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Buonaparte, (Neapolone), -- Kommandant der Artillerie.

Lieutenant im J 1785; ist alle Grade durchgegangen; Brigade-General den 6ten Februar 1794.

Hat reelle Kenntnisse in seinen Fach.


Biographien.Bearbeiten

(1799) Taschenbuch für die neueste Geschichte. Herausgegeben von D. Ernst Ludwig Posselt. Fünfter Jahrgang. Feldzug 1796. Nürnberg, in der Bauer- und Mannischen Buchhandlung. 1799.

(1799) Gallerie interessanter Personen. Oder Schilderung des Lebens und Charakters der Thaten und Schicksale berühmter und berüchtigter Menschen der ältern und neuern Zeit. Herausgegeben von Karl August Schiller. Wien im Verlage bei Anton Doll, 1799.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.


Buonaparte.Bearbeiten

PortretBuonaparte240

Buonaparte.

Ingenium coeleste suis velocius annis Surgit.

Ovid.

Neapolon Buonaparte ist gebohren zu Ajaccio in Corsika, den 15 August 1769.

Im zehnten Jahre seines Alters kam er in die königliche KriegsSchule zu Brienne, in dem ehemaligen Champagne. Unter 150 Zöglingen lebte er hier wie einsam, zeigte gegen keinen seiner Kameraden einige besondere Zuneigung, nahm auch keinen Theil an ihren Ergözlichkeiten und Spielen. Erschien er je, so war es nur um sie zu hofmeistern; und da er mit seinen finstern Vorstellungen und Ermahnungen zuweilen Spott verband, so entstand manches HandGemenge. Oft ward er allein von mehreren seiner Kameraden zu gleicher Zeit angegriffen, und trieb sie mit der grösten Kaltblütigkeit zurük. Frühe äusserte er Hang zur Freiheit, den er in den ersten Jahren seines Lebens mit der vaterländischen Luft und Erziehung eingesogen hatte; denn man weiß mit welchem Widerwillen Corsika sich Frankreich unterwarf. Abhängigkeit dünkte ihm Erniedrigung, und den spottenden Kameraden: "die freien Corsen, seyen izt Unterthanen Frankreichs," antwortete er: "ich hoffe sie einst frei zu machen."

In Sprachen machte er, wenigstens Anfangs, keine grosen Fortschritte; mit desto anhaltenderm Eifer studirte er Mathematik, Befestigungskunst und Taktik, vorzüglich aber Geschichte.

Zur Aufsicht über die Bibliothek des Instituts war einer der Zöglinge gewählt. Buonaparte bat ihn so oft um Bücher, daß jener glaubte, er verlange nur darum so viele, um ihm viele Mühe zu machen. Daher gab er so ungerne, und mit einer so verdrüßlichen Miene, als dieser sie foderte.

Buonaparte liebte die Einsamkeit. Jeder der Zöglinge hatte einen Theil des Gartens erhalten, um da zu pflanzen, was er wollte. Er zwang zwei seiner Nachbarn, ihm ihren Antheil zu überlassen, und nun umpflanzte er sein Gebiete mit Bäumen, deren er mit solchen Sorgfalt pflegte, daß sie in zwei Jahren schon ziemlich dike waren, und umgab seinen Garten mit Palissaden, die den Zugang erschwerten. Er glich einer befestigten Einsiedelei; und wehe dem Neugierigen oder dem Schäker, der seine Ruhe störte. Wüthend kam er aus seiner Freistätte, um die Belagerer anzugreifen, waren's ihrer auch noch so viele.

Die jungen Zöglinge waren in Kompagnien abgetheilt, und wählten ihre Offiziere unter sich. Buonaparte ward Anfangs Kapitain; aber bald fand es der kleine KriegsRath nicht gut, von demjenigen kommandirt zu werden, der ihre Liebe nicht hatte, und entsezten ihn seiner Stelle. Er ließ es sich nicht merken, wie sehr ihn das verdriesse. Von dieser Zeit an weyhten sie ihm ihre Freundschaft wieder; auch Er fieng izt an, den Werth der Zuneigung andrer zu fühlen, mischte sich von Zeit zu Zeit in ihre Spiele, und erhielt dadurch das recht, selbst einige anzugeben. Nun ordnete er olympische WettSpiele und amphitheatralische Kämpfe an, gefiel dadurch dem jungen Volke, und ward einmüthig zum - Directeur der Ergözlichkeiten gewählt. Aber diese von ihm angeordneten Ergözlichkeiten wurden bald Kämpfe, zuweilen sehr ernsthaft und blutig; denn in der Schule zu Brienne fochten izt manchmal Griechen und Perser, Römer und Karthager, mit der nemlichen Hize, wie an den Tagen von Marathon und Cannä. Steine flogen statt der KanonenKugeln; die Spiele musten verböten werden, und der neue Zeitvertreib im Winter war die Errichtung von Bastionen, Citadellen, Redouten, und andern Festungswerken von Schnee. Buonaparte belagerte bald, bald ließ er sich belagern, und die SchneeBallen waren weniger schädlich als die Steine.

Schon vier Jahre ehe die Bastille sank, am LudwigsTage (25 August) 1785, verrieth sich sein Haß gegen das Königsthum. Die Zöglinge der KriegsSchule zu Brienne hatten mancherlei Anstalten zur Feier des NamensFestes ihres Wohlthäters gemacht, unter andern Lustbarkeiten hatten sie auch ein Feuerwerk im Garten bereitet, nahe bei den Palissaden Buonaparte's, der den ganzen Tag mit einer, wahren oder geheuchelten, Gleichgiltigkeit in seiner Einsiedelei zugebracht hatte. Die Jovialität der Zöglinge erlaubte ihnen nicht, so vorsichtig zu seyn, als man mit Pulver seyn soll. Nicht weit von der brennenden Pyramide stand eine Schachtel mit mehreren Pfund Pulvers. Ein Funke entzündete es, und zerbrochene Beine und Arme, jämmerlich verbrannte Gesichter und Körper, einige Klafter eingestürzter Mauern, waren die Wirkung davon. Wer noch ganze Glieder hatte, suchte sich zu retten, wie oder wohin er konnte; also brachen auch einige durch Buonaparte's Palissaden. Aber dieser eilte ihnen mit der Hake entgegen, und trieb mit Gewalt diejenigen gegen das Feuer zurük, die sich durch seine Verschanzungen geflüchtet hatten. So wurden es der Verwundeten noch mehrere.

Gegen Ende des Jahres 1785 verließ Buonaparte die KriegsSchule zu Brienne, um in die Pariser versezt zu werden. Hier widmete er sich besonders der Artillerie, weil bei ihr, wie bei der IngenieurKunst, Geburt und Geld nicht so vielen Einfluß auf Beförderung hatten. Kurze Zeit vor der Revolution ward er Offizier bei dem Regiment, das zu la Fere lag.

Bald nach dem Ausbruch derselben, wo noch weit der gröste Theil der Offiziere königlich gesinnt war, hatte er den Muth, seine republikanischen Gesinnungen zu äussern; daher wieder eben so viel Kämpfe zu la Fere, wie vordem zu Brienne. Einst erhizte sich der Streit auf einem Spaziergange in der Nähe eines Wassers, und die jungen Offiziere waren im Begrif, ihn in dasselbe zu stürzen, als noch das EhrGefühl in ihnen erwachte, und sie es niederträchtig fanden, daß ihrer so Viele einen Einzigen mishandeln sollten.

Im Jahre 1790, als die Revolution auch in Corsika wurzelte, ward er zum Kommandanten eines Bataillons NationalGarden in Ajaccio ernannt, und nach den ganzen Lauf des Jahres 1792 hindurch hielt er sich in seinem Vaterland auf. Aber Paoli, der inzwischen von seinem Exil in England nach Corsika zurükgekommen war, und hier wieder eine Rolle als ParteiHaupt spielen wollte, fürchtete die Talente und die Gesinnungen des jungen Mannes, und wuste ihn von da zu entfernen. Er kam als BataillonsChef (OberLieutenant) der Artillerie zu der Italienischen Armee. Hier zeigte er bei der WiederEroberung von Toulon im Dec. 1793 so viel Muth und Kenntnisse, daß er zum BrigadenGeneral ernannt ward.

Schrekliche Zeiten waren izt für Frankreich, und beinah wäre bis ausserordentliche Genie durch die eiserne DecemviralRegierung der Welt entrissen worden, ehe sie es noch kennen gelernt hätte. Einer von den ProConsuln, die in den Departementen nicht minder wütheten wie Robespierre in Paris, Vessroy ließ ihn in Nizza verhaften, und seine Papiere durchsuchen. Man fand jedoch darinn nichts als den stärksten Ausdruk ächtrepublikanischer Gesinnungen: gröstentheils waren es Aufsäze über Gegenstände der KriegsKunst. Man sagt, er habe hierauf um die Erlaubniß angesucht, sich nach Konstantinopel zu begeben, sie sey ihm aber abgeschlagen worden.

Die erste Rolle, die den Blik des grosen Publikums auf ihn heftete, spielte er am 13 Vendemiaire (5 Oct. 1795). Gemeinschaftlich mit dem jezigen Director Barras, kommandirte er an diesem wichtigen Tage die Truppen des NationalConvents gegen die Pariser Sectionen. Zur Belohnung für die bei dieser Gelegenheit von ihm geleisteten Dienste, ward er nun zum OberGeneral der Armee im Innern ernannt. Im FrühJahr 1796 vermählte er sich, in Paris, mit der Witwe des Generals Beauharnois, und wenige Tage darauf reiste er nach Nizza ab, um den OberBefehl über die Italienische Armee zu übernehmen. Was er, während dieser beispielloses Feldzuges, als General und als Politiker that, wie er im folgenden Feldzuge von 1797 bis in die Nähe von Wien vordrang, und dadurch den Frieden mit Oestreich beschleunigte; wie er hierauf zu Ende Novembers auf wenige Tage bei dem ReichsFriedensCongreß in Rastadt erschien, dann in Paris die grose Unternehmung vorbereitete, die er als OberGeneral der Armee von England ausführen wollte, und während man in England unermeßliche VertheidigungsAnstalten gegen seine Landung in's Werk sezte, am 19 Mai 1798 plötzlich mit einer Flotte, die 30,000 Mann Truppen an Bord hatte, von Toulon auslief, im Vorbeisegeln Malta hinwegnahm, in Aegypten landete, und in vierzehn Tagen dieses ganze Land sich unterwarf - das weiß die Welt, die mit der grosten Neugierde den weitern Thaten dieses ausserordentlichen Mannes entgegensieht. Selbst für ein Jahrhundert, das einen Karl 12, Peter 1 und Friedrich 2 sah, ist Buonaparte ein Meteor, dessen Erscheinung sich nur durch eine so unermeßliche Revolution, wie die frankische, erklären läßt.


Napoleone Bonaparte.Bearbeiten

Jugend und militärische Ausbildung.

Napoleone Bonaparte, dieser außerordentliche Mann, ward gebohren im August 1769, zu Ajaccio, einer Stadt und einem Hafen an der westlichen Küste von Korsika; der zweite Sohn von Karl Bonaparte und Lätitia Raniolini. Sein Vater besaß unweit dieser Stadt, wo er Prokurator war, einige Ländereien; und ein anderer Zweig seiner Familie befand sich im Toskanischen Gebiete zu San-Miniato. In Napoleones Geburtsjahre 1769 kam Korsika unter die Oberherrschaft Frankreichs, und der erste Gouverneur, den der König Ludwig XV. auf diese Insel sandte, war der Marquis Marboeuf. Da dieser ein Landgut nahe bei Ajaccio gekauft hatte, welches er bewohnte, so kam er bald in nähere Bekanntschaft mit Napoleones Mutter, und wurde durch ihre Schönheit und vortrefliche Geistesbildung so sehr gefesselt, daß er der ganzen Familie seine Zuneigung und Liebe schenkte.

Nach dem Tode des alten Bonaparte, welche vier Söhne und drei Töchter zurückließ, brachte es Marboeuf durch seine Verwendung dahin, daß Napoleone, unser Held, im Jahre 1779 in seinem 10. Jahre nach Brienne im ehemaligen Champagne in die königliche Kriegsschule kam. Unter 150 Zöglingen lebte er hier einsam, zeigte gegen keinen seiner Kameraden einige Vorliebe, und nahm auch an ihren Ergötzlichkeiten und Spielen keinen Theil. Erschien er ja, so kam er nur um ihnen den Text zu lesen, und da er mit seinen finstern Vorstellungen und Ermahnungen zuweilen Spott verband, so entstund manches Handgemenge.

In Sprachen machte er Anfangs keine grossen Fortschritte, aber mit desto anhaltenderm Eifer studirte er Mathematik, Befestigungskunst und Taktik, vorzüglich Geschichte, aus der er sich die grossen Männer des Alterthums zu Mustern gewählt zu haben scheint. Besonders waren die Lebensbeschreibungen Plutarch's seine Lieblingslektüre - ein Buch, das er durch alle Szenen seines bisherigen Lebens, wie ein unschätzbares Kleinod gleichsam auf dem Herzen trug. Bonaparte liebte die Einsamkeit. Jeder der Zöglinge hatte einen Theil des Gartens erhalten, um da zu pflanzen was er wollte; er zwang zwei seiner Nachbarn ihm ihren Antheil zu überlassen, und nun umpflanzte er sein Gebiete mit Bäumen, deren er mit solcher Sorgfalt pflegte, daß sie in zwei Jahren schon ziemlich dick waren, und umgab seinen Garten mit Pallisaden, die den Zugang erschwerten. Er glich einer befestigten Einsiedelei, und wehe dem Neugierigen oder Schäcker, der seine Ruhe störte! Wüthend kam er aus seiner Freistätte um die Belagerer anzugreifen, warens ihrer auch noch so viele.

