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Lausitz, Markgrafth., welches gegen Osten an Schlesien, gegen Süden an Böhmen, gegen Norden an die Mark Brandenburg, und gegen Westen an Meissen gränzt.

Es gehörte dieses Land vormals zur Krone Böhmen, ward aber von K. Ferdinand II 1623 an den Kurfürsten Joh. Georg von Sachsen verpfändet, 1635 durch den Prager Frieden als ein Mannlehn, mit aller Landeshoheit, überlassen, und im Westphälischen Frieden die Abtretung bestätigt. Die Lausitz ist also Böhmisches Lehen zwar mit Deutschland verbunden, gehört aber zu keinem Kreise, so wenig als Böhmen und Schlesien.

Seine Größe beträgt ohngefähr 180 Quadratmeilen.

Es wird eingetheilt in das Markgrafthum Ober- und Niederlausitz. Jenes ist das größte, denn es hat etwa 100 Quadratmeilen, und auch das wichtigste, denn es hat nach der Zählung im J. 1798 308,341 Einwohner. Es bestehet aus 2 Kreisen, dem Bauzner und Görlitzer. Der leztere führet jezt den Namen eines Fürstenthums, weil er im 14ten Jahrhundert einen Bruder von K. Karl IV zum eigenen Herzog hatte. Der Bauzner Kreis enthält wieder 3 andere Kreise, nämlich den Ober und Nieder-Bauzner, und den Queis-Kreis. Der Görlitzer enthält auch drey, nämlich den eigentlichen Görlitzer, den Zittauer und Laubaner Kreis. In beyden Kreisen sind 23 Städte, 4 Standesherrschaften, gegen 400 Rittergüter, überhaupt 873 Dörfer. Der größte Theil der Einwohner ist evangelisch; nur wenige sind katholisch. Da bey dem Ankauf der Güter jedermann freyen Zutritt hat, er sey von welcher Religion und Nation er wolle, so sind Engländer, Irländer, Holländer, Schweizer, Polen, Dänen und Franzosen in dem Besitz ansehnlicher Herrschaften. Der südliche Theil des Landes ist gebirgicht und fruchtbar; der nördliche hingegen eben und hat viel Sand. Unter den sehr vielen und ansehnlichen Manufakturen zeichnen sich vorzüglich die Leinwandmanufakturen aus, welche Damast, Schleyer, Cannefas, Zwillig und Leinwand von jeder Gattung liefern. Viele große Dörfer von mehrern tausend Einwohnern sind damit beschäftigt; Alt und Junges arbeitet. Die Summe Goldes, welche dadurch jährlich vom Auslande bezogen wird, berechnet man auf 3 Millionen Thaler. -- Ausserdem sind auch die Tuch- Wollenzeug- Band- Manufakturen, und die Strumpfstrickereyen von Bedeutung. Die Stände der Oberlausitz, welche sehr große Privilegien haben, sind die Besitzer der 4 Standesherrschaften Hoyerswerda, Königsbrück, Mußkau und Seidenberg; die Prälaten, (nämlich der Dechant zu Bautzen, die Aebtissinnen zu Marienstern und Marienthal und die Priorin zu Lauban,) die gräflich. freyherrl. adelichen und bürgerlichen Besitzer der Ritter- und Lehngüter, welche zusammen die Ritterschaft und Mannschaft ausmachen, und die Unmittelbaren, landesherrlichen Sechsstädte: Bautzen, Görlitz, Zittau, (welche die vorgehenden Städte heissen,) Lauban, Kamenz und Löbau. Auf den Landtagen selbst dürfen keine bürgerlichen sondern nur die adelichen Gutsbesitzer erscheinen, welche 16 Ahnen beweisen können.

Das Markgrafthum Niederlausitz, (wovon 1461 und 1550 einige Orte und Distrikte, als Cotbus, Peitz xc. an Kurbrandenburg überlassen wurden, welche 20 ge. Quadratmeilen betragen) enthält ohne die Brandenburgischen Besitzungen 80 ge. Quadratmeilen mit 119,156 Einwohnern nach der Zählung im J. 1797 und wird in den Luckauischen, Gubenschen, Kalauischen, Lübbenschen und [[Sprembergischen Kreis]] eingetheilt. Die Stände desselben sind die Prälaten, (nämlich das Cistercienserstift Neuzelle, und die unter das Herrenmeisterthum zu Sonneburg gehörigen Aemter Friedland und Schenkendorf;) die Besitzer der Herrschaften Dobrilugk, Forsta, Pförthen, Sorau, Leuthen, Drehnau, Spremberg, Sonnewalde, Straupiz, Lieberose, Lübbenau und Amtitz; (welche den Herrenstand ausmachen;) die gräfl. freyherrl. und adel. Besitzer der Ritter und Lehngüter, (aus denen der Ritterstand bestehet;) und die Kreisstädte, Luckau, Guben, Lübben und Kalau. In der Ober- und Niederlausitz wohnen, ausser den Deutschen, Wenden, die von Löbau und Bautzen bis in die Mark Brandenburg sich erstrecken, ihre eigene Sprache und Sitten noch immer haben, und viel auf ihre wendische Abstammung halten. In beyden ist auch noch Leibeigenschaft, hier Erbunterthänigkeit genannt; doch ist sie in der Oberlausitz gelinder, als in Niederlausitz.

Das Land hat viel Sand und Sümpfe, doch auch mit unter gutes Erdreich, und baut so viel Getreide, als zu den einheimischen Bedürfnisse nothwendig ist. Das Hauptprodukt ist aber Flachs, welcher größtentheils im Lande verarbeitet, doch auch ausgeführt wird. Auch der Hopfenbau ist bedeutend, und der Tabakbau wird mit jedem Tage größer. Die Vi hzucht ist stark genug, um einen Artikel zur Ausfuhr zu liefern; vorzüglich befördert die veredelte Schafzucht die vielen einheimischen Tuchmanufakturen. Ein großer Theil der Niederlausitz ist mit Waldungen bedeckt, man rechnet 107,000 Morgen Landes, von welchen der Kurfürst 43,300 Morgen besitzt. Den Vorsitz in der Oberamtsregierung hat seit 1666 der vom Kurfürsten ernannte Oberamtspräsident. Die Einkünfte welche der Landesherr aus der Niederlausitz zieht, berechnet man auf 600,000 Thl.

Beyde Lausitzen stehen unter dem geh imen Consilium zu Dresden, welches seine Befehle nach Oberlausitz an das Oberamt zu Budissin, nach Niederlausitz an die Oberamtsregierung zu Lübben erläßt.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.