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VValliserland, ital. Vallese, französ. Valais, kleine ehemals mit Helvetien verbundene Republik, welche gegen Norden an den Canton Bern, gegen Westen am Savoyen, oder das Departement des Leman, gegen Süden an die Franz. Depart. der Doria und Sesia, gegen Osten an das Königr. Italien u. an die Helv. Cantons Uri und Tessin gränzt. Sie hat einen Flächeninhalt von 80 ge. QM. u. auf demselben 126000 Einwohn.

Dieses Land besteht aus einem 17 Meilen langen Hauptthale zwischen sehr hohen Gebirgen, darunter der große Bernhardsberg, Grimselberg, Furca und andere sind, die zu keiner Jahreszeit vom Schnee leer werden. An dem Abhange dieser Berge ist vortreffliche Viehzucht, welche die Hauptnahrung des Landes ausmacht. Es wächst aber in den Thälern dazwischen trefflicher Wein, samt vielem Obst und andern wohlschmeckenden Früchten. Mitten durch geht der Rhonefluß, (von den Wallisern gemeiniglich Rotten genannt) der gleich bey seinem Ursprung zwischen hohen Felsen aus den gefrornen Gletschern hervorbricht, und bis in die Ebene des Thals wie ein Wasserfall von unterschiedenen Absätzen anzusehen ist. Es wird in Ober- und Unterwallis eingetheilt. Das Flüßchen Morse unter Sitten trennt die beyde Theile.

Ober-Wallis bestund aus 7 Centen oder eben so viel kleinen Republiken, welche ihren gemeinschaftlichen Landrath jährlich zweymal auf dem Schloß Majoria bey Sitten hielten, welcher auf die Lenkung der Geschäfte vielen Einfluß hatte. Dieser obere Theil war der herrschende; er hatte im J. 1475 Nieder-Wallis von dem Herzoge von Savoyen erobert, daher betrachtete man die Bewohner dieser Gegend als Unterthanen. Der Bischof hat in derselben viele Besizungen, aber die Landeshoheit war in den Händen der 7 Centen. Die Einwohner von ganz Wallis sind katholisch und stehen unter dem Bißthum Sion. In Oberwallis reden sie deutsch, und in Unterwallis schlecht französisch.

Dieses Land liegt für Frankreich wegen des Zusammenhangs mit dem Königreich Italien, und wegen der zwey Hauptpässe über die Alpen, (über den großen St. Bernhard und über den Simplon,) sehr bequem; man suchte es also zur Vereinigung mit Frankreich zu bringen. Da aber die Walliser keine Lust bezeugten, machte man sie im J. 1802 zur freyen Republik, und Helvetien mußte in die Trennung einwilligen.

Das ganze Volk hatte die gesezgebende Gewalt; die ausübende war in den Händen des Staatsraths, welcher aus dem Großvogt und zwey Staatsräthen bestund.

Die Hauptstadt ist, wie bisher, Sitten. Im Auslande vertraten die Französ. Minister die Angelegenheiten von Wallis, ohne daß es eigne Gesande zu schicken brauchte; und die Pässe des Landes hält Frankreich besezt, auch wurde eine große gezogene Strasse über den Simplonberg angelegt, und im Jahr 1806 vollendet.

Da die Walliser die bey der Anlegung dieser Strasse übernommenen Verbindlichkeiten nicht erfüllten, und die Streitigkeiten zwischen Ober- und Unter-Wallis nie aufhörten, so erklärte Kaiser Napoleon im Jahr 1810 12. Nov. das Land für vereinigt mit Frankreich, und es bildet seitdem das Departement des Simplon, dessen Hauptstadt Sitten ist.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.