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Bern, der größte unter den schweitzerischen Cantons, da er in der größten Ausdehnung 60 Stunden lang, und 30 Stunden breit war. Das Land wird in den südlichen Theilen, oder dem Oberlande durch eine Kette sehr hoher Alpen gegen Wallis begränzt; weiter gegen Norden ist es zwar noch immer bergig, verflächt sich aber immer, und wird dadurch zur Kultur des Getreids, Obstes auch einigen Weins und zu den guten Landstrassen, welche hier angelegt sind, tüchtig. Es baut aber dem ungeachtet das nothwendige Getreide nicht. Im bergichten Oberlande ist Viehzucht, auch Pferdezucht, bey weitem die Hauptsache. Die Ausfuhr des Viehes und der vielen vorzüglichen Käse ziehen das meiste fremde Geld in das Land; das übrige wird durch die Manufakturen gewonnen. Salz hat Bern nur wenig, ungeachtet es der Käse wegen viel braucht.

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Der Canton wurde in den deutschen und französischen oder welschen Theil abgesondert, davon jener und weit größere um den Fluß Aar zur Rechten, dieser aber um den Genfer- und Neuburgersee zur Linken lag, und insgemein le païs de Vaud, auch le païs Roman, genennt wird. Der Ganze Canton hatte 235 Quadratm. Flächeninhalt, und bestund aus 39 Vogteyen, auch vielen Städten und Aemtern, welche durch die von Bern dahin geschickten Venner- oder Pannerherren, Landvögte und Schultheissen regiert wurden. Die Anzahl der Flecken und Dörfer wurde auf mehr als 1300 geschäzt, und die ganze Volksmenge betrug 376,762 Seelen, oder 406,554 mit Einrechnung der mit Freyburg gemeinschaftlichen Districte.

Jeder Bürger war geborner Soldat, der sich montirte, mit Waffen versah und auf bestimmten Waffenplätzen geübt wurde. Da man jährlich Truppen in fremde, besonders Französische Dienste abließ, so blieb auch das einheimische Militair immer auf einem guteingerichteten Fuß. Es bestund aus 51,000 Mann Infanterie, 2 Dragoner Regimentern, 12 Compagnien Artillerie, und 13 Jägercompagnien.

Das Finanzwesen war in sehr gutem Stande und der Canton hatte gegen 6 Millionen Rthlr. an verschiedene auswärtige, als England, Sachsen, Sardinien, Dänemark xc. verlehnt. Die jährliche Einnahme vom Lande selbst betrug unterdessen nur 260,000 Thlr. aber auch die Ausgaben waren gering.

Die reformirte Religion ist die herrschende des Cantons.

Er ist 1353. dem Bunde der Eidgenossen beygetretten, und hat, wegen seiner Macht, sogleich die nächste Stelle nach Zürch, und mithin die zweyte erhalten.

Die höchste gesezgebende Gewalt hatte der große Rath zu Bern, dem ein regierender Amtsschultheis vorstund. Der kleine Rath, der auch der tägliche hieß, und die meisten Zweige der Regierungsverwaltung in seinen Händen hatte, bestund aus 27 Personen und machte mit dem großen zusammen eine Zahl von 299 Gliedern aus, wann alles besezt war. Aber dieses fand selten Statt, indem man, nach einem Gesetz von 1764, 80 Rathsglieder abgehen ließ, ehe man wieder neue wählte; und nur 243 Patricier-Familien waren wählbar. Aus ihnen bestund also der ganze Rath, so wie alle Landvögte, welche allezeit aus den Rathsherren genommen wurden. Hiedurch entstunden nun viele Klagen der übrigen Bewohner der Stadt und des Landes, vorzüglich im Waatlande, welches man ganz als unterwürfiges Volk behandelte.

Diese Klagen benüzten die Franzosen im J. 1798. zur Bestärkung der innern Unruhen und zum Eindringen in den Canton Bern mit gewafneter Hand. Die Aristokraten wurden verdrängt, zugleich aber auch das Geld in den Kassen, das zahlreiche Geschütz im Zeughause und fast alle ehemalige Wohlhabenheit weggenommen. Der Canton selbst verlor mehr als zwey Drittheile seiner ehemalige Ausdehnung, indem aus dem Waatland der neue Canton Waadtland, oder Païs de Vaud; aus dem Berner Oberlande der Canton Oberland und aus dem Aargau der Canton Aargau errichtet wurde.

Die neuen Anordnungen im J. 1803. vereinigte das Oberland wieder mit dem Canton Bern, welcher nun in die 5 Districte: Stadt Bern, Oberland, das Landgericht, das Emmenthal und das Seeland, jeder District aber in 13 Zünfte getheilt ist.

Die Gesetzgebende Gewalt hat der große Rath von 195, durch die Zünfte gewählten Mitgliedern. Ein Ausschuß von 27 Personen, welche der große Rath aus seiner Mitte wählt, bildet den kleinen Rath, welcher die vollziehende Gewalt hat, unter dem Vorsitz von 2 Schultheißen. Der große Rath versammelt sich alle halbe Jahr 3 Wochen lang.

