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Gustav III., König von Schweden, geboren den 24. Januar 1746, folgte 1771 seinem Vater Friedrich Adolph.

Mit seiner Thronbesteigung fühlte er, unter welchem Drucke der russische Hof und Stockholmer Senat die schwedischen Monarchen hielt, und suchte dieses doppelte Joch abzuschütteln. Seiner Seits wollte der Senat seine Gewalt noch mehr ausdehnen, ließ ihn eine Eidesformel unterschreiben, die von der seiner Vorgänger verschieden war, und trieb seine Anmassung bis auf das Recht, ihm den Beichtvater zu wählen, und die Quantität Wein zu bestimmen, welche an der königlichen Tafel servirt werden durfte. Gustav theilte seinen Befreyungsplan dem französischen Minister Vergennes, dem Senator Harmanon und den Grafen Scheffer und Salza mit, und sie entwarfen zusammen einen Revolutionsplan, der bald zur Ausführung kam. Der Senat, umringt von den königlichen Garden, gab ohne Widerstand nach. Die Truppen leisteten dem Monarchen den Eid der Treue, und alle, die an diesem Tage sich für den König erklärten, banden ein weisses Tuch um den linken Arm; dieses Zeichen der Ergebenheit blieb während der ganzen Regierung Gustavs III. eine Auszeichnung der schwedischen Offiziere.

Nachdem sich der König aller Posten der Stadt bemächtigt hatte, versammelte er die vornehmsten Landstände, hielt ihnen ihren Trotz und ihre widerrechtlichen Anmassungen vor, und las seinen Verfassungsplan, der auf der Stelle, ohne einen einzigen Widerspruch, gut geheissen wurde. Die Offiziere stiegen hierauf um einen Grad und die Stockholmer Bürger erhielten goldene und silberne Medaillen mit der Erlaubniß, sie an einem Band im Knopfloch zu tragen.

Nur befürchtete Gustav noch, daß die Kaiserinn von Rußland nicht aufhören würde, die Spaltungen, die seit lange seine Staaten beunruhigten, in der Gährung zu erhalten, und begab sich daher unter dem Namen eines Grafen von Gothland nach Petersburg, um sich mit dieser Monarchinn über die Mittel zur Beendigung alles Zwistes zu besprechen. Bey ihrer Zusammenkunft zeigte sie eines gegen das andere eine gleiche angenommene Herzlichkeit, und einige Jahre darauf brach der Krieg zwischen ihnen aus.

Gustav, angereitzt von England und Preussen, griff zu den Waffen, während Rußland schon in einen Krieg mit den Türken verwickelt war. Trotz seiner Subsidien und beträchtlichen Zurüstungen zu Wasser und zu Lande, blieb der Vortheil unentschieden und der Krieg fruchtlos für Gustav. Seine Flotte wurde den 17. July 1788 bey Hogland von dem Admiral Greig geschlagen und die 8 Fahrzeuge, aus denen die ganzen russische Flotte bestand, siegten durch ihre Tapferkeit. Die Schweden warfen sich nach Sweaborg, wo sie lange blockirt blieben. Indessen schlug die schwedische Flotille, unter dem Kommando des Königs selbst, die russische Flotille unter den Befehlen des Prinzen von Nassau; allein der Abfall mehrerer Offiziere ließ das Uebergewicht in russischen Händen.

Die Norweger, unter Anführung des Kronprinzen von Dänemark, schlossen sich an die letzte Macht an, zwangen zu Guistrum das Regiment von Westgothland zu kapituliren, nahmen Oudewalla ein, und belagerten Gothenburg. Gustav schiffte seine eignen Garden zum Entsatz dieses Platzes und durchstrich für seine Person die Gebirge und Waldungen von Dalecarlien, sammelte die wilden Bewohner und ging an ihrer Spitze gegen Gothenburg los. In der Furcht, daß die Stadt vor der Ankunft seiner Armee überginge, verkleidete er sich als einen einfachen Adjutanten, kam bis an die Thore und hatte Mühe, sich erkennen zu machen. Bald nöthigte die Vermittelung Englands und Preussens den Prinzen von Dänemark, die Belagerung aufzuheben und der Friede zu Varula vom 14. August 1790 endete die Feindseligkeiten.

Gustav machte sich alsobald verbindlich, der Chef der Koalition des Nordens gegen Frankreich zu werden und die Grundsätze einer für alle Könige schreckbaren Revolution tilgen zu helfen. Katharina ließ ihm durch ihren Minister Stackelberg 12000 Mann Truppen und 30000 Rubel Subsidiengelder versprechen. Er reiste hierauf nach Deutschland und kam bis Aachen, wo er Zusammenkünfte mit mehreren französischen Emigrirten, namentlich, mit Bouillé, hatte, und mit diesem den Angriff gegen Frankreich verabredete.

SectieSchwedensKönigMeuchelmord

Schwedens edler König fällt durch Meuchelmord.

Er hatte aber nicht Zeit, seine Unternehmung anzufangen. Der schwedische Adel, mißvergnügt über seine Regierung und über die Einschränkung seiner Rechte, sowohl durch die Revolution von 1772, als durch den im Anfange 1792 zu Géfle versammelten Reichstag, schwor seinen Untergang. Drey Verschworene loseten um die Vollziehung des Mords: das Loos traf Ankarström, und er drückte in der Nacht vom 15. auf den 16ten März 1792 in der Mitte des Balls die mörderische Pistole gegen ihn ab. Der Monarch verschied den 29. dieses Monats und sein Leichenbegängniß wurde den 29. May als am Jahrtage seiner Krönung gehalten; um diese Zeit war schon das Urtheil an den Mörder und seinen Mitverschwornen vollzogen.


Gustav war seit Karl XII. der einzige König von Schweden, der vollkommen schwedisch sprach; dieses machte ihm bey dem Landmann und Soldaten beliebt. Bey seinem unternehmenden, heftigen Charakter und seiner Liebe zu Abenteuern fehlte es ihm nicht an Kaltmuth und Tapferkeit. Auf seinen Reisen zeigte er allenthalben zuvorkommende Ansprache, liebenswürdige Geistesgaben und empfehlendes Aeusseres. Bey seinem Aufenthalte in Paris weigerte er sich, Franklin zu sprechen, weil es, sagte er, nicht rathsam für Könige wäre, solche Männer zu sehen. Von da ging er nach Italien, hielt sich zu Rom auf, bewunderte als Kenner die Meisterstücke der Kunst und ertheilte den Künstlern Aufmunterungen und nützliche Vorschläge.

Trotz den heftigen Schmerzen seiner Wunde behielt er bis zum letzten Augenblicke die größte Standhaftigkeit, tröstete seine Freunde und sorgte für ihre Zukunft. Den Tag vor seinem Tode, schrieb er mit eigner Hand ein Kodizill nieder, indem er seinem Bruder, dem Herzoge von Südermannland, während der Minderjährigkeit des Kronprinzen, die Regentschaft übergab und ihn bat, die Mitverschwornen seines Mörders zu begnadigen. Zuletzt ließ er seinen 14jährigen Prinzen zu sich kommen und ermahnte ihn mit Würde und auf eine rührende Weise zur Mässigung und Friedensliebe.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.