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Freyburg, eine sehr bergige Stadt mit 6,000 Einwohnern in der Schweiz, und die Hauptstadt des Cantons dieses Namens, am Flusse Sanen, welcher sie in zwey Theile theilt, deren einer niedrig, der andere aber hoch liegt. In jenem wird deutsch, in diesem französisch gesprochen. Die Befestigung ist alt und weitläufig. Das schönste Gebäude ist das Jesuitencollegium mit der prächtige Kirche. Die Stadt und der Canton ist katholisch. Die vornehmste Nahrung besteht in den Viehweiden, und in den guten Käsen, die hier gemacht und weit verführt werden. Seit der Reformation residirt auch der Bischof von Lausanne daselbst. Im Jahr 1737 erlitte die Stadt großen Schaden, als der Bliz in einen Pulverthurm schlug, darinn 750 Tonnen Pulver lagen.

Der Canton gränzt an die Cantone Bern und Waadt und an den Neuenburger See. Der Flächeninhalt beträgt 30 Quadratmeilen. Die Zahl der Einwohner des Cantons, beläuft sich über 70,000. Man spricht in demselben die deutsche, und eine verderbte Art von französischer Sprache. Jene ist die öffentliche und Hauptsprache, diese ist aber viel gemeiner. Der südöstliche Theil des Landes ist von hohen und rauhen Gebirgen eingeschlossen, an deren Alpen reiche Heerden weiden, und die Grierser Käse, die berühmtesten aller Schweizerkäse liefern. Das übrige von niedrigen Bergen durchzogene Land ist fruchtbar an Getreide, Obst xc.; die Einwohner leben aber auch hier größtentheils von der Viehzucht, und müssen Getreide einführen. Manufakturen giebt es nur wenige im Lande.

Die Verfassung des Cantons war strenge Aristokratie, indem die Bewohner des ganzen Landes keinen Antheil an den Regierungsgeschäften nehmen konnten, und von den Bürgern der Stadt selbst nur die sogenannten heimlichen Bürger wählen konnten. Diese bestunden aus 87 Particierfamilien, unter welchen sich viele Adeliche befanden. Aus ihnen wurden die beyden Schultheißen, der kleine tägliche Rath von 22 Mitgliedern, der Sechszigrath und der große Rath der Zweyhundert genommen. Durch die Revolution im J. 1798 änderte sich diese Verfassung.

Der Canton ist seit 1803 in die 5 Distrikte getheilt: Stadt Freyburg und ihr Bezirk, Murten, Bulle, Romont und Stäffis, jeder Distrikt hat 4 Quartiere. Die gesetzgebende Macht hat der große vom Volke gewählte Rath von 60 Mitgliedern; ein Ausschuß desselben oder der kleine Rath von 15 Mitgliedern, unter dem abwechselnden Präsidium von 2 Schultheißen besizt die vollziehende Gewalt. Uebrigens verlohr zwar der Canton mehrere seiner Besitzungen im Waadtlande und in den Italienischen Vogteyen; aber es wurden dafür die Aemter, welche er mit Bern gemeinschaftlich hatte, dem Canton einverleibt; nemlich Murten und Schwarzenberg. Zur Eidgenossenarmee liefert Freyburg 620 Mann als Kontingent.

Das Freyburgische Wappen ist ein gespaltener Schild, dessen obere Hälfte schwarz, die untere von Silber ist.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.