Statt der ehemaligen Landvogteyen zählt man jezt folgende Oberämter: Amtsbezirk Bern, Seftigen, Konolsingen, Aarwangen, Signau, Ober- und Nieder-Simmenthal, Sanen, Ober- und Nieder Hasle, Schwarzenburg, Laupen, Erlach, Nidau, Büren, Arberg, Fraubrunnen, Burgdorf, Wangen, Trachselwald, Thun, Frutigen und Interlaken.

Gegenwärtig enthält der ganze Canton auf 176 Quadratmeilen, noch 215,811 Seelen nach ältern Zählungen.

In Bern rechnet man nach Batzen und Kreutzern; ein 10 Batzenstück heißt auch Frank, er ist 44 kr. Rheinisch wehrt.

Das Bernische Wappen ist ein schwarz und roth getheilter Schild mit einem schwarzen Bären, der auf einem gold. rechten Schrägbalk. gehet.


Geschichte.Bearbeiten

Schon im zwölften Jahrhunderte umgab Cuno von Bubenberg den kleinen Ort Bern, welcher bei der Feste Nydeck lag, mit Graben und Mauern, und der Herzog von Zähringen, welchem Nydeck gehörte, gab der neuen Stadt Gesetze, worauf dieselbe im dreizehnten Jahrhunderte immer mehr bevölkert wurde. Besonders suchte hier der niedere Adel der umliegenden Gegend Schutz gegen die Bedrückungen des höhern, wozu auch noch Landleute, und besonders Bürger aus den Städten Freiburg und Zürich kamen. Kaiser Friedrich II. erklärte die Stadt 1218 zu einer freien Reichsstadt, und bestätigte die Privilegien derselben durch eine alte Urkunde, die noch im dortigen Archive aufbewahrt und die kaiserliche Handfeste genannt wird.

Im Jahre 1288 wurde Bern von Rudolph von Habsburg belagert, aber nicht genommen, und 1291 fochten die Berner, unter Anführung Ulrichs von Bubenberg, gegen ihren eigenen feindlich gesinnten Adel, welchen Ulrich von Erlach befehligte. Bern wurde nun eine Freistätte für alle diejenigen, welche von Oesterreichs Adel gedrückt wurden, wodurch die Stadt selbst zu einer Bedeutendheit und Größe gelangte, die den Neid der übrigen Städte und der eigenen Adels erregte. Beide schlossen daher ein Bündniß mit einander, um Bern zu vertilgen, wodurch ein Heer von 18,000 Mann, theils Reiter, theils Fußvolk, auf die Beine gebracht wurde, welches 700 Herren mit gekrönten Helmen, und 1200 Ritter anführten. Die Berner, unter Anführung Rudolphs von Erlach, zogen in der Mitternacht, am 21sten Juni 1339, gegen jenes weit überlegene Heer, und schlugen den dreimal stärkern Feind bei Laupen gänzlich aufs Haupt. Nach diesem Siege wurde Bern immer mächtiger und die Stadt selbst sehr erweitert, worauf sie im Jahre 1353 in den ewigen Bund der Eidgenossen trat, in welchem sie die Stelle nach Zürich, mithin die zweite im Bunde, erhielt.

Bis zu Ende dieses Jahrhunderts vergrößerte Bern sein Gebiet theils durch Kauf, theils durch Eroberung dergestalt, daß die mehrsten um die Stadt herumliegenden Ortschaften zu seinem Gebiete gehörten.

Nachdem im Jahre 1405 der größte Theil der Stadt abgebrannt und darauf regelmäßig wieder aufgebaut worden war, begannen die langen Kriege mit Oesterreich, Mailand, Burgund und Savoyen, aus denen allen die Eidgenossen als Sieger hervorgingen, und in welchen Bern das ganze Aargau eroberte.

Im Jahre 1528 nahmen die Berner die Kirchenverbesserung an, indem sie sich von der Herrschaft des Papstes lossagten. In dem Kriege, den sie hierauf mit dem Herzoge von Savoyen führten, eroberte Bern das ganze Waadtland (pays de Vaud), welche eroberte Länder sie durch Landvögte, die auf den Festen wohnten, regieren ließen.

Von nun an bis zum 5ten März 1798 war der Wohlstand und Reichthum Berns in stetem Wachsthume, und auf die öffentliche Verwaltung wurden große Summen verwendet, die den Reichthum und die Macht Berns auf das deutlichste zu erkennen gaben. Der sämmtliche Flächeninhalt des ganzen Cantons betrug damals 236 Quadratmeilen, mit 380,000 Einwohnern. Endlich rückten, an jenem Tage, 30,000 Mann Franzosen gegen Bern. Zwar führte wieder ein Erlach] 18,000 Berner und 8000 übriger Eidgenossen dieser entgegen; aber die Tage von Morgarten (im Jahre 1315, gegen den Herzog Leopold von Oesterreich), von Morgarten (1339), von Murten (1476) waren vorüber, die Eidgenossen ermordeten sogar auf dem Rückzuge ihre eigenen Anführer.

Bern öffnete nun zum ersten Male dem Feinde seine Thore, und verlor, in Folge dieser Begebenheit, mehr als zwei Drittheile seiner bisherigen Besitzungen.


Quellen und LiteraturBearbeiten

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.