Die jungen Zöglinge waren in Kompagnien eingetheilt, und wählten ihre Offiziere unter sich. Bonaparte ward anfangs Kapitän, aber bald fand es der kleine Kriegsrath nicht gut, von demjenigen kommandirt zu werden, der ihrer Liebe nicht achtete und entsetzte ihn seiner Stelle. Da er aber nicht merken ließ, ob und wie sehr ihn dieß verdroß, so schenkten ihm seine Kameraden ihre Freundschaft wieder, und selbst Bonaparte fing itzt an den Werth der Zuneigung anderer zu fühlen, mischte sich nun von Zeit zu Zeit in ihre Spiele, und erhielt dadurch das Recht selbst einige anzugeben. Nun ordnete er olympische Wettspiele und amphitheatralische Kämpfe an, dieß gefiel dem jungen Volke, und der finstere bisher einsiedlerische Bonaparte ward einmüthig zum - Direkteur der Ergötzlichkeiten gewählt!

Gegen Ende 1785 verließ Bonaparte die Kriegsschule zu Brienne und wurde in die Pariser versetzt: hier widmete er sich besonders der Artillerie. Da aber 1786 Marboeuf gestorben war, so kehrte er bald hernach mit seinem Bruder Joseph, der itzt Mitglied des Raths der 500 ist und vorher Gesandter in Rom war, zu seiner Mutter nach Korsika zurück. Als sich hier später die Revoluzion ausbreitete, wurde er zum Kommandanten eines Bataillons Nazionalgarden zu Ajaccio im Jahre 1790 ernannt. Hier lebte er ausserordentlich mäßig und eingeschränkt; hielt sich nur an einige Menschen, unter denen auch der bekannte Volney war, der sich damals in Korsika befand, um in dieser Insel die Anpflanzung westindischer Produkte einzuführen.


Soldat der Revolution.

Im Jahre 1792, da das Kriegsfeuer an den Grenzen Frankreichs ausbrach, war er als Artillerie-Lieutenant bei der Armee des Generals Montesquieu, die in Savoyen einfiel, angestellt; blieb aber nicht da, sondern zog bald mit seinem Regimente nach Nizza. Im folgende Jahre 1793 wurde er Artillerie-Hauptmann. Bald darnach wurde von dem Nazionalkonvente in Paris eine Anklage wider den Korsikaner General Paoli dekretiret. Dieses verursachte eine Spaltung unter den Korsikanern selbst: einige waren für Paoli, die andern wider ihn; unter den letztern war auch die Familie des Bonaparte, welche demnach um Unannehmlichkeiten auszuweichen die Insel verließ, und nach Frankreich zog, wo sie in einer Entfernung von 6 Meilen von Toulon ihre Wohnung aufschlug.

In eben diesem Jahre wurde die Stadt und Festung Toulon von den mit Spaniern und Italienern verbundenen Engländern eingenommen. Die Franzosen wandten alle Mühe an, die Stadt wieder zu erobern. Von allen Seiten wurden Soldaten herbeigezogen, und auch Freiwillige strömten herzu, dieses zu bewirken. Toulon wurde im Christmonate förmlich belagert. Bei der Belagerung befanden sich zwei Konventskommissarien, Salicetti, ein Anverwandter des Bonaparte, und Barras, der später einer der fünf ersten Direktoren wurde. Diese ernannten ihn zum General der Artillerie. Er leitete alle Angriffe auf die Redouten, welche um die Stadt herum gesetzt waren, und zu ihrer Vertheidigung dienten; und trug so das meiste zum Wiedereroberung dieser Stadt bei. Bald hierauf ward er im Jahre 1794 Brigade-Chef, und zu Anfange des Jahres 1795 Brigade-General bei der italienischen Armee.

Hier muß ich meinen Lesern die Bedeutung der eben angeführten Wörter, welche die Generalitäts-Chargen in Frankreich bezeichnen, erklären. Eine Halbbrigade besteht aus 3000 Mann, der, welcher sie kommandiret, heißt Brigade-Chef; wer zwei Halbbrigaden, das heißt, eine ganze Brigade kommandirt, wird Brigade-General genannt. Zwei Brigaden zusammen in Verbindung mit zwei Reiterregimentern, und zwei Kompagnien Artillerie, heissen eine Division, und ihren Kommandanten nennet man Divisions-General; daß also eine Division aus beiläufig 14000 Mann besteht. Die Charge eines Divisions-Generals ist die oberste Stuffe der Generalität ausser dem Obergeneral, oder Kommandirenden en Chef, der nur im wirklichen Kriege ernannt wird.

Bald nach seiner Erhöhung zum Brigade-General wurde er von dem bei der italienischen Armee angestellten Konvents-Kommissare Beffroi als Terrorist arretiret; man durchsuchte seine Papiere, und fand bloß militärische Aufsätze, und ein ganz unschädliche Korrespondenz. Man weiß aber auch die eigentliche Veranlassung zu seiner Arretirung nicht. Weil er nun für unschuldig befunden worden war, so ließ man ihn los; jedoch verbreiteten darüber mehrere Journalisten böse Gerüchte von ihm, und gaben vor, Bonaparte würde vom Artillerie-Korps entfernet, und zur Infanterie versetzet werden. Er ging nach Paris, um sich über solche, seinem Ruhme so nachtheilige, Ausstreuungen zu beschweren. Der Wohlfahrtsausschuß hatte damals die eigentlichen Regierungsgeschäfte über sich, und die das Militärfach betreffenden Arbeiten besorgte in demselben Aubry. Von diesem konnte Bonaparte nichts erlangen; wodurch er mißmuthig wurde, und um Erlaubniß anhielt, sein Vaterland verlassen, und nach Konstantinopel reisen zu dürfen.

Allein einige Glieder des Konvents kannten seine militärischen Kenntnisse und Talente, sie wußten, daß er gerade jene Gesinnungen habe, die sie einem jeden Franzosen einzuflössen wünschten: daher wurde er ersucht, in Paris zu bleiben, und seine Dienste seinem Vaterlande ferner zu widmen; er folgte dem Rufe und blieb. Im Oktober dieses Jahres gab es unruhige Auftritte sowohl in einigen Departementen, als auch vorzüglich in der Hauptstadt selbst, bei Gelegenheit der Erneuerung des gesetzgebenden Körpers; da viele Sekzionen mit dem Beschlusse, daß nur ein Drittel desselben erneuert werden, die übrigen zwei Drittel aber in ihrer Wirksamkeit bleiben sollten, nicht zufrieden waren, und denselben mit Gewalt zu hintertreiben suchten. Der Nazionalkonvent war sowohl auf die Durchsetzung seines Beschlusses, als auch auf seine Sicherheit bedacht, und rief daher jene Generale zu seinem Schutze herzu, auf die er sich seiner Meinung nach verlassen konnte. Unter diesen war auch Bonaparte. Er hatte die Brücke, Pontneuf genannt, zu vertheidigen, und that dieß so gut, daß die bewaffneten Leute jener Sekzionen, die dem Konvente sich auf einer Seite der Seine widersetzten, sich mit denen, die auf der andern Seite waren, nicht vereinigen konnten.

Da hierauf der gesetzgebende Körper nach dem vorgeschlagenen Projekte regulirt war, und das vollziehende Direktorium sein Amt auszuüben angefangen hatte, wurde Bonaparte zum Lohne seines Betragens im Monate Oktober von dem Direktorium, bei dem Barras sein vorzüglicher Freund war, zum Divisions-Generale, und zum obersten Anführer der Armee im Innern ernannt. Jedoch auf diesem Posten blieb er nicht lange; er wurde in den ersten Tagen des Jahres 1796 zum obersten Anführer (General en Chef) der Armee in Italien ernannt. Einige seiner Freunde waren auf ihn seiner grossen Jugend wegen mißtrauisch; sie besorgten, die Geschäfte in Italien möchten für ihn zu schwer seyn, und er möchte nicht hinlängliche Eigenschaften haben, den unter dem Waffengeklirre grau gewordenen Generalen des Kaisers genugsamen Widerstand zu leisten. Allein er ließ sich nicht irre machen; behielt die angebothene Stelle, und bereitete sich gehörig zur Abreise nach Italien vor. Doch ehe er seine Reise antrat, zeigte er, daß er nicht dem Mars allein Opfer bringen wollte; sondern auch ein Verehrer der Göttin Juno sey: er heurathete die schöne und reiche Wittwe des durch die Guillotine hingerichteten Generals Beauharnois. Nach den Feierlichkeiten der geschlossenen Ehe aber eilte er nach Italien.


General en Chef der Armee in Italien.

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Bonaparte

Er traf in den letzten Tagen des Märzmonates bei der italienischen Armee ein, die itzt bei 60,000 Mann stark war, aber an den nothwendigsten Bedürfnissen Mangel litt. Und da Bonaparte wohl wußte, daß die Franzosen im Stande der Ruhe Sittlichkeit uud Tapferkeit verlöhren; so suchte er sie daher sogleich in Bewegung zu bringen, mit dem Vorsatze, ihnen unaufhörliche Beschäftigungen zu verschaffen. Kurz vor dem Anfange der Kriegsoperazionen hielt er Musterung über die Armee. Er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, immer kurze Anreden an die Mannschaft zu halten, die er allzeit so einrichtete, wie er sie für die Gemüthsstimmung der Franzosen, deren Charakter er genau kannte, zuträglich hielt. So war auch seine erste Anrede bei dieser Musterung kurz, den Umständen angemessen. "Es fehlet euch ja an allem, Brüder! sagte in derselben Bonaparte: Oeffnet euch den Weg nach Mailand, und ihr habt alles im Ueberflusse."

Inzwischen fingen die Oesterreicher den Feldzug an; sie erhielten Anfangs einige Vortheile, und hatten am 11. April schon alle französischen Schanzen bis auf Eine überwältiget, welche zu Montenotte stand. Sie war mit 1500 Mann besetzt, und wurde vom Brigade-Chef Rampon kommandirt. Da dieser sah, daß die Oesterreicher mit grosser Tapferkeit angriffen, so ließ er seine Mannschaft schwören, daß sie lieber alle sterben, als die Schanze übergeben wollten. Und dieser Schwur wurde auch so pünktlich gehalten, daß die Oesterreicher ungeachtet eines dreimaligen wüthenden Angriffes die Schanze nicht überwältigen konnten; wodurch Bonaparte zeit gewann, den Feinden in den Rücken und die Flanke zu fallen, und sie so zum Rückzuge nach Dego zu zwingen. Den folgenden Tag zog er noch mehrere Truppen, die eben aus dem südlichen Frankreich angekommen waren, an sich, griff die Kaiserlichen bei Dego an; hatte anfänglich einen nicht geringen Verlust; da er aber während des Gefechtes immer frische Mannschaft vorrücken lassen konnte, so glückte es ihm dadurch die Oesterreicher bis Acqui zurückzudrängen. Zugleich umzingelte er mit Uebermacht den k. k. General Provera, der sich aber in die Ruinen des alten Bergschlosses Cosseria zog, dasselbe verschanzte, mit unbeschreiblichem Muthe vertheidigte, den Franzosen einen grossen Schaden zufügte, und ihnen drei Generalen tödtete, sich aber dennoch den andern Tag ergeben mußte.

Von da eilte Bonaparte auf die linken Flügel seiner Armee; griff unvermuthet die Sardinier an, und nahm den wichtigen Posten von Santjago ein, der das Thal von Bormida beherrschet; ließ die Oesterreicher, die schon wieder vorrückten, durch eine Abtheilung seiner Truppen zurückdrücken, und trennte sie auf diese Art von den Sardiniern, welches ein Hauptzweck seiner vorhergehenden Unternehmungen war. Hierauf schlug er die Sardinier bei Ceva und Mondovi, und verfolgte sie auf allen Seiten. Bei Ceva überliessen sich die französischen Soldaten einer grausamen Mordsucht; er aber eilte hinzu, gebot den wüthenden Schonung gegen die, die sich gefangen geben wollten, und machte dem Blutbade ein Ende. In der Verfolgung der Sardinier standen ihm zwar noch die Festungen Coni, Saluzzo und andere befestigte Oerter im Wege: allein er hielt sich bei ihnen nicht auf, sondern ging sie vorüber, und eilte gerade gegen Turin zu, um den alten König zu einem schnellen Frieden zu zwingen. Er rückte wirklich an; seine Kanonendonner erschütterten schon von ferne die Mauern von Turin; alles war mit Schrecken und Bangigkeit erfüllet; die Leidenschaften der Bewohner wurden beweget, und der König trug einen Waffenstillstand an. Der erste Antrag wurde von Bonaparte verworfen, und dagegen ein zweiter beschlossen, der mehr nach dessen Geschmacke, und mehr zum Nutzen Frankreichs eingerichtet war. Dieses geschah am 28. April.

