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Guadet, (M. E.) Rechtsgelehrter, Präsident des Kriminalgerichts der Gironde, war Deputirter dieses Departements bey der Gesetzgebung.

Als ein Mann voll Feuer und Talent, war er nahe daran, 1789 zum Deputirten des dritten Standes von Bordeaux ernannt zu werden, wenn man sich nicht an sein Alter gestossen hätte.

Als Mitglied der Gesetzgebung zeigte er auf der Tribune, welche grossen Hilfsmittel ihm zu Gebote standen. Die Girondeparthey zählte ihn stets unter ihre Chefs, und man sah ihn die Meinungen, welche die Zeitumstände nach einander dieser Faktion aufdrangen, verfolgen und selbst öfters leiten.

In der Sitzung vom 10. August unterzeichnete er, als Präsident, die Proklamation, in der man dem Volke Rechenschaft von den Beweggründen ablegte, aus denen man einstweilen den König abgesetzt habe.

Im Ludwigs XVI. Prozeß votirte er den Tod mit Verschub der Vollziehung.

Er sah seinen Einfluß mit jedem Tage abnehmen. Nichts desto weniger kämpfte er den 31. May noch mit grossem Muthe und verlangte, mitten unter dem Geschrey der Montagne, daß man die Aufrührer verfolgen möchte.

Als er einige Tage darauf geächtet, und sein Verhaft beschlossen wurde, flüchtete er sich aus Paris und begab sich, als ein Tapeziergeselle verkleidet, nach Erreux und von da, in der Gesellschaft Salles und Barbaroux, nach Caen. Hier verabredete er mit Wimpfen und seinen Unglücksgefährten die Mittel zur Vertheidigung, sah sich aber in seinen Erwartungen betrogen, ging unter den größten Gefahren nach Quimper, hielt sich hier einige Tage verborgen und schiffte sich darauf für die Gironde ein. Diese aber fand er schon unter dem Joche der Schreckensregierung, und niemand wagte, ihm eine Freystatt zu geben. Vom Hunger und Durst gepeinigt, irrte er im Freyen umher und verbarg sich den Tag über in Höhlen. Endlich hatte eine Frau den Muth, ihn nebst seinen Gefährten wieder bey sich aufzunehmen; doch wurden sie alsobald wieder von der Familie ihrer Beschützerinn vertrieben.

Zuletzt war er zu seinem Vater nach Libourne gekommen; hier wurde er mit Salles entdeckt und den 20. July 1794 in seinem 35sten Jahre zu Bordeaux hingerichtet. Als man ihn zur Richtstatt führte, wollte er zu dem Volke sprechen; allein der Lärm der Trommeln unterdrückte seine Stimme.

Sein Vater, in seinem 70sten, seine Tante im 65sten Jahre, sein Bruder, Generaladjutant bey der Moselarmee, ein braver Soldat, kaum 30 Jahre alt, verloren einen Monat darauf durch den Spruch der Militärkommission zu Bordeaux das Leben.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.