaubte er durch dieses zweideutige Benehmen sich gegen die Angriffe der Municipalität und die Gefahren, womit ihn der 20. Juni 1792 und besonders der 10. August bedrohten, zu schützen. An dem letztern Tage schien er wirklich ernstlich für die Sicherheit des Königs besorgt zu seyn. Allein die Anstalten, die er traf, retteten den König nicht und machten ihn selbst nur verdächtig. Seine Papiere wurden versiegelt, und er versuchte vergeblich, sich von dem Verbrechen, die Constitution aufrecht erhalten gewollt zu haben, zu reinigen. Er leugnete förmlich, den Befehl ertheilt zu haben, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben, bekannte aber zugleich -- und das war sehr viel -- eben so viele Sorgfalt angewandt zu haben, das Leben der königlichen Familie zu retten, als wäre er das Leben des unbekanntesten Bürgers gewesen. Er schloß sein Glaubensbekenntniß mit der Versicherung, er sey stets Anhänger der Gleichheit, der Freiheit, der öconomischen Monarchie und der Republik selbst gewesen. Diese Rechtfertigung beruhigte seine Feinde nicht, und er mußte sich lange verborgen halten. Den Gefahren der Schreckenszeit, in welcher er nur selten zum Vorschein kam, wußte er glücklich zu entkommen. Als er nachher wieder auftrat, besonders als Schriftsteller in dem Journal de Paris, deren Redacteur er eine Weile war, schienen sich seine politischen Ansichten sehr verändert zu haben. Röderer, Vollney und Talleyrand trugen am mehrsten dazu bei, die Revolution vom 18. Brümaire vorzubereiten, und alle Stufen, die Napoleon von St. Cloud bis zum Throne in der Kirche zu unserer lieben Frauen einzeln zu ersteigen hatte, wurden von Röderer den Franzosen stets im voraus angedeutet. Schon im December desselben Jahres ward er in den Senat berufen, schlug aber diese Stelle aus, um als Staatsrath in der Section des Innern thätig zu seyn, wo ihm stets die wichtigsten Geschäfte anvertraut wurden. Im Jahre 1803 ward er Senator und erhielt die Senatorei von Caen. Er hielt sich nachher eine Zeitlang bei dem König Joseph in Neapel auf, und war zuletzt Minister für das Großherzogthum Berg. Jetzt befindet er sich als Commissär in Strasburg.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts. Für das Jahr 1814. Leipzig, in der Expedition der Minerva.