Hierdurch wurden zwar die Oesterreichischen Truppen veranlasset sich zurückzuziehen; stellten sich aber am 7. Mai der ihnen auf dem Fusse nachfolgenden feindlichen Kriegsmacht wieder entgegen, und hatten am 8. ein hitziges Gefecht. Und obschon Bonaparte in dieser blutigen Akzion nicht wenige Mannschaft verlohr, die theils getödtet, oder verwundet, theils gefangen wurde, so setzte er demohngeachtet, durch die Menge seines Heeres gesichert, in Schiffen über den Po. Am 9. schloß er einen Waffenstillstand mit dem Herzog von Parma und Piazenza. Den 10. wollte er um nach Mailand zu kommen, über den Fluß Adda gehen; aber die Oesterreicher setzten ihm aus 30 Feuerschlünden von dem andern Ende der über 200 Schritt langen Brücke bei Lodi ein mörderisches Feuer entgegen. Hierauf hielt Bonaparte einen Kriegsrath; die Generale stimmten alle dafür, daß man den Uebergang nicht wagen sollte; er aber sprang auf, und rief: "Lasset uns doch angreifen, ich nehme alle Verantwortlichkeit auf mich!" Er ließ zu dem Ende am Eingange der Brücke 2 Kanonen aufführen, formirte eine Kolonne, ritt durch die Glieder, hielt eine Anrede, und ließ zum Angriffe schlagen. Die Kolonne stürzte mit Wuth auf die Brücke, Gliederweise fielen die Krieger todt nieder, die übrigen stutzten , machten Halt. Itzt sprengte der General Berthier an ihre Spitze, rief: "Mir nach, meine Freunde!" Ihm folgten Massena uud andere Generale, und eine fürchterliche Kolonne stürzte über die Leichen ihrer Brüder, wurde von Nachfolgenden fortgedränget, und auf solche Art der Uebergang erzwungen.

Nun eilte Bonaparte auf Mailand zu; zog am 15. in diese Hauptstadt der österreichischen Lombardie ein, hielt an die Bürger der Stadt eine kurze und rührende Anrede, bei der man aber selbst nach dem Zeugnisse französischer Schriftsteller die Richtigkeit mancher Gedanken bezweifeln kann. Bald darnach unterzeichnete er einen Waffenstillstand mit dem Herzog von Modena. Am 20. erließ er eine Proklamazion an seine Truppen, in der er sie mit vielem Nachdrucke zu mehreren Beweisen der Tapferkeit, und des kühnen Muthes anfeuerte. Bonaparte wollte nun wieder das österreichische Heer bekämpfen: allein im Mailändischen brachen Unruhen aus; man wollte die neue Ordnung der Dinge nicht annehmen, und setzte Gewalt entgegen; Bonaparte eilte mit seiner Macht zurück. In Binasco schoß man auf die Franzosen, diese geriethen in Wuth; der Obergeneral, so entfernt er sonst von Grausamkeit ist, ließ den Ort in Brand stecken, und die Anführer erschiessen. Grösseren Widerstand erfuhr er in Pavia; aber auch hier wurde schreckliche Rache genommen. Ueberall war er selbst, und predigte theils mündlich theils durch Proklamazionen Eintracht, Ordnung, und Verzeihung; insbesondere forderte er die Geistlichkeit auf, das Volk zur ruhe und zum Gehorsam zu ermahnen.

Er reisete hierauf wieder zur Armee durch Mailand. Bei dieser Gelegenheit rekognoszirte er die Zitadelle, die noch immer von k. k. Truppen besetzt war, und wagte sich nahe an die Mauern. Schnell stürzten eine Anzahl Kroaten auf ihn los, und würden ihn gewiß gefangen haben, wenn nicht die Eskadron Husaren, die nicht weit von ihm war, ihm zu Hilfe geeilt wäre. Dieses Kastell ergab sich am 19. Junius an die Franzosen, nachdem vorher die österreichische Hauptarmee ins Tirol war zurückgedrücket worden; Mantua aber wurde von dem Franzosen nur blockirt. In das gebirgige Tirol konnte keine so grosse Macht der Franzosen vordringen, daß die ganze Armee wäre beschäftiget gewesen: daher ließ Bonaparte einen Theil derselben in die päbstlichen Staaten einrücken; nahm Bologna und Ferrara ein, und erklärte sie für frei und unabhängig. In Ferrara fand er 400 päbstliche Soldaten, die er aber frei entließ, mit der Erklärung, daß er für sie nichts als ein Gemählde verlangte. Er drohte nach Rom zu marschieren, und durch diese Drohung erschreckt, trug der Pabst ihm einen Waffenstillstand an, der auch am 23. zu Bologna geschlossen wurde.

Während diesen kriegerischen Unternehmungen verlangte er von dem vollziehenden Direktorium, daß es ihm Gelehrte und Kunstkenner zuschicken sollte, welche die kostbarsten Stücke der Maler- und Bildhauerkunst in den Städten und Ländern, die er durchzog, oder mit denen er Waffenstillstand machte, durchsuchen, und jene wählen sollten, welche für Frankreich schicklich wären, um sein Vaterland mit selben zieren zu können. Die Mailänder und Bewohner von Pavia ermahnte er, ihre Schulen zu öffnen, und die Universität im letzteren Orte, ihre Vorlesungen wieder anzufangen; er lud auch gelehrte unter mannichfaltigen Verheissungen ein, sich nach Frankreich zu begeben. An die Tiroler hatte er in diese, Monate gleichfalls eine Proklamzion erlassen, in der er diesen guten Bewohnern rauher Berge und steiler Felsen schöne Sachen verhieß, die aber ungeachtet seiner Verheissungen auch in andern Ländern von denen, die er befehligte, nicht geleistet wurden: daher sie auch hier wenig Eingang fanden.

Im Monate Julius ließ er die Belagerung von Mantua anfangen, nachdem vorher drei gewagte Stürme abgeschlagen wurden. Unterdessen war der Feldmarschall Wurmser mit einer Verstärkung in [[Grafschaft Tirol|Tirol] angekommen, und rückte gegen das Ende des Monats heraus, um Mantua zu entsetzen. Bonaparte war hier in Verlegenheit; er war vom F. M. Wurmser von Vornen angegriffen, und im Rücken vom F. M. L. Quosdanovich bedroht. Er hob daher die Belagerung den 1. August auf, ging mit Eile dem F. M. L. entgegen, und sobald er denselben ins Tirol gedrückt hatte, wandte er sich wieder gegen den F. M. Wurmser, und drückte auch diesen durch seine Uebermacht zurück; der sodann Anstalten machte, Tirol zu decken, und von dem feindlichen Einfalle zu sichern. Bonaparte aber ließ die Festung Mantua nun vom Neuen blockiren. F. M. Wurmser wollte wieder der blockirten Stadt zu Hilfe eilen, er rückte alsogleich vor; zog sich aber nach einer unglücklichen Schlacht, die am 4. September bei Roveredo geliefert wurde, nach Bassano; wurde von dem österreichischen Hauptkorps abgeschnitten, und genöthiget, sich mit dem Reste seiner Truppen in die Festung Mantua zu werfen. Bonaparte rückte gegen Tirol vor, und erließ eine neue Proklamazion an die Tiroler, die aber keine bessere Wirkung machte, als die vorhergegangene.

Ein neues österreichisches Truppenkorps formirte sich bei Görz. F. Z. M. Alvinzy rückte gegen Verona vor, und wollte sich mit dem F. M. L. Davidovich vereinigen. Bonaparte setzte sich ihnen entgegen. Zwei Tage lang, den 15. und 16. November wurde blutig gestritten. Bei Arcole wollten die Franzosen nicht vordringen, Bonaparte rief ihnen zu: "Wie! seyd ihr die Sieger von Lodi?" Dieses war wirksam: allein ein neues, schreckliches Kartätschenfeuer verbreitete den Tod auf allen Seiten; die Franzosen wichen. Nun stieg Bonaparte vom Pferde, riß eine Fahne an sich und schrie den Grenadieren zu: "Folget eurem Generale!" Sie fielen mit Muth auf die Oesterreicher; aber auch itzt mußten sie wieder der Standhaftigkeit, und dem mörderischen Feuer derselben weichen. Bonaparte wollte schon sein Vorhaben aufgeben: allein General Guyeux setzte mit einer Kolonne von 2000 Mann besser unterhalb über die Etsch, und kam endlich nach vielem Umwege Abends um 6 Uhr unvermuthet in den Rücken von Arcole, wodurch endlich der Sieg auf die Seite der Franzosen kam. Sie nahmen das Städtchen ein, verliessen es aber bei der Nacht wieder. Von dieser Schlacht sagt der Obergeneral selbst: "Sie war ein Kampf auf Leben und Tod. Alle Generale und Offiziere vom Stabe haben eine Bravour ohne Beispiel gezeigt; bis 15 sind getödtet, und es ist nicht einer, dessen Kleider nicht von Kugeln durchlöchert wären."

Den 17. schlug der F. M. L. Davidovich ein französisches Korps bei Rivoli. Bonaparte eilte den Geschlagenen zu Hilfe, und entriß den Kaiserlichen ihre errungenen Vortheile. Hierauf zog er Verstärkung an sich, um den Fall von Mantua zu beschleunigen. Im Anfange des Jahres 1797 rückten die österreichischen Truppen abermal vor; wurden aber am 14. Januar wieder geschlagen. Nur General Provera drang über die Etsch, und näherte sich der Festung Mantua; er unterredete sich mit dem F. M. Wurmser, und griff am 16. Früh um 8 Uhr die Franzosen an. Der Kampf dauerte mit beispielloser Tapferkeit bis 12 Uhr. Da nun die Munizion verschossen war, verlangte Bonaparte, die Oesterreicher sollten sich auf Gnade und Ungnade ergeben. Provera wies mit Unwillen den Antrag ab, und sagte: "Wir sind Kriegsgefangene, wollen auf unser Ehrenwort entlassen werden, und unser ganzes Gepäck behalten. Will man diese Bedingniß nicht annehmen, wohlan! so öffnen wir uns einen Weg mit Bajonetten." Bonaparte hatte Gefallen an dieser Entschlossenheit, bewilligte alles, nahm den General Provera mit sich nach Verona, und sagte zu ihm: "Wahrhaftig! meine Lage würde mißlich seyn, wenn alle Generale ihnen glichen."

Von Verona aus begab sich der junge Held Bonaparte nach Bologna, in das ehemalige päbstliche Gebiet: weil der Pabst den 8. und 9. Artikel des mit der französischen Regierung unter spanischer Vermittlung geschlossenen Waffenstillstandes nicht begnehmigte; er erließ zwei Manifeste, griff die päbstlichen Soldaten bei Cenio am 2. Februar an, und zerstreute sie; da diese nun überall davon liefen, so besetzte er nach und nach die Landschaft Romagna, das Herzogthum Urbino, die Mark Ankona. Zu Faenza wurden zwar die Thore vor den Franzosen geschlossen, Bonaparte aber ließ die Thore einschiessen, schonte die Einwohner, und schickte ihnen 50 gefangene päbstliche Offiziere zu, die ihnen die Folgen ihrer Widersetzlichkeit begreiflich machen sollten.

Zu gleicher Zeit schloß er durch den General Serrurier mit dem F. M. Wurmser, der nun, von Natur und Menschheit aufgefordert, Mantua übergab, eben am 2. Febr. eine für die Oesterreicher ehrenvolle Kapitulazion; von dem F. M. Wurmser sagte er selbst in seinem Amtsberichte an das französische Direktorium, daß er unaufhörlich viel Muth und Standhaftigkeit gezeigt habe, daß er bei allen Ausfällen aus Mantua immer an der Spitze seines Heeres gestritten habe, daß er ein grosser, aber in diesem Jahre unglücklicher Mann gewesen sey. Weil aber unterdessen der junge berühmte Held Erzherzog Karl mit einer nicht geringen Heeresmacht zwischen dem Tagliamento und der Piave stand, so eilte Bonaparte mit dem Pabste Frieden zu machen; besonders da er am 12. ein ganz friedliches Schreiben von Pius VI. erhalten hatte, in dessen verbindlicher Beantwortung er den Pabst vor gewissen Personen in Rom warnte, die Frankreichs Feinde wären, und vieles Ungemach verursachten. Bonaparte schrieb nun zum zweitenmale an den Kardinal Mathäi, und durch dessen Bemühung wurde auch der Friede am 19. Hornung abgeschlossen.

Nun wandte er sich nach einer Proklamazion an seine Soldaten wieder gegen die Oesterreicher, ging über die Piave am 12. März, und am 16. bei Concordia über den Tagliamento ohne Brücke, wo sein Pferd in eine Vertiefung sank, und er sich nur durch Schwimmen rettete; bei Tarvis wurde hoch über den Wolken eine mörderische Schlacht geliefert; auch der kleinste Strich Landes kostete ihm viel Menschenblut, bevor er ihn erhalten konnte. Die Franzosen waren, nach einer vorhergegangenen Proklamazion an die Landeseinwohner, durch verschiedene Mittel in Kärnten ausgebreitet, bis nach Steiermark vorgedrungen. Den 31. März schrieb Bonaparte an den Erzherzog Karl einen Brief, worin er den Antrag zum Frieden machte. Den 7. April wurde hierauf ein Waffenstillstand geschlossen, und den 18. früh um 2 Uhr darnach die Friedenspräliminarien zu Goes einem Schlosse in Obersteiermark, eine halbe Stunde von Leoben entfernt, unterschrieben. Drei Artikel waren festgesetzt: 1) daß der Kaiser und König von Böhmen und Ungarn Verzicht thut auf Belgien; 2) daß die Grenzen Frankreichs jene seyn sollten, welche durch die Gesetze der französischen Regierung festgesetzt sind; 3) daß eine Republik in der Lombardie sollte errichtet werden.

