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Saint-Just, (Anton Ludwig Leon), geboren zu Blevancourt bey Noyon 1768, zeigte einen so großen Enthusiasm für die Revolution, daß ihn das Aisnedepartement, ungeachtet er erst das 14. Jahr erreicht hatte, zum Deputirten bey dem National-Konvent ernannte; er wurde bald eines seiner ausgezeichneten Mitglieder, vornehmlich durch seine Sendungen und seinen Eintritt in den Wohlfahrtsausschuß. Verstand und Kenntniß, eine kalte Ueberlegung verbunden, mit Leidenschaftlichkeit des Gemüths, ein Harter unbiegsamer Charakter und eine unbegreifliche Frechheit machten ihn zu allem fähig.

Robespierre, der den Werth einer solchen Stütze fühlte, schenkte ihm (vornehmlich seit Ende des Jahres 1793) sein ausschließliches Vertrauen; und St. Just half jenem eine Rolle spielen, die er unstreitig selbst mit mehr Erfolg behauptet haben würde, wenn er schon einigen Ruf und einige Selbstständigkeit besessen hätte.

Nach dem Tode Ludwigs XVI., den er durch seine heftige Ausfälle und sein Votum hatte herbeyführen helfen, erhielt er in den letzten Monaten des Jahrs 1793, wo die Oesterreicher die Weissenburger Linien genommen hatten, eine Sendung in den Elsaß, und setzte daselbst, in Vereinigung mit Lebas, die Proscriptionen und Schreckensmaaßregeln fort, welche Milhaud, Guyardin, Baudot und vornemlich Schneider angefangen hatten.

Bey seiner Rückkehr in den Konvent zu Ende des Jahrs 1793 erhielt St. Just darinnen mehr Einfluß als je, und es war im Jahr 1794, daß er, größtentheils Meister der Denkungsart Robespierres, nebst Couthon der Vertraute des Tyrannen und die Triebfeder seiner Entwürfe wurde.

Als er im folgenden May zur Nordarmee geschickt wurde, entwickelte er daselbst dieselben Grundsätze, wie in seiner vorhergehenden Sendung, und gab dem Revolutionsgericht, das im Gefolge der Armee niedergesetzt wurde, denselben Charakter von Grausamkeit, wie denen des Innern.

In der Schlacht von Fleurus zeichnete er sich durch seinen Muth und seine Kaltblütigkeit in der Mitte der Gefahren aus.

Bey seiner Zurückkehr in den Konvent legte er ein ziemlich seltsames Verzeichniß der Summen vor, die er zur Erkaufung der Allianz oder der Neutralität einiger Staaten verwendet haben wollte. Der Hof von Konstantinopel allein hatte in Diamanten und Münze auf 70 Millionen gekostet.

Als sich die Faktion welche Robespierre stützte, zu rühren anfing, gab sich St. Just alle Mühe, den Tyrannen zu einem ungesäumten entscheidenden Streiche zu bewegen; doch vermochte er dieses Mahl nicht, ihn aus seiner Unentschlossenheit zu wecken. Beym Weggehen aus der Sitzung des 8. Thermidors drang er von neuem in ihn, keinen Augenblick zu verlieren und sich seiner Feinde noch in derselben Nacht zu bemächtigen; allein jenes Schwanken, jenes Schrecken, welche gewöhnliche Vorläufer des Sturzes einer Faction sind, behaupteten über seine Rathschläge die Oberhand; Robespierre verschob die Ausführung des Plans, welchen St. Just vorschlug, noch 24 Stunden, und trug ihm auf, die Stimmung des Konvents von neuem auszuforschen und sie den folgenden Tag durch eine Rede vorzubereiten. Und in der That, mit Eröffnung der Sitzung des 9. Thermidors, zeigte sich St. Just mit Dreistigkeit auf der Tribune und erklärte, "daß, sollte die Tribune auch für ihn der Tarpejische Felsen werden, er sich doch nicht würde abhalten lassen, seine Meinung zu sagen;" allein das wachsende Geschrey nahm ihm das Wort und er sah sich alsobald in des Anklagedekret, welches den Tyrannen traf, mit begriffen, wurde nebst diesem und seinen Genossen im Rathhause arretirt und den folgenden Tag auf die Guillotine geführt.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.