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SectiePlanBastille

Plan de la Bastille.

Bastille, ehemals ein altes Schloß zu Paris, mit acht Thürmen, die oben mit einer fortlaufenden Terrasse bedeckt waren, auf welcher dreizehn Kanonen standen.

Carl V. ließ es gegen die Engländer errichten. Hugo Aubricot, Stadtmajor und Oberhauptmann der Kaufleute zu Paris, legte 1369 den ersten Grundstein dazu, und hatte das Schicksal, selbst als Gefangener hineingesetzt zu werden.

Die Thürme dienten zu Gefängnissen, vorzüglich für Staatsverbrecher und solche, welche man zu Staatsverbrechern machte.

Die Geschichte derselben ist zugleich die Geschichte der gemißhandelten, unterdrückten Menschheit. Die Nation hegte längst den tiefsten Abscheu gegen die Bastille, und die Bestürmung derselben war eine der ersten bedeutenden Unternehmungen des pariser Volks zu Anfang der Revolution. Sie wurde am 14ten Juli 1789 erstürmt und noch in demselben Jahre dem Erdboden gleich gemacht.

Der letzte Gouverneur hieß de Launoy, und bewies bei der Vertheidigung wenig Entschlossenheit, dagegen focht der Lieutenant Flue mit seinen Schweizern sehr tapfer.


SceneStateBastille578

Von Reisende.Bearbeiten

Friedrich Johann Lorenz Meyer

[1796]

Platz der Bastille.

Hier, wo sich einst die furchtbare Burg der Eigenmacht zwischen friedlichen Wohnungen erhob, wo jene schwarzen Höhlen sich öffneten, um hinabgestürzte Unschuldige zu verschlingen und sie nie wieder zu geben; -- lächelt jetzt ein heitrer Himmel auf einen freien Platz herab. -- Man war beschäftigt, noch einige Schutthaufen der alten Trümmer hinwegzuräumen, und den Platz zu ebnen, dem der Namen der Freiheit (place de la liberté) gegeben ist. Eine bronzirte Statüe dieser Göttin, im steifen ägyptischen Stil, von Gips, stand in der Mitte des zweiten Raums.

Um Unglücksfälle bei den halb eingestürzten Erdgewölben, die noch nicht alle zugeworfen waren, zu verhüten, ward der Zugang zu dem Platze nicht verstattet; eine Schildwache stand an der hölzernen Umzäunung, und gab mir diese Nachricht. -- In diesem Augenblicke erinnerte ich mich des einem deutschen Freunde gegebnen Versprechens, ihm einen Stein von der umgestürzten Bastille mitzubringen; aber der Soldat weigerte sich, mir den Zugang zu gestatten, obgleich er ein Billet von zweihundert Livres aus meinem Portefeuille hervorgehen sah. "Was nutzt es auch, sagte er, auf den Platz zu gehen, da ihr ihn von hier überseht?" Seht, antwortete ich, auf einen etwa zwanzig Schritt entfernten Schutthaufen deutend, um von jenen Trümmern der von euch umgestürzten Bastille, einen Stein mit mir zu nehmen. -- "Wartet eine Augenblick," antwortete er rasch einfallend, und mit dem sichtlichen Ausdruck des frohen Selbstgefühls, -- "geht hin, aber eilt euch." (Attendez un moment, et puis allez; -- mais dépêchez-vous) und damit wandte er sich, und ging langsam an dem Gehege abwärts hin. Ich ging, eilte; ehe der Soldat umkehrte, war ich wieder an meinem Platz, liess hier mein Assignat fallen, und entfernte mich schnell, um dem Soldaten den Nachruf des Verlornen, und mir die Verlegenheit zu ersparen, das Papier, das seinen Mann nicht verfehlt haben wird, wieder aufheben zu müssen.



August von Kotzebue.

[1804]

Die Bastille.

Der Platz, wo dieses Werkzeug gesetzloser Herrschaft einst gestanden, wird immer merkwürdig bleiben. Mauern, Graben und Thore, sind noch vorhanden, auf dem ganzen innern Raume aber ist Brennholz aufgestellt. Ich mag die Sage nicht verbürgen, welche behauptet, ein republikanischer Held habe den Verlust der Bastille schon mehreremale herzlich beklagt. Ey nun! da ist ja noch der sogenannte Tempel, wo Ludwig XVI. gefangen saß, und der auch Raum für manchen Unglücklichen hat. Er ist mit so hohen Mauern umgeben, daß man seine vier Thürme, die einen fünften einschließen, nur in einiger Entfernung erblickt. Der schrecklichen Vergangenheit gedenkend, ergreift hier eine finstere Wehmuth den Vorübergehenden.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Fragmente aus Paris im IVten Jahr der französischen Republik von Friedrich Johann Lorenz Meyer Dr. Domherrn in Hamburg Hamburg bei Karl Ernst Bohn 1797.
  • Erinnerungen aus Paris im Jahre 1804. von August von Kotzebue. Berlin 1804 bei Heinrich Fröhlich.