Während dem, daß Bonaparte in Kärnten und Steiermark bedacht war, am Frieden arbeiten, die um Bergamo wohnten, sich frei zu machen bestrebten, erschien unter dem Namen des Oberaufsehers (Proveditor) des festen Landes von Venedig eine Kundmachung, in der alle getreuen Unterthanen aufgefordert wurden, mit gewaffneter Hand die Ruhestörer zu verfolgen. Hierauf wurden die auf dem festen Lande von Venedig zerstreut liegenden Franzosen grossen Theils ermordet; man schonte selbst der Kranken in Spitälern nicht. Sobald Bonaparte dieses hörte, schrieb er an den Doge von Venedig, von Judenburg aus, einen drohenden Brief, rückte nach geschlossenen Friedenspräliminarien mit Oesterreich, mit seiner ganzen Armee nach Italien, besetzte mit Ende Aprils und Anfange des Mai das ganze venezianische Gebiet, und ließ Venedig, so gut es das Meer zuließ, umringen. Am 3. Mai machte er ein geschärftes Manifest wider die venezianische Regierung bekannt, und befahl dem Französischen Gesandten bei der Republik Venedig, diese Stadt ohne weitere Umstände zu verlassen; den Divisionsgeneralen aber gab er Ordre, die venezianischen Truppen, wo sie immer dieselben finden würden, feindlich zu behandeln.

Sobald nun dieses Manifest in Venedig bekannt war, ließ der Doge den Senat ausserordentlich zusammen rufen, der nach langem Ueberlegen erklärte: die gegenwärtige Regierungsform sey dem Volke lästig, und könne nichts Gutes mehr thun. Hierauf legten alle Senatoren ihre Stelle nieder, und übergaben die Regierung einer Kommission die Bonaparte ernannte. Den 12. Mai machten einige Freunde der vorigen Regierung noch einen Versuch, die alte Ordnung der Dinge wieder herzustellen: allein ihr Bemühen war fruchtlos, und das um so mehr, da der Doge, dem sie die Regierung wieder zu übergeben suchten, nirgends mehr zu finden war. Am 14. zogen auf Befehl des Bonaparte französische Soldaten in Venedig ein.

Bonaparte selbst aber ging nach Mailand, um daselbst verschiedene Anstalten und Einrichtungen wegen der neuen italienischen Republik, die sonst in unsern Gegenden die cisalpinische, in Frankreich die transalpinische genannt wird, und die ihr Entstehen und ihre Regulirung ihm vorzüglich zu verdanken hat, zu treffen. Von da aus ließ er scharfe Befehle gegen jene französische Agenten ergehen, welche sich verschiedene Sachen in Venedig unter mancherlei Vorwande zugewandt zu haben, beschuldigt wurden. Er begab sich nach Montebello, bei Mailand, von wo aus er sowohl die Geschäfte des cisalpinischen Republik, die sich ganz nach seine Befehlen richtete, als auch die in Genua ausgebrochene Revoluzion leitete. Den 8. Junius befahl er dem Verwalter der Französischen Armee in Italien, Namens Haller, den auf die Güter der venezianischen Adelichen in der Terra ferma gelegten Beschlag alsogleich aufzuheben, und den Eigenthümern alles zurück zu geben. Am 10. erließ er eine Verordnung, in der er die Grenzen des Herzogthums Parma genau bestimmt, und sowohl den Cisalpinern, als auch den Franzosen befiehlt, die Unterthanen des Herzogs von Parma nicht zu beunruhigen. Bald darauf erhielt er auch eine Deputazion von einigen Familien der Republik Lukka, die von ihm ebenfalls die Einführung der demokratischen Regierung verlangten. Am 2. Julius proklamirte er endlich im Namen des französischen Direktoriums die Unabhängigkeit der cisalpinischen Republik, und ernannte für dieses Mal auf ein Jahr die Glieder des vollziehenden Direktoriums und des gesetzgebenden Körpers, die aber nach dem Verlaufe eines Jahres durch Volkswahlen sollten ersetzt werden. Unterdessen vertrat Bonaparte noch eine Zeit lang den gesetzgebenden Körper ganz allein, so lange die Glieder desselben noch nicht eingetreten waren.

Da itzt im Piemontesischen Unruhen ausbrachen, die sich bis in die sardinische Lombardie erstreckten, so widersetzte sich zwar der König von Sardinien denselben mit seiner Kriegsmacht; zugleich aber ersuchte er auch den General Bonaparte, ihm Beistand zu leisten, welches derselbe alsogleich versprach, und auch sein Verheissen getreu erfüllete. Am 20. August reisete Bonaparte endlich nach Udine, um das Geschäft des Definitiv-Friedens zwischen dem Kaiser und der französischen Republik zu Stande zu bringen, kam am 27. zu Passeriano bei Udine an, und begab sich am 29. in die Stadt. Von hier aus hob er verschiedene Verfügungen, welche die provisorische Regierung der Stadt Venedig und der Terra ferma di Venezia anordnete, auf; befahl die in dem Gebiete der cisalpinischen Republik liegenden Maltheser-Güter als Nazionalgüter zu betrachten und zu verkaufen, und verordnete, daß bei der pohlnischen Legion der vierte Theil der Offiziere aus Franzosen bestehen solle.

Am 17. Oktober schloß er endlich im Namen der französischen Republik mit Sr. Majestät dem Kaiser als König von Ungarn und Böhmen zu Campo formido bei Udine, den Definitivfrieden, der aus 25 Artikeln bestand, und schickte sie am 18. durch den General Berthier und den Künstler Monge nach Paris; er selbst aber reisete 10 Tage später nach Mailand, wo ihm zur Bezeichnung ihrer Dankbarkeit die cisalpinische Republik das Lustschloß Montebello als sein Eigenthum angeboten hat. Von da aus schrieb er an das vollziehende Direktorium, um von selbem die Erlaubniß zu erhalten, daß er auf irgend einem Flecke der Erde ohne fernere Bestimmung in Ruhe leben könne: allein er erhielt zur Antwort, das Vaterland rechne auf seine Dienste, indem es noch einige Feinde habe, wider die man dieselben brauchen müßte; auch sey er zum Präsidenten der Gesandtschaft zu Rastadt zur Schliessung eines endlichen Friedens zwischen dem deutschen Reiche und der französischen Republik ernannt.

In einer Proklamazion vom 12. November beurlaubte er sich gewisser Massen von der cisalpinischen Republik, und verhieß ihr den Schutz der französischen Republik. Am 17. ging er über Turin nach Rastadt, wo er am 25. unter Bedeckung von k. k. Husaren ankam. Den 1. Dezember ging daselbst die Auswechslung der Ratifikazionen vor sich, und schon in der folgenden Nacht ging Bonaparte mit der Ratifikazion des Kaisers in Begleitung des General Berthier und seines Generalstabs nach Paris ab.

Als Bonaparte hierauf in Paris ankam, ließ er sich einen Fiacre holen, und fuhr damit in das Direktorium. Die Schildwache verlangte von ihm die Bürgerkarte, und da er keine vorzuzeigen hatte, wollte sie ihn nicht einlassen. Er gab sich dann zu erkennen. Kaum hörte der Soldat seinen Namen, so präsentirte er das Gewehr, und rief: es lebe Bonaparte! Mit diesem Freudengeschrei von Posten zu Posten begleitet, trat er in den Saal, wo das Direktorium noch versammelt war. Den andern Tag ging er in das Central-Büreau und ließ seinen Paß, wie jeder Bürger, berichtigen. Das Regiment, welches in der Nähe seines Wohnhauses lag, wollte ihm eine Ehrenwache schicken; aber er verbat es sich mit der Erklärung, daß er in Paris nicht kommandirender General, sondern ein blosser Bürger sey. Bonaparte ward nun der Gegenstand der Aufmerksamkeit und der Gespräche von ganz Paris, obschon er, so viel möglich, vermied, sich in der Pariser Welt zu zeigen. So wurde ihm zu Ehren am 20. Dezember 1797 im Musäum von den Gliedern beider Räthe ein grosses Gastmahl gegeben, welches mit vieler Pracht veranstaltet war, und welchem mehr als 600 Personen beiwohnten. Auch hatte ihn das Nazional-Institut der Wissenschaften zum Mitgliede aufgenommen. Auf die davon erhaltene Nachricht schrieb Bonaparte dem Präsidenten desselben folgendes: "Die Wahl der ausgezeichneten Männer, aus welchen das Institut besteht, rechne ich mir zur Ehre. Ich erkenne jedoch sehr wohl, daß ich lange, bevor ich ihnen gleich kommen kann, ihr Schüler seyn muß. Wenn es einen Ausdruck gebe, der mehr noch die Achtung bezeichnen könnte, die ich für dieselben hege, so würde ich mich desselben bedienen. Die wahren Eroberungen, und die einzigen, die keine Leiden zu Gefährten haben, sind diejenigen, welche man über die Unwissenheit macht. Die rühmlichste und die nützlichste Beschäftigung ist, zur Erweiterung der menschlichen Begriffe beizutragen. Die wahre Macht der französischen Republik muß von nun darinn bestehen, nicht zuzugeben, daß ein einziger neuer Begriff entstehe, der nicht ihr Eigenthum werde."

Uebrigens war Bonaparte meistens zu Hause, und sehr stark beschäftiget; und ob man gleich dem Helden von Italien, wie man den General Bonaparte in Paris zu nennen pflegte, alle erdenkliche Ehren erwies, so blieb er seinerseits doch immer den Regeln der Eingezogenheit und der Bescheidenheit in allen seinen Schritten getreu. Er schien sich mit nichts anderm, als mit der bevorstehenden Unternehmung gegen England zu beschäftigen. Fast täglich war er mit dem Seeminister in Konferenzen, denen die erfahrensten Seeoffiziere zugezogen wurden. Er reisete sogar mit dem größten Theile seines Generalstabs den 10. Februar von Paris ab, um die Kantonirungen der gegen England bestimmten Armee und die Rüstungen in den Häfen des Oceans zu untersuchen; und nachdem er die Stellung des rechten Flügels dieser Armee, wie auch die Häfen von Calais, Dünkirchen, Nieuport und Ostende besucht hatte, kam er am 21. Februar wieder nach Paris zurück. Hierauf ernannte das Direktorium zur Organisirung und Ausrüstung in Beziehung auf die Landung, eine eigene See-Kommission, welche von dem Seeminister ganz unabhängig und unmittelbar unter den Befehlen des Direktoriums und des Generals Bonaparte stand.


Aegyptische Expedition

Aber der Erfolg hat es gezeigt, daß alle diese Anstalten gegen England nichts als blosse Demonstrazionen waren, um die Aufmerksamkeit der brittischen Regierung von den Rüstungen im mittelländischen Meere abzulenken, und sie zu zwingen, ihre ganze Seemacht zu Hause zu behalten. Denn plötzlich am 4. Mai reiste Bonaparte nach Toulon ab, traf allda am 8. ein, musterte noch an demselben Tage die dort versammelten Truppen, und erließ an dieselben eine ermunternde Proklamazion. Schon am 9. wurden alle Truppen eingeschifft; obgleich Bonaparte selbst erst am 15., unter dem Jubel der Seeleute, das Admiralschiff l'Orient von 110 Kanonen bestieg, und den 19. Mai darauf die ganze Flotte in See ging. Die ganze Flotte bestand aus 300 Segeln; darunter 14 Linienschiffe und 16 Fregatten. Die übrigen mindern Fahrzeuge waren in den Häfen von Marseille, Toulon, Nizza, Antibes, Genua und Civita vecchia vertheilt, welche sich nach und nach mit der Hauptflotte vereinigt hatten. Sie hatten 40,000 Mann am Bord, die 5 Divisionen, unter den Befehlen der Generale Regnier, Kleber, Menard, Baraguey d'Hilliers und Desaix ausmachten. Auch wurde eine ungeheure Anzahl von Artillerie-Stücken und Werkzeugen mit eingeschifft. Nebst dem befanden sich am Bord der Schiffe Handwerker aller Gattung, chymische Laboratorien, Gelehrte und Künstler, Aerostaten, eine orientalische Druckerei mit dem Druckerei-Personale aus Rom, und eine Bibliothek von mehr als 6000 Bänden.

Wohin diese Unternehmung bestimmt war, blieb im Publikum so lange eine Ungewißheit, und der Gegenstand verschiedener Muthmassungen, bis man endlich erfuhr, daß General Bonaparte mit der Touloner Flotte den 12. Juni die Insel Malta wegnahm, und am 1. Juli drei Meilen von Alexandrien mit seinen Truppen den Egyptischen Boden bestiegen habe. Am folgenden Tage ward Alexandria, ohne Artillerie, angegriffen, und mit gepflanzten Bajonette zur Uebergabe genöthiget. Nachdem hierauf die Franzosen unter Bonaparte die nächsten Posten, besonders Rosette besetzt, alle Schwierigkeiten besiegt, und die Mameluken, die sich ihnen widersetzten, in die Flucht geschlagen hatten, sind sie gegen Cairo gezogen, und haben sich am 23. Juli mit dem Degen in der Faust, dieser Stadt bemächtiget. Bonaparte war itzt Herr von ganz Nieder-Egypten, und ließ seine Truppen bis gegen Suez vorrücken. Aber die berühmte Seeschlacht bei Abukir, wo der englische Admiral Nelson am 1. August die französische Flotte schlug und sie größtentheils zerstörte, hatte mit einem Mal den General Bonaparte und seine Armee in einen kläglichen Zustand versetzt, und ihn von Frankreich abgeschnitten. Ob daher dieser Liebling unserer Tage auch von diesem neuen, freilich sehr mißlichen Schauplatze glorreich abtreten, oder aber hier seinen Untergang finden werde, muß die Folgezeit lehren.


Charakterzüge.

Seiner Person nach ist Bonaparte nicht groß von Statur, aber außerordentlich wohl proporzionirt. Sein Körperbau ist fein, doch stark, und auf die größten Strapazen berechnet; sein Aussehen, wie das aller Südländer, olivenfarb; seine Augen blau, sein Kinn hervorragend, der untere Theil seines Gesichts schmal, die Stirne gewölbt und hervorspringend. Sein einfacher Anzug, und seine ungekräuselten Haare zeigen, daß er kein Freund der Eitelkeit sey; so wie er auch überhaupt vom Stolze und Hochmuth weit entfernt ist. Wenn er mit andern redet, so heftet er seine Augen auf den Boden.

Im Umgange verkehrt er frei und offen, ohne alle Pedanterei, über alle Arten von Gegenständen; und schreibt und spricht mit Nachdruck, Kürze und Beredsamkeit. Besonders hat er frühzeitig schon nach der Herrschaft über seine Leidenschaften gestrebt, und sie größtentheils auch unter seinen eisernen Willen gebracht. Er ist sehr enthaltsam bei Gastmahlen. Er besitzt viele Freunde, aber keinen Günstling, und weiß keine Geheimnisse durch ein ernstes Stillschweigen zu bewahren. Als gebohrner Korsikaner spricht er italienisch, und auch so gut französisch, als wenige Italiener sprechen. Die Wissenschaften, und selbst schöne Literatur liebt und treibt er mit vielem Eifer.

Er beobachtet, wirkt, und handelt bei Tage; und denkt, liest, und entwirft bei Nacht. Er arbeitet mit unbegreiflicher Leichtigkeit, und die wichtigsten Depeschen scheinen ihm Spiel zu seyn, weil er die Feder nicht eher ansetzt, als bis alle Ideen in seinem Kopfe reif und geordnet sind. Er entwirft kalt, mit Ruhe, und grosser Besonnenheit; ist aber ein fallender Fels, ein Donnerstrahl in der Vollstreckung; und man kann sich des Erstaunens nicht erwehren, wie soviel Ruhe und Bewegung, soviel Kälte und Glut, soviel Vorsicht, und ein so kühner alles wagender Unternehmungsgeist in Einer Seele beisammen wohnen können.

Alle Theile der Kriegswissenschaften, alle die mannichfaltigen Zweige der Staatskunst, waren ihm, noch eh' er öffentlich auftrat, aufs genaueste bekannt, und von ihm mit seltnem Fleiß theoretisch erlernt, und praktisch ausgeübt worden. Was sich nimmermehr erlernen, und durch keine Erfahrung ersetzen läßt - Feldherrngenie! besitzt er im höchsten Grade, und wurde mehr als einmal selbst davon überrascht.

Als Politiker ist er ganz eingenommen für die Demokratie; aber sehr abgeneigt sie durch grausame Mittel empor zu bringen. Als Soldat ist er unerschrocken und kaltblütig in Gefahren, entschlossen in bedenklichen Fällen, ausharrend bei entgegengesetzten Hindernissen, kühn im Entwurfe seiner Plane, und gegenwärtig, wo seine Gegenwart nothwendig ist. Die Soldaten liebt er, wie seine Kinder, und bewirkt dadurch, daß sie in seiner Gegenwart auch zehnfachen Tod nicht scheuen.

Er ist ein grosser Freund des stillen häuslichen Lebens. Seiner Gattin blieb er stets getreu, und da man ihm in einigen Orten Italiens die schönsten Mädchen darstellte, um ihn zu verführen, und den Soldatengeist in ihm abzustumpfen, so ließ er seine schöne und geistreiche Gemahlin zu sich kommen, um dadurch alle Bemühungen seiner Widersacher zu vereiteln. Er leidet aber auch von seinen Untergeordneten keine Ausschweifungen, und bestraft sie ernsthaft; belohnt im Gegentheile die, welche sich wohl verhalten. Am 15. Mai 1797 war ein Soldat in Gefahr zu ertrinken; ein Soldatenweib schwamm ihm nach und rettete ihn. Bonaparte schenkte ihr dafür eine goldene Halskette.

Menschenliebe, Duldsamkeit und Schonung sind Charakterzüge seiner Seele. In Bologna war ein französischer Priester, der lieber sein Vaterland verlassen, als den vorgeschriebenen Eid leisten wollte, und hier bei einer mildthätigen Frau seinen Unterhalt hatte. Da die Franzosen in die Stadt einzogen, befahl diese Frau ihrem Gaste ihr Haus zu verlassen. Er ging schnurgerade zum Obergeneral selbst, und bat ihn vor der Fronte erschiessen zu lassen: weil er als eidscheuer Priester nun nicht mehr wußte, woher er seinen Unterhalt haben sollte. Da sagte ihm Bonaparte: "Gehen Sie nur wieder zu ihrer Dame, und sagen Sie ihr nebst meinem Grusse, daß ich sie als Sauvegarde in ihr Haus schicke, weder Sie, noch die Dame werden etwas zu befürchten haben." Selbst die Spione, die sonst überall mit dem Tode bestraft werden, war er nachsichtig. Als ein solcher einstens gefangen wurde, und schon von dem Kriegsrathe zum Tode verurtheilt worden war, schenkte ihm Bonaparte die Freiheit, ließ ihm alle seine Linien zeigen, und sagte ihm: er liesse jedermann seine Disposizionen sehen, und habe vor Niemanden Geheimnisse.

So wollte er auch nicht zugeben, daß sein Bruder eine ansehnliche Stelle bei der Armee bekleide; und selbst, da derselbe von einem Minister in Paris ein vorzügliches Amt erhalten hatte, so schrieb er dem Minister, und bat ihn, seinen Bruder in seine Vaterstadt zu schicken, und die Stelle einem andern zu verleihen, der es mehr verdiente. Ein eben so karakteristischer Zug ist auch folgender: Als Bonaparte das Mailändische durchreisete, ersuchte er den Erzbischof ihn zu begleiten. Auf dem Wege trafen sie oft auf zahlreiche Volkshaufen, die über den Anblick betroffen waren; selbst der Erzbischof war zuweilen verlegen; Bonaparte sagte zu ihm: "Genieren Sie sich nicht, erfreuen Sie die guten Leute." Der Erzbischof gab dem Volke zu dessen größtem Vergnügen den Segen.

Napoléon Kaiser der Franzosen, König von Italien.Bearbeiten

Napoléon (Bonaparte) Kaiser der Franzosen, König von Italien xc. geboren zu Ajaccio in Korsika den 15. August 1769 von Karl Bonaparte und Lätitia Raniolini. Seine Familie stammt aus Toskana.


Jugend und militärische Ausbildung.

Der Gouverneur auf Korsika, Marbeuf, Freund und Gönner dieser Familie, brachte den zweyten Sohn, (Napoléon) in die Militärschule zu Brienne. Von seinen ersten Studien an richtete Bonaparte seine ganze Aufmerksamkeit auf die Militärwissenschaft. 1785 kam er nach Paris, um seine Studien zu vollenden.

Zu dem Zeitpunkte, wo die Versammlung der Notabeln die große Ereignisse ahnden ließ, die sich mit nächstem entwickelten, war er kaum 19 Jahr alt, und sein Geist war mit den politischen Zeitumständen fortgegangen.


Die Revolution und korsische Ambitionen.

Nach den üblichen Prüfungen, die er mit Auszeichnung bestand, ward er in das Artillerieregiment la Fère aufgenommen, wo er bis zu seinem 23. Jahre stand. Hierauf ging er nach Korsika, dann kam er nach Toulon, das eben an die Engländer überging. Er war damals nur blosser Artillerieoffizier. Salicetti, der ihn kannte, empfahl ihn Barras als geeignet, mit Nutzen bey der Belagerung Toulons zu dienen. Er zog dabey auch wirklich bald die Aufmerksamkeit des Obergenerals Dügommier auf sich, daß dieser eines Tags zu den Repräsentanten sagte: "Richten sie ihr Augenmerk auf diesen jungen Mann; wenn sie ihn nicht befördern, so stehe ich gut da für, daß er wissen wird, sich selbst zu erheben." Die Kaltblütigkeit und Unerschrockenheit, welche er bey Vertheidigung des Forts Pharon zeigte, wo viele Kanoniers blieben, und er beynahe allein die Batterie bediente, gaben den Volksrepresentanten, Barras und Fréron, Gelegenheit, jene Erinnerung zu benutzen und ihn zum Brigadegeneral zu befördern. Er trug viel zu der Wiedereinnahme von Toulon bey.

Weniger glücklich war er gegen Ajaccio, das damals die Engländer besetzt hielten, und wo ihn sein Vetter Masseria, der auf englische Seite getreten war, zurücktrieb.

Bonaparte zog sich nach Nizza zurück und widmete sich von neuem dem Studium der Kriegskunst. Von hier begab er sich nach Paris, wo er einige Zeit vergebens um eine Anstellung nachsuchte.

Endlich in den Tagen des 9. - 11. Oktober. 1795 übertrug ihm Barras, der mit der obersten Gewalt bekleidet war, die militärischen Anordnungen, welche so klüglich berechnet wurden, daß sie durch das heilsame Schrecken eines bis in die Nacht unterhaltenen blinden Kanonenfeuers den glücklichen Erfolg mit gemindertem Blutvergiessen sicherten. Bonaparte behielt noch einige Zeit nach der Errichtung des Direktoriums das Kommando von Paris und verband sich damals mit der Wittwe Beauharnois.

Wenige Tage darauf zum Oberkommando der italienischen Armee ernannt, war er der einzige, der nicht darüber verwundert schien; er antwortete denen, die Bemerkungen über seine Jugend machten: "In 6 Monaten bin ich alter General oder bin ich todt."


Der Italienfeldzug.

Er eröffnete den Feldzug den 17. März 1796 und zeigte seiner Armee von der Höhe der Gebirge die fruchtbaren Ebenen Piemonts und der Lombardey als ein weites Feld des Ruhms und der Hülfsquellen gegen die Bedürfnisse aller Art, an denen sie damals Mangel litt. Diesem Aufrufe zum Muthe entsprachen die Truppen bey Montenotte, Millesimo, Dego und Mondovi. Der glänzende Ausgang dieser Vorfälle trennte den König von Sardinien von der Koalition und sicherte der Republik das Herzogtum Savoyen, die Grafschaften Nizza, Tenda und Beuil durch die Abtretung von Tortone und Coni zu.

Ohne Verzug immer in Verfolgung des Feindes begriffen, gelang es ihm, mittelst seine Eilmärsche bey Piacenza beynahe ohne Hinderniß über den Po zu gehen, und der Herzog von Parma sah sich ebenfalls genöthigt, einen Waffenstillstand mit 2 Millionen, 700 Pferden, Lebensmitteln xc. zu erkaufen.

Der kaiserliche General Beaulieu glaubte den Uebergang der Adda besser vertheidigen zu können, allein der Enthusiasm der Truppen und der Kraftschwung der Generals an der Spitze der Kolonne machten die Vertheidigung der Brücke von Lodi mit 30 Feuerschlünden nutzlos. Dieser Sieg nöthigte gleichfalls den Herzog von Modena den Frieden mit 10 Millionen und 20 Gemählden aus seiner Gallerie zu bezahlen. Hierauf zog er in Mailand und Pavia ein.

Nach der Schlacht von Lodi hatte sich der Feind hinter den Mincio zurück gezogen; die französische Armee setzte im Angesicht seiner über, machte dadurch den Sieg von Borghette vollständig, dehnte ihre Vorposten bis an Tyrol aus und beunruhigte Mantua; Bonaparte ließ Toskana in Besitz nehmen, vertrieb die Engländer daraus und erhielt vom Großherzog 6000 Gewehre und eine starke Kontribution.

Der Papst ergab sich in der Folge fast unter gleichen Bedingungen und überließ den Franzosen Bologna, Ferrara und die Zitadelle von Ankona.

Endlich versicherte sich Bonaparte auch des Königs von Neapel, und dehnte seine Waffenmacht von den Pässen Tyrols bis an die Meerenge von Sizilien aus.

Das Glück schien einen Augenblick ihn verlassen zu wollen; allein bald wußte er es wieder fest zu fassen. Der alte General Wurmser war an Beaulieu's Stelle in das Kommando der Armee getreten und diese mit 25000 Mann verstärkt worden. Bonapartes Armee hatte sich hingegen durch eine unermeßliche Linie und durch die Besetzung einer großen Anzahl Plätze: welche von allen Seiten der beyden Ufer des Guardanischen See's angegriffen wurden, geschwächt und ward einen Augenblick zurückgedrängt. Der General änderte alsbald den Plan; er gibt die schon vorgerückten Arbeiten der Belagerung von Mantua auf und verläßt mit einem Mahle seine Verschanzungen und 140 Stück grobes Geschütz. Die Gefechte von Salo, Lonado, die Schlacht von Castiglione, die Wiedereinnahme von Peschiera, die Besetzung von Trient und der Pässe der Brenta, als Folge der gewonnenen Schlachten von Roveredo und Bassano, verschafften bald den Franzosen die Oberhand und ihre ehemalige Stellung wieder.

In der Mitte seiner Niederlagen führte Wurmser den kühnen Plan aus, sich nach Mantua zu werfen, welches er bis zum 2. Februar vertheidigte. Eine neue kaiserliche Armee von 50,000 Mann erschien damals unter den Befehlen der Generäle Alvinzi und Davidovich, um sich mit den Trümmern der Wurmserschen, die sich nach Tyrol zurück gezogen hatte, zu vereinigen. Die blutigen Gefechte von St. Michel, von Segonzano, die Bataiile von Arkole, eben so berühmt als jene von Lodi, durch die Anstrengungen der Generale und Enthusiasm des Ruhms, mit welchem Bonaparte eine Fahne ergriff und sich an die Spitze der Glieder stellte, diese Gefechte schmolzen auch diese Armee zusammen und nöthigten den Wiener Hof, sie abermals mit 45000 Mann zu verstärken. Die Schlachten von Rivoli, la Corona und Anguiari entschieden ebenfalls über diese, so wie die gänzliche Niederlage des Generals Provera unter den Mauern von Mantua, dem er zu Hülfe eilte.

Zur selben Zeit erweckten aufgefangene Briefe einiges Mistrauen gegen das Römische Kabinet; der General Bonaparte brach den Waffenstillstand, bemächtigte, nach einigen leichten Scharmützeln mit den römischen Truppen, den Papst Pius VI., den Friedensvertrag von Tolentino abzuschließen. Man bemerkt, daß in dieser Unterhandlung Bonaparte den Papst stets mit vieler Achtung behandelte, und zu gleicher Zeit gab er den französischen ausgewanderten Priestern die Erlaubniß in Italien zu bleiben.

Kurz darauf ging Mantua über und endete diesen Feldzug.

Hierauf bereitete sich Bonaparte, die Gebirge zu übersteigen und bald war der Uebergang über die Piave und dem Tagliamento durchgesetzt. Die Gefechte von Clausen, Tarvis, u. a. m., sodann die Besetzung der Pässe von Kärnthen und Krain eröffneten der französischen Armee die kaiserlichen Erblande, als die Friedenspräliminarien zu Leoben eingeleitet und sodann unterzeichnet wurden, welche sich darauf in den Friedensschluß von Campo Formio verwandelten.

So wie die Franzosen das weitere Vordringen in die kaiserlichen Staaten eingestellt hatten, zog eine ihrer Divisionen in Verona und Venedig ein, wo in dem Rücken der Armee ein Aufruhr ausgebrochen und 300 Franzosen umgebracht worden waren. Man warf allenthalben den Löwen des heiligen Markus zu Boden, und an die Stelle in dem Definitivfriedensschluße wurde diese Republick an Oesterreich abgetreten.

Bonaparte ließ hierauf die Organisation der Cisalpinischen Republik einen Augenblick der Gegenstand seiner Sorgfalt seyn und überbrachte im Dezember 1797 dem Direktorium den Frieden von Campo Formio.

Als Bevollmächtigter zum Rastadter Kongreß ernannt, schloß er aus der Langsamkeit der Verhandlungen bald, daß es nicht so schnell zu einem Frieden kommen werde, und kam nach Paris zurück, um die Expedition nach Egypten zu veranstalten.


Aegyptische Expedition

Den 19. May 1798 lief die Eskadre von 194 Segeln in Toulon aus und nahm den 23. desselben Monats nach einigem gefundnen Widerstand die Insel Malta in Besitz. Erst auf der See und 8 Tage vor ihrer Ankunft in Egypten, machte Bonaparte seiner Armee ihre Bestimmung bekannt. Er näherte sich der Küste von Egypten und ordnete trotz den widrigen Winden und der stürmischen See, noch in derselben Nacht seiner Ankunft vor Alexandrien das Ausschiffen der Truppen an. Die Armee richtete sich alsbald gegen Alexandrien, und nach einem Gefechte, das den ganzen Tag dauerte, ergab sich die Stadt. Eben so ward er, nach mehreren blutigen Vorfällen mit den Mamelucken, Meister von Cairo. Um diese Zeit hatte Nelson bey Abukir die französische Flotte gänzlich zerstört, und Bonaparte gab in seinem Berichte zu erkennen, wie er voraussah, daß dieses Unglück das Zaudern der Pforte enden und diese Macht in die Arme der Engländer werfen würde. Der Krieg war bald erklärt und ein Aufruhr in Cairo, wo 5 bis 6000 Türken das Leben verloren, gab das Zeichen dazu. Die Einnahme von El-Arisch, die Aufhebung eines Lagers der Mamelucken bezeichneten die ersten Schritte dieses Feldzugs und entschieden die Uebergabe von Gaza; Jaffa that mehrern Widerstand, ward mit Sturm genommen, und die Garnison mußte über die Klinge springen. Vor St. Jean d'Acre scheiterten alle Unternehmungen einer zwey monatlichen Belagerung, und Bonaparte trat mit seiner Armee den Rückzug nach Cairo an. Nach seiner Rückkunft nach Egypten suchte die türkische Flotte eine Landung bey Abukir zu bewerkstelligen; Bonaparte ging daher diesem neuen Feinde entgegen, stürzte an 10,000 Mann zurück ins Meer und machte den Rest nebst ihrem Oberbefehlshaber Mustapha-Pascha gefangen.

Allein mitten unter diesen Siegen ward die französische Armee von Tage zu Tage schwächer; sie konnte ihren Verlust nicht ersetzen, und der Krieg in Egypten hatte seinen Endzweck verloren, so bald als man auf den Plan, durch die Erdenge von Suez in Indien einzudringen, Verzicht gethan hatte. Zugleich hatten die Angelegenheiten in Frankreich eine verdrießliche Gestalt angenommen; die Niederlagen Scherers hatten den Sturz einer Parthey des Direktoriums herbeygeführt, das, aus heterogenen Elementen zusammen gesetzt, auf dem Punkte war, eine neue Erschütterung zu erleiden; die Autorität schien in den Händen der Demagogenparthey zu seyn, ohne daß die öffentliche Meinung sie begünstigte. Unter diesen Umständen faßte Bonaparte den Entschluß, nach Europa zurück zu kehren, und setzte ihn auch glücklich durch.

Den 9. Oktober 1799 landete er mit einer kleinen Anzahl Offiziere seines Generalstabs in Frejus, ging ohne Verzug nach Paris und ward den 16. dieses Monats von dem Direktorium empfangen.


Staatsstreich des 18. Brumaire VIII.

Seine Gegenwart in Paris gab gewissermaßen allen Zwistigkeiten einen Stillstand, und alle Partheyen schienen sich zu vereinigen, um ihn zu ehren und von ihm allein die Entwickelung aller Intriguen zu erwarten. Unter diesen Aussichten ward der 18. Brümaire vorbereitet. Bonaparte, von allen, was vorging, unterrichtet, wartete bey sich in der Mitte eines zahlreichen Generalstabs, das Resultat ab. Den 19. Brümaire, wo das gesetzgebende Korps in St. Cloud versammelt war, trat der General Bonaparte, in Begleitung einiger Grenadiere, mit entblößtem Haupte und ohne Waffen, in den Rath der 500, in dem sein Bruder Lucian präsidirte. Seine Gegenwart erweckte einen Aufstand. Einige Repräsentanten von der Demagogenparthey drängten sich an ihn, und schienen ihn zu bedrohen; allein plötzlich erschien der General Lefebre an der Spitze mehrerer Grenadiere und macht ihm Luft. Bonaparte begibt sich hierauf zu den Alten, und hält eine lange Rede, in Folge welcher der Rath der 500 durch Truppen, die in den Saal eintraten, aufgelöst wurde. Alsbald bildete man ein neues provisorisches Gouvernement, an dessen Spitze Bonaparte, Sieyes und Roger-Dücos, unter dem Nahmen des ersten, zweyten und dritten Konsuls, standen.


Napoleon Bonaparte als Erster Konsul der Französischen Republik.

PortretBonaparte.I.Consul

Bonaparte. I.R Consul

Nachdem Bonaparte die letzten Unruhen der Vendée besänftigt hatte, ließ er es sein erstes Geschäft seyn, sich den Siegen der Feinde in Italien entgegen zu stellen und sein erstaunenswürdiger Uebergang über den Bernard, welchen der Sieg von Marengo krönte, führte plötzlich den Frieden herbey. Nachdem er die Cisalpinische Republik wieder hergestellt hatte, ging er nach Paris zurück und ward mit lautem Jubel empfangen.

Es schien jetzt die Ruhe im Innern zu herrschen; allein der Haß war noch keineswegs erstickt. Das Schicksal Frankreichs schien an des Leben des ersten Konsuls gekettet, und daher waren alle Anstrengungen des Haßes und Neides gegen seine Person gerichtet. Vier Individuen wurden den 10. Oktober 1800 in der Opera arretirt, Arena, Céracchi, Demerville, Topineau-Lebrün, des Anschlags gegen sein Leben überwiesen, und zum Tode verurtheilt. Den 24. Dezember rettete ihn sein Glücksstern, der ihn so vielen Gefahren hatte entkommen lassen, nochmals aus der größten vielleicht, die ihn je bedroht hatte. Als er nach der Oper fuhr, zerplatzte in der Straße St. Nicaise ein künstlicher Pulverkarren, ähnlich denen der Wasserführer, eben wo er vorüber war, und verbreitete in dem ganzen Quartier Schrecken und Tod. Dieses Verbrechen, das man anfangs den Jakobinern zuschrieb, bestimmte die Deportation einer großen Anzahl von ihnen; einige Tage darauf wurden einige Chouans verhaftet, die ebenfalls verdächtig waren, und da sich viele Beweise gegen sie vereinigten, wurden sie zum Tode verurtheilt.

Um dieselbe Zeit ward unter seiner Leitung ein Vertrag mit den vereinigten Staaten in Amerika geschlossen; der mit Oesterreich ward endlich zu Lüneville den 9. Februar 1801 unterzeichnet und sicherte der Republik die Erhaltung eines großen Theils seiner Eroberungen zu. Rußland und die Pforte traten aus der Reihe seiner Feinde und England säumte nicht, ihrem Beyspiele zu folgen; der Friede mit dieser Macht ward den 25. März 1802 zu Amiens geschlossen. Den 15. July 1801 kam das Konkordat mit dem Papste zu Stande, nach welchem die katholische Religion für die des Gouvernements und der Mehrheit der französischen Bürger erklärt wurde. Ein Senatusconsult machte den ausgewanderten Amnestie bekannt, und ertheilte ihnen die Erlaubniß nach Frankreich zurück zu kehren.

Zwischen dem Frieden von Lüneville und dem von Amiens ging der erste Konsul nach Lyon und ward von der daselbst versammelten Consulta zum Präsidenten der italienischen Republik ernannt.

Während daß sich der Friede mit England seinem Abschlusse näherte, bemühte sich Bonaparte die Kolonie zu dem Regierungssysteme, das sich in dem Mutterstaate entwickelte, zurück zu führen. Er schrieb daher an Toussaint Louverture, der in Domingo herrschte, einen Brief voll Schmeicheleyen, um ihn zu bewegen, sich dem General Leclerc zu unterwerfen. Eine Armee von 40,000 Mann wurde nach dieser Insel eingeschifft.

Den 18. Aprill 1802 am Ostertage wollte das Gouvernement die Annahme der katholischen Religion zu einer öffentlichen Feyer machen, und die 3 Konsuln begaben sich in Begleitung des diplomatischen Körpers, das Staatsraths und der Minister nach der Hauptkirche. Sie wurden, bey ihrem Eintritte in die Kirche, von dem Erzbischofe und seiner Geistlichkeit unter einem Baldachin empfangen; der Kardinal-Legat hielt selbst das Amt, und nach dem Evangelium legten die neuen Prälaten in die Hände des ersten Konsuls den Eid ab.

In dem folgenden Monat May ward der Plan zur Errichtung einer Ehrenlegion von dem gesetzgebenden Körper bestätigt.

Um dieselbe Zeit verlängerte der Erhaltungssenat die Regierung des ersten Konsuls auf 10 Jahre; Bonaparte damit nicht zufrieden, verlangte die Einstimmung des Volks, das ihn zu dieser Würde erhoben. Folglich wurde die Frage an das Volk so gestellt: "Soll Napoleon Bonaparte Konsul auf Lebenszeit seyn?" Die Antwort fiel bejahend aus und Bonaparte wurde zum Konsul auf Lebenszeit ausgerufen. Gegen Ende des Jahres stellte er die innere Ruhe der Schweiz durch seine Mediationsacte wieder her und durchreiste das Departement der Unter-Seine. Zu Anfange 1803 beschloß der gesetzgebende Körper die Münzen mit dem Bildnisse des ersten Konsuls prägen zu lassen.

Im Aprill desselben Jahrs stürzte die Kriegserklärung Englands Europa nochmals in die Drangsale, die kaum ein Friede von einem Jahre hatte können vergessen machen.

Um die Zurüstungen bey der Marine zu beschleunigen, machte der erste Konsul eine Reise an den Küsten. Bey seiner Rückreise kam man, durch die Aussage zweyer Chouans, welche arretirt worden waren, einer ausgebreiteten Verschwörung gegen das Leben des ersten Konsuls auf die Spur, an deren Spitze Georges Cadudal und Pichegrü standen. Beyde wurden nebst vielen andern Verdächtigen eingezogen; dieser hatte sich im Gefängniße des Leben genommen und jener verlor nebst 11 Mitschuldigen seinen Kopf unter der Guillotine. Dem General Moreau gab man Schuld, Theil an dem Komplot genommen zu haben, und sein Urtheil fiel auf 2 Jahre Gefängniß aus. welches er mit dem Exil vertauschte.


Napoleon I. – Kaiser der Franzosen.

PortretNapoleonBonaparte240

Napoleon.

Diese so oft erneuerten Komplots bestimmten den Senat wieder zur erblichen Regierung mit den meisten Formen der ehemaligen Monarchie zurück zu kehren, und im May 1804 Napoleon Bonaparte zum Kaiser der Franzosen ausrufen zu lassen.

Den 2. Dezember 1804 ward der neue Kaiser vom Papst Pius VII. in der Kirche Unserer Frauen zu Paris gekrönt. Den 18. März 1805 ward er zum König von Italien ausgerufen und erhielt den 26. May die alte eiserne Krone der Lombardischen Könige auf sein Haupt.

Kaum war er einige Tage nach Paris zurück, so ging er abermahl in das Lager von Boulogne, um die Vorbereitungen zur Landung in England zu beschleunigen; allein der neuausgebrochene Krieg zwischen Oesterreich und Frankreich nöthigte Napoleon, seine Hauptmacht gegen jenes zu richten.


In Zeit von einem Monate hatte die französische Armee ihr Lager von den Küsten des Ozeans bis an die Ufer der Donau getragen und die österreichische Armee unter General Mack großentheils in die Festung Ulm geworfen, kapitulirte 17,000 Mann stark. Auf diese Weise geschwächt und zerstreut, vermochten die österreichischen Truppen dem überlegenen Feinde keinen weiter Widerstand von Bedeutung zu leisten, und Napoleon zog den 13. November 1805 mit seiner Armee in Wien ein.

Noch stand dem Sieger indeß ein furchtbarer Kampf mit der in Mähren angekommenen russischen Armee bevor, dem er daher unverzüglich entgegenrückte. So wie er die unnermeßliche feindliche Linie vor sich sah, schien er anfangs das Resultat der Schlacht, die ihm angeboten wurde, zu fürchten, und ordnete daher den Rückzug bis in die Ebenen von Austerlitz an, wo er eine vortheilhafte Stellung wahrnahm. Die Russen rückten nach und rüsteten sich zum Angriff, ohne selbst noch die Vereinigung ihres dritten Armeekorps, das noch 3 Tagmärsche von Olmütz entfernt war, abzuwarten. Den 1. Dezember 1805 kam der Fürst Dolgorucki im französischen Lager an und machte im Namen seines Souverains dem Kaiser Napoleon Friedensvorschläge, die dieser verwarf. Zum Kampf entschlossen, ließ er es sich nunmehr bis den folgenden Tag angelegen seyn, seine Armee, theils durch kraftvolle Anreden, theils durch geschickte Anordnungen, zur Schlacht vorbereiten, und da die Alliirten mit Anbruch des Tages die französische Armee in den Flanken angriffen, wurden ihre Glieder in Kurzem durchbrochen und theils gefangen, theils zum Rückzuge genöthigt.

Der deutsche Kaiser zeigte mit dem folgenden Tage den Entschluß, Frieden zu machen. Er hatte auf den Vorposten eine Zusammenkunft mit dem Kaiser Napoleon, und kurz darauf setzte der Vertrag von Preßburg diesem Feldzug ein Ziel.

Franz I. trat Venedig, Dalmatien, den Breisgau und Tyrol gegen das Churfürstenthum Salzburg ab. Die Churfürsten von Bayern und Würtemberg, welche in diesem Kriege Bundesgenossen Frankreichs gewesen waren, wurden als Könige anerkannt und vereinigten einen Theil der von Oesterreich abgetretenen Länder mit ihren Staaten.

Der Berliner Hof, der in dem Laufe dieser grossen Ereignisse ein schwankendes Benehmen zu beobachten geschienen hatte, überließ Frankreich auch im Kurzen das Fürstenthum Neufchatel, einen Theil seiner Besitzungen in Westphalen und hauptsächlich die Festung Wesel, welche dem zum Großherzog von Berg ernannten Schwager Napoleons, dem Prinzen Joachim Mürat, gegeben wurden. Diese neuen Siege gaben dem Kaiser Napoleon Gelegenheit, noch ausserdem einige andere Prinzen seiner Familie für ihre Anhänglichkeit zu belohnen.


Krieg gegen Russland und Preußen.

Im Spätjahr 1806 brach ein neuer Krieg zwischen Frankreich und Preußen aus; Napoleon ging daher den 24. September von St. Cloud nach Deutschland ab und zog alle seine Korps, die sich noch seit dem österreichischen Feldzuge in Schwaben und Bayern befanden, nach dem nördlichen Franken. Die preußische Armee mit den sächsischen Hülfstruppen hatte sich längs der Saale in Thüringen gesammelt.

Am 8. Oktober geriethen die Heere zuerst in Abtheilungen an einander. Die Avantgarde des preußischen linken Flügels, welche der General Tauenzien kommandirte, wurde von dem 16,000 Mann starken Korps des Marschalls Soult von Hof nach Schleitz und Gera zurückgedrängt, und mußte dem Feinde die daselbst angelegte Magazine überlassen.

Ein anderes Detaschement des linken preußischen Flügels von 6000 - 7000 Mann, größtentheils Sachsen, wurde den 10. bey Saalfeld mit dem Feinde handgemein, und mit dem Verluste seines tapfern Anführers, des Generallieutenant Prinzen Louis, gänzlich geworfen und in die Flucht gesprengt.

Durch diese Vortheile waren die gesammten französischen Korps in wenigen Tagen bis in das Herz von Sachsen vorgedrungen, und am 14. Oktober kam es zwischen den beyden Hauptarmeen, unter Anführung ihrer Monarchen, zu der entschiedenen Schlacht bey Jena. Dieser denkwürdige Sieg Napoleons endete gewissenmassen mit einem Streiche den Krieg mit Preußen. Dieses hatte 30 - 40000 Gefangene, 300 Kanonen, unermeßliche Vorräthe verloren; 10,000 todte Preußen, aber freylich auch sehr viele todte und verwundete Franzosen bedeckten das Schlachtfeld.

Die zerstreuten Preußen retirirten in den folgenden Tagen unordentlich, ohne Plan und in verschiedenen Richtungen über Weimar und Naumburg. Die Sachsen trennten sich gleich nach der Schlacht von ihnen und traten dem rheinischen Bunde bey.

Am Tage nach der Schlacht, am 15. Oktober mußte sich ein umzingeltes Korps von 14,000 Preußen, das sich nach Erfurt geworfen hatte, und wobey sich der Feldmarschall Möllendorf, der Prinz von Oranien und mehrere Generale befanden, mit 140 Kanonen an den Großherzog von Berg ergeben. Die andern preußischen Korps fielen in einem Zeitraume von 3 Wochen eines nach dem andern bey Halle, Prenzlau, Pasewalk, Anklam und Lübeck in französische Hände.

In eben dieser Zeit kapitulirten, ohne Widerstand geleistet zu haben die wichtigen Festungen Spandau, Cüstrin und Magdeburg, und am 27. Oktober zog Napoleon glänzend und siegreich in Berlin ein.

Den 31. ließ der Kaiser durch das Korps des Marschalls Mortier auch von den Landen des Churfürsten von Hessen Besitz nehmen.

Ein neuer, den Franzosen weit furchtbarerer Feind, die russische Heeresmacht, hatte sich indessen an den Ufern der Weichsel gesammelt und den König von Preußen mit den geretteten Ueberresten seiner Armee in ihrer Schutz aufgenommen.

Napoleon verlegte daher sein Hauptquartier zu Ende des Novembers von Berlin nach Posen und endlich von das nach Warschau. Bey Napoleons Annäherung war ein Theil der Pohlen aufgestanden und hatten sich unter dem französischen General Dombrowski, ihrem Landsmanne, gegen die Russen bewaffnet.

Nach einigen weniger bedeutenden Gefechten kam es endlich am 26. Dezember bey Pultusk zwischen dem Marschalle Lannes und dem russischen Generale Bennigsen zum ernsteren Treffen. Die Russen zeigten hier eisernen Muth und unerschöpfliche Beharrlichkeit; es gelang den Feinden nicht, ihr Lager wegzunehmen, sondern sie mußten sich mit einem beträchtlichen Verluste zurückziehen. Ein an demselben Tage entstandenes Gefecht der Franzosen unter dem Großherzoge von Berg und Marschall Davoust gegen die Russen unter Buxhövden kostete gleichfalls beyden Theilen vieles Blut, war aber bey aller Hitze des Streits von keinem bedeutenden Einflusse. Vielmehr gingen beyde Theile in die Winterquartiere, die Russen zogen sich nach ihrem Pohlen, Napoleon nach Warschau zurück.

Am 8. Februar des Jahrs 1807 kam es endlich bey Preußisch-Eylau zu einer der mörderischten Schlachten im ganzen Kriege. Beyde Theile schrieben sich den Sieg zu und gaben den Verlust ihrer Feinde als äusserst beträchtlich an. Wirklich scheint auch der Ausgang dieses Treffens und spätere Geständnisse zu beweisen, daß jeder Theil gegen 20,000 Mann an Todten und Verwundeten auf dieser Wahlstatt gelassen habe. Auch dieser Tag entschied wenig für das Schicksal des Kriegs, die Russen zogen sich nach der Schlacht nach Königsberg, die Franzosen in ihre Winterquartiere zurück.

Die vielen einzelnen Korps, welche Napoleon im Rücken seiner Armee zur Besatzung der eroberten Länder, zu dem Kriege gegen Schweden in Pommern, und zur Belagerung der Festungen Colberg, Danzig und Graudenz lassen mußte, so wie auch der beträchtliche Verlust der in jenen blutigen Gefechten gebliebenen Mannschaft veranlaßte Napoleon, neue Truppen-Verstärkungen an sich zu ziehen. Ein schönes Hülfskorps spanischer Truppen von 20,000 Mann, meist Reiterey, eilte herbey; das neuerdings alliirte Sachsen stellte ein ansehnliches Kontingent, hauptsächlich zur Belagerung von Danzig; die bayrischen Truppen aus Schlesien stiessen zur grossen Armee an der Weichsel, und in Frankreich wurde, um keine Vorsichtsmaßregel zu vernachlässigen, die Konscription des Jahres 1808 aufgerufen.

Nachdem endlich, nach einer äußerst tapfern Vertheidigung, der General Kalkreuth am 24. May in Danzig kapitulirt hatte, machte Napoleon Anstalten zu einer neuen entscheidenden Schlacht, die den 14. Juny, als an dem Jahrestage von Marengo, wirklich geliefert wurde. Beyde Heere fochten mit ihrem gewohnten Muthe und ihrer unerschütterlichen Standhaftigkeit. Das Schlachtfeld von Friedland blieb aber den Franzosen, und den 16. zogen die Sieger in Königsberg, der Hauptstadt des eigentlichen Königreichs Preußen, ein.

Nunmehr drang Napoleon immer weiter über die Pregel vor, und er hatte, als er in Tilsit einzog, (bis auf Memel, mit der dortigen Gegend, Pillau, Colberg, Graudenz, Silberberg,) die ganze preußische Monarchie erobert.

Hier am Niemen kam endlich ein Waffenstillstand zwischen den kriegführenden Mächten zu Stande, dem am 9. July der Definitiv-Friede von Tilsit folgte. Napoleon machte sich in diesem Traktate anheischig, dem Könige von Preußen seine Länder, mit Ausnahme aller Besitzungen jenseits des linken Elb-Ufers und der Besitzungen von dem ehemaligen Königreiche Pohlen, zurückzugeben. Diese pohlnischen Besitzungen verwandelte er in ein souveränes Herzogthum, das dem Könige von Sachsen anheim fiel; und die preußischen Länder diesseits des linken Elbufers, mit Einschluß der churhessischen und herzoglich-braunschweigischen Staaten wurde zu einem Königreiche erhoben, und der jüngste Bruder Napoleons, Prinz Hieronymus, als souveräner König von Westphalen, mit diesen Ländern belehnt.

So endete dieser Krieg, in welchem Preußen beynahe die Hälfte seiner Besitzungen, gegen fünf Millionen Unterthanen und den bey weiten größten Theil seiner politischen Bedeutung verlohren hat. Napoleon aber, als er sich einige Zeit in Dresden aufgehalten hatte, kehrte wieder als Sieger nach Paris zurück.

Noch haben wir eine Einrichtung Napoleons nachzuholen, die schon jetzt von großen, für die Zukunft von unzuberechnenden Folgen ist. Napoleons Einfluß auf Deutschland hatte sich schon im Spätjahr 1805 deutlich gezeigt, wo drey der ersten deutschen Reichsfürsten mit Frankreich in Allianz gegen das Haus Oesterreich traten. Zu Anfange des Jahrs 1806 folgten diesem Beyspiele alle kleinern Reichsfürsten des westlichen Deutschlands und traten vermöge eines, den 12. July 1806 in Paris abgeschlossenen Vertrags in einen Bund zusammen, dem sie den Namen des Rheinischen gaben, und an dessen Spitze sich Napoleon als Protector desselben stellte. Nach der Auflösung der deutschen Reichsverfassung, und durch Napoleons Siege in dem Feldzuge 1806 hatte sich dieser Bund bis an die Küsten der Ostsee ausgedehnt und begreift jetzt, außer einer Menge kleiner souverän gewordenen Fürsten, die beyden ansehnlichen Königreiche Sachsen und Westphalen auch in sich.

Im November unternahm Napoleon eine Reise nach Italien und hielt in Venedig einen Einzug.

Später erließ er strenge Dekrete gegen den Handel der Engländer.

SceneNapoleonSpanien700

Junot wurde mit einer Armee nach Portugal beordert, und vertrieb die königliche Familie nach Brasilien.

Während dessen waren in Spanien zwischen dem Könige und dem Kronprinzen Zwistigkeiten entstanden; Napoleon trat nun als Vermittler auf. Ein Korps unter dem Prinzen Mürat rückte in Spanien an. Später begab sich Napoleon selbst an die spanische Grenze nach Bayonne. Hier kam der spanische Kronprinz und dann auch sein Vater an; nach langen Unterhandlungen legten beyde die Regierung in die Hände Napoleons nieder. Dieser ernannte seinen Bruder Joseph zum König in Spanien und bewilligte den Abtretenden ansehnliche Pensionen. Allein während dessen war in den letzten Maytagen 1808 ein allgemeiner Aufstand ausgebrochen und der französische General Düpont mit seinem ganzen Korps am 19. July in der Sierra Morena gefangen worden. Auch General Junot [xxx] hatte Portugal räumen müssen.

Napoleon verließ am 21. July Bayonne, und hatte hierauf in Paris eine Unterredung mit dem österreichischen Gesandten, Grafen Metternich, wegen der Vertheidigungsanstalten, welche diese Macht vornahm; doch blieb dieß Jahr noch Friede.

Am Ende Septembers kam Napoleon mit Alexander von Rußland in Erfurt zusammen; nach 14 Tagen trennten sie sich, und erließen in Verbindung ein Schreiben an den König von England, um ihn zum Frieden zu bewegen.

Am 3. November kam Napoleon wieder in Bayonne an und nun ging der Krieg in Spanien lebhafter fort. Am 4. Dezember rückte der französische Kaiser in Madrid ein und vertrieb die Engländer aus Spanien. Hierauf ging er nach Paris zurück, da ihm ein Krieg mit Oesterreich immer wahrscheinlicher wurde.

Toskana wurde während dieser Zeit mit Frankreich vereinigt, so wie früher ein Theil des päpstlichen Gebiets mit Italien.


Krieg mit Oesterreich (1809).

Im April 1809 brach endlich der Krieg mit Oesterreich aus; die ersten Schlachten waren für diese Macht unglücklich und die Franzosen zogen am 12. May in Wien ein. Am 21. May ging Napoleon über die Donau, und diesen und den folgenden Tag wurde die denkwürdige Schlacht bey Aspern gekämpft; der französische Kaiser mußte das Schlachtfeld räumen und sich über die Donau zurückziehen. Nun erfolgte ein 6 wöchentlicher Ruhepunkt, während dessen Napoleon alle Streitkräfte sammelte, und am 5. und 6. July die Schlacht bey Wagram lieferte, nach welcher die Oesterreicher sich zurückzogen, und am 12. July einen Waffenstillstand schlossen, welchem am 14. Oktober der Friede nachfolgte, in welchem Oesterreich ansehnliche Aufopferungen machte.

Napoleon kehrte nun nach Paris zurück.

Früher, an seinem 40. Geburtstage, hatte er einen neuen Orden, der drey goldenen Vliesse gestiftet, so wie ein Jahr früher (1808) wieder den Erbadel in Frankreich eingeführt hatte.

Im Lager zu Schönbrunn hatte er auch die Vereinigung Roms mit Frankreich dekretirt.

Am 16. Dezember 1809 hob Napoleon die Eheverbindung mit seiner Gemahlin Josephine auf, da er von ihr keine Kinder mehr hoffen konnte; sie behielt den Titel als Kaiserinn und eine jährliche Rente von 2 Millionen.

Im März 1810 wurde der Prinz von Neufchatel nach Wien gesandt, um des Kaisers Franz älteste Prinzessinn Tochter Louise für Napoleon zu begehren; sie wurde hierauf durch Prokuration vermählt, und reiste dann nach Frankreich ab, wo am 2. April zu Paris die feyerliche Vermählung vor sich ging. Die glänzendsten Feste sind seitdem erfolgt; auch hat Napoleon mit seiner jungen Gemahlin schon eine Reise nach Antwerpen unternommen.

Schilderung.Bearbeiten

[1802]

Ich will es versuchen ein möglichst treuer Bild von diesem ausserordentlichen Menschen zu entwerfen *).

*) Man wird leicht bemerken, daß der Verf. alle seine späteren Beobachtungen, die ein sechs monatlicher Aufenthalt ihn machen ließ, benutzt hat, um erste Eindrücke zu berichtigen und dieses Gemälde mit möglichster Sorgfalt zu vollenden.

Bonaparte ist klein, kaum fünf Fuß hoch und äusserst mager: dünnere Lenden, Beine und Arme kann man nicht sehen. Brust und Schultern sind breit, so auch das Gesicht, doch ohne hervorstehende Knochen, ohnerachtet die Haut scharf angespannt ist. Diese ist eben so viel Olivenfarbe als gelb, ohne die mindeste Spur von Blutfarbe und ohne alle merkliche Beweglichkeit. Die sanft gebogne Nase und der Mund sind fein geformt, und selbst das stark hervorstehende Kinn ist gar nicht unangenehm. Die Mittellinie des Mundes würde sehr angenehm seyn, wenn sie nicht zu gerade wäre und beim Schweigen so scharf schlöße, daß von den Lippen wenig zu sehen bleibt. Beim Reden sind diese aber immer stark auseinander gezogen, und bilden ein fortdauerndes Lächeln. Die Stimme ist tief und meistens rauh, und die schwachtönende Rede von so geringer Modulation, daß kaum die Frage bestimmt heraushebt; sehr häufig ist sie auch von einem heisern tiefen Lachen begleitet, das sich im Innersten der Kehle bildet und hineinwärts verliert. Die Augen sind klein und tiefliegend, ohne bestimmte Farbe und Feuer. Zuweilen glaubt man sie von blos blauer und bald wieder von grünlicher Farbe, immer verliert sichs aber wieder ins Graue und Unscheinbare. Der Blick ist immer unruhig, um sich her forschend. Der Uebergang von der Stirne zur Nase ist nicht so griechisch, wie man ihn in den meisten Abbildungen von Bonaparte findet, sondern macht einen merklichen, aber doch sanften Einbug. Die Stirne ist breit und nicht von ausgezeichneter Form, weder gewölbt noch platt, meistens ist sie auch, wiewohl nur dünn, von dem schwarzen Haare bedeckt, welches er rund um den Kopf trägt, ihm aber sehr unbildlich steht, da es überall dünn ist und ganz schlicht, wie naß anliegt. Dies steht besonders unvortheilhaft zu dem großen Consularcostüme, welches Bonaparte bei den öffentlichen Audienzen trägt.

Dieses Costüme besteht in einem etwas langen und weiten scharlachrothen sammtnen Kleide mit sehr reicher Goldstickerei, die auf Bonaparte's Kleide fast mit jeder öffentlichen Audienz immer stärker und prächtiger wurde. Auf einem dieser Kleider, welches ihm die Stadt Lyon bei seinem letzten Aufenthalte daselbst überreichte, ist die Stickerei mit grünen Lorbeerzweigen durchflochten und bedeckt fast das ganze Kleid. Dieses ist wie die meisten großen Costümkleider der verschiedenen Autoritäten wie ein kompletes altmodisches Staatskleid geformt, aber doch vorne zum Ueberklappen, welches dem Kleide, besonders vorn offen stehend, ein unschickliches Ansehen giebt. Dazu gehört denn noch eine weiß atlaßne, reich mit Gold gestickte Staatsweste mit ziemlich langen Schößen, und weisse Kasimir Unterkleider mit goldgestickten Kniegürteln, statt deren die andern beiden Consuln auch oft andre von schwarzen Seidenzeuge tragen. Lange breite Spitzenmanschetten, die dem ersten Consul oft sehr langer und breiter Jabot, weiß seidne Strümpfe und sehr breite, meist goldne Schuhschnallen, eine kleiner französischer Degen und ein großer dreieckiger Hut in der Hand oder unterm Arm, vollenden seinen Anzug.

Seine Haltung ist einfach, ruhig und sicher; er verneigt sich kaum merklich. Ohnerachtet dieser äussern Ruhe, erkennt man doch leicht in allen seinen Zügen den Italiäner, die Italiäner sagen, den Corsen, dessen Nationalphysiognomie bei ihm in ihrer ganzen Vollkommenheit ausgedrückt seyn soll.

Seine Ausdrücke sind ungesucht, fast ungewählt; seine Anreden und Fragen sind herrisch, gerad' auf den Mann oder die Sache zugehend. Er endigt indeß gerne mit einer pointe, an deren Ausdruck man aber leicht erkennt, daß das nicht seine natürliche tournure d'esprit ist. Ueberall wird ihn so leicht keiner für einen Franzosen halten, obgleich er keinen fremden Accent in der Sprache hat.

Von diesem ist er auch wohl der vollkommenste kontrastirende Mensch. Er ist weder fein- noch grobsinnlich; er macht sich eben so wenig aus der guten Küche und dem feinen Keller, als aus den schönen Künsten, deren er auch nie irgend eine geübt hat. Er liebt die Weiber nicht, und so haben die geselligen Freuden noch jetzt für ihn eben so wenig Reiz, als sie von seiner Kindheit an für ihn hatten. Er liebt weder Musik noch Tanz. Im Theater, und da nur an der Tragödie, und in dieser auch wieder nur an Corneille, findet er zuweilen Interesse, mehr aber der heroischen Gesinnungen wegen, die in diesem Dichtem Dichter oft so stark und pomphaft ausgedrückt sind, als des Kunstspiels wegen. Daher liebte er auch wohl in jüngern Jahren den Ossian vor allen andern Dichtern, dessen trübe farbenlose Natur ihm auch mit besonderer Sympathie ansprechen mag. Er liebt auch nicht das Spiel, ja auch nicht einmal das Jagen und Reiten, ohnerachtet er einige hundert der schönsten englischen Jagdpferde und Jagdhunde aller Art, als zu einem vollkommenen Hofstaate gehörig, auf dem Stalle hat.

Herrschen ist seine einzige Leidenschaft und Beschäftigung; und da er nie andre als militairische Studien getrieben hat -- die er daher auch allein schätzt und für die Schulen ausschließlich anordnet -- und doch, wie alle Selbstherrscher, die Neigung hat, alles selbst entscheiden, ja selbst anordnen und oft auch selbst machen zu wollen, so beschäftigen ihn die Staatsgeschäfte wirklich Tag und Nacht. Diese sind für ihn überhaupt nicht nach der gewöhnlichen Ordnung abgetheilt. Er ruht am Tage oft stundenlang auf dem Ruhebette in seinem Arbeitszimmer, wenn sein gar nicht starker Körper erschöpft ist; und hält dagegen alles um sich her den größten Theil der Nacht in Bewegung. Seine Gemahlin selbst nicht ausgenommen, die mit ihm in Einem Bette schläft, und nicht eher als mit ihm sich zur Ruhe begiebt. Auch Leute aus der Stadt, denen er eben etwas sagen will, läßt er mitten in der Nacht rufen, er mag in Paris oder St. Cloud seyn, und an der Art wie er sie abfertigt, oder auch wohl Stundenlang warten läßt, sieht jeder leicht daß er der Stunde gar nicht eingedenk ist.

Sein Haus ist freudeleer. Er beschränkt die Gesellschaft seiner Gemahlin immer mehr und mehr auf ihre Familie, und an den wenigen Tagen, an welchen sie Anstand halber größere Cercle bei sich hat, nimmt er nur kurzen und geringen Antheil an der Gesellschaft. Der kleinen theatralischen Vorstellungen, die sonst in Malmaison öfter Staat hatten, und an welchen auch Personen, die nicht zur Familie BonaparteHaus Bonaparte| und Beauharnois gehören, Antheil nahmen, werden immer weniger und diese wenigen immer mehr auf die Familie beschränkt. Den ganzen letzten Winter kamen nur zwei solcher Vorstellungen zu Stande. Seine gewöhnliche Tafel ist nur Familien und Officianten Tafel. Nur noch an den großen Audienztagen werden die Gesandten, und von anwesenden fremden nur fürstliche Personen und allenfalls solche, die aus politischen Ursachen, in Rücksicht auf die Armee und die entfernten Departements, oder auf besondere Empfehlung der Gesandten, distinguirt werden sollen, an dieselbe gezogen. Für die übrigen Fremden und Staatsbeamten macht der zweite Consul die Honneurs.

Bonaparte lebt also weder einsam noch gesellig; weder häuslich froh noch königlich üppig und freudenreich. Die große Sorgfalt für seine persönliche Sicherheit gewöhnt ihn schon so früh an eine undurchdringliche militärische- Officiantenumgebung, die allen freien Zutritt zu ihm hemmt, daß ihm auch beim Zusammentreffen der glücklichsten Umstände, für den Herrscher, eine trauriges isolirtes Alter bevorsteht.

Johann Friedrich Reichardt.


[1815]

Kurz nachher, nachdem er seinen Anzug geordnet hatte, kam er aufs Verdeck. Hier hatte ich Gelegenheit ihn aufmerksam zu betrachten.

Napoleon Bonaparte hat eine Größe von etwa 5 Fuß 7 Zoll. Er ist ziemlich corpulent, aber vorzüglich gut gebaut. Sein Haar ist sehr schwarz, kurz abgeschnitten, und der Backenbart abgeschoren. Die Augenbraunen gewölbt, die Augen grau, aber so durchdringend, als ich sie je sah. Er hat ein etwas volles Gesicht, eine dunkle, aber ganz besondere Gesichtsfarbe, Nase und Mund proportionirlich, die Schultern breit, und anscheinend kraftvoll gebaut. Im Ganzen ist er ein wohlaussehender Mann, und muß in seiner Jugend hübsch gewesen seyn. Er hat das Ansehen eines Mannes von 45 bis 46 Jahren, seinem wirklichen Alter, und gleicht sehr den verschiedenen Kupferstichen, welche ich von ihm in London gesehen habe. Sein Gang gleicht einem Marsch, so weit ein Seemann darüber urtheilen darf. Um die Darstellung zu vervollständigen, muß ich hinzufügen, daß er im Gehen gewöhnlich seine Hände in den Beinkleidertaschen oder auf dem Rücken gefaltet hält.

Lieutenant John Bowerbank, im Dienst auf dem Bellerophon.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Vollständige Rangliste aller Generale und General-Adjutanten in den Armeen der französischen Republik. 1796.
  • Taschenbuch für die neueste Geschichte. Herausgegeben von D. Ernst Ludwig Posselt. Fünfter Jahrgang. Feldzug 1796. Nürnberg, in der Bauer- und Mannischen Buchhandlung. 1799.
  • Gallerie interessanter Personen. Oder Schilderung des Lebens und Charakters der Thaten und Schicksale berühmter und berüchtigter Menschen der ältern und neuern Zeit. Herausgegeben von Karl August Schiller. Wien im Verlage bei Anton Doll, 1799.
  